Nicht immer hat die gesetzliche Krankenkasse recht

 - 

(verpd) Zeigen die herkömmlichen Methoden zur Behandlung einer schmerzhaften Häufung von Fettgebewebe keine Wirkung, so sind die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, die Kosten einer Fettabsaugung zu übernehmen, obwohl die Therapieform noch nicht als mitversichert galt. Das geht aus einer kürzlich getroffenen rechtskräftigen Entscheidung des Chemnitzer Sozialgerichts hervor (Az. S 10 KR 189/10).

Das Sozialgericht Mainz hat erst kürzlich entschieden, dass gesetzliche Krankenkassen nicht dazu verpflichtet sind, die Kosten einer Fettabsaugung zu übernehmen. Das Chemnitzer Sozialgericht ist bei einem ähnlichen Sachverhalt zu einer anderen Einschätzung gelangt.

Kein positives Votum

Ebenso wie in dem vom Mainzer Sozialgericht entschiedenen Fall litt auch eine Frau aus Sachsen unter sogenannten Lipödemen, einer schmerzhaften Häufung von Fettgewebe, deren Ursache bis heute nicht bekannt ist.

Ihre Krankenkasse war zwar dazu bereit, die Kosten einer konservativen Therapie zu übernehmen. Doch diese zeigte keinerlei Erfolg. Im Gegenteil: Nach Angaben des Arztes der Versicherten nahm die Fettgewebsdichte bei Verwendung der von der Krankenkasse empfohlenen Kompressions-Strumpfhose sogar noch zu.

Die Frau beantragte daher die Kostenübernahme für eine Fettabsaugung (Liposuktion). Doch dazu war die Krankenkasse unter Hinweis darauf, dass kein positives Votum des Gemeinsamen Bundesausschusses für diese Behandlungsmethode vorliege, nicht bereit. Die Versicherte zog daher vor das Chemnitzer Sozialgericht.

Systemmangel

Dort bestätigte ein vom Gericht befragter medizinischer Sachverständiger, dass sich die Absaugung vermehrten Fettgewebes in den letzten zehn Jahren als Therapie etabliert habe. Unter Beachtung bestimmter Voraussetzungen gelte die Liposuktion als sichere und effektive Therapiemethode. Im Übrigen befinde sich das Lipödem der Klägerin in einem fortgeschrittenen Stadium. Eine Heilung könne nur durch eine Liposuktion erreicht werden.

Diese Ausführungen fanden die Richter überzeugend. Sie gaben der Klage der Versicherten auf die Übernahme der Kosten für eine Fettabsaugung durch ihre gesetzliche Krankenkasse statt.

Das Gericht bestritt zwar nicht, dass bislang kein positives Votum des Gemeinsamen Bundesausschusses für eine Liposuktion vorliegt. Die Richter sahen darin jedoch einen Systemmangel.

Sicherere und effektive Methode

Angesichts der Tatsache, dass eine Liposuktion unter bestimmten Voraussetzungen seit Jahren als sichere und effektive Therapie anzusehen ist, wäre der Bundesausschuss dazu verpflichtet gewesen, diese Behandlungsmethode zu überprüfen.

Das gilt nach Ansicht des Gerichts umso mehr, weil es im System der vertragsärztlichen Versorgung keine andere gesicherte Behandlung für ein Lipödem gibt. Es hätte daher schon längst ein Prüfungsverfahren eingeleitet werden müssen.

Die Tatsache, dass das nicht geschehen ist, darf nach Ansicht der Richter nicht zulasten der Klägerin gehen. Das Gericht schloss sich daher der Empfehlung des Sachverständigen an, der eine Liposuktion beider Oberschenkel der Frau befürwortet hatte.

Weitere News zum Thema

  • Für eine Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung

    [] (verpd) Die Bevölkerung wird laut Statistik immer älter. Zudem steigt das Renteneintrittsalter seit einigen Jahren an. Damit erhöht sich auch das Durchschnittsalter der Belegschaft in einer Firma. Umso wichtiger ist es, dass auch die Arbeitsbedingungen entsprechend den alternden und älteren Beschäftigten angepasst werden, um ein effektives Arbeiten zu erreichen und arbeitsbedingte Leiden und Krankheiten so gut wie möglich zu vermeiden. Entsprechende Tipps für Arbeitgeber und Personalverantwortliche enthält die aktualisierte Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA). mehr

  • Welche Apotheke auch an Sonn- und Feiertagen offen ist

    [] (verpd) Apotheken haben wie andere Geschäfte auch bestimmte Öffnungszeiten. Allerdings sind viele der rund 20.000 Apotheken in Deutschland im Wechsel auch nachts sowie an Sonn- und Feiertagen geöffnet, sodass in der Regel eine ortsnahe Notversorgung mit Medikamenten gewährleistet ist. Welche Apotheke in der Umgebung zur benötigten Zeit geöffnet hat, lässt sich unter anderem über das Telefon, mithilfe eines Smartphones oder über das Internet schnell ermitteln. mehr

  • Bald wird wieder an der Uhr gedreht

    [] (verpd) Ende Oktober wird hierzulande wieder von Sommer- auf Winterzeit umgestellt. Bei vielen stellt sich die innere Uhr jedoch nicht so schnell auf die geänderte Uhrzeit um, was zu gesundheitlichen Beschwerden führen kann. Diese Probleme lassen sich jedoch mit den richtigen Maßnahmen abmildern. mehr

  • Die nächste Grippewelle kommt

    [] (verpd) Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist jedes Jahr auch in Deutschland mit einer Grippewelle zu rechnen. Sie tritt häufig in der kalten Jahreszeit auf. Wer rechtzeitig vorsorgt und bestimmte Verhaltensmaßnahmen beachtet, hat gute Aussichten, von einer Grippe verschont zu bleiben. mehr

  • Wechsel in private Krankenversicherung wird 2018 schwerer

    [] (verpd) Im kommenden Jahr steigt nach einem jüngsten Beschluss des Bundeskabinetts die sogenannte Versicherungspflicht-Grenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Damit wird für Arbeitnehmer der Wechsel zur privaten Krankenversicherung weiter erschwert und ist ab Januar 2018 erst ab einem monatlichen Einkommen von über 4.950 Euro möglich. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.