Nicht erkannte Krankheit: Nur eingeschränkte Arzthaftung

 - 

Folgendes Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm werden viele Ärzte mit Erleichterung registrieren – und möglicherweise trägt es dazu bei, das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten zu entspannen.

Das Gericht befand: Ein Facharzt, der bei einem Patienten keinen pathologischen Befund feststellen kann, der sein Fachgebiet betrifft, ist, ohne dass ein konkreter Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung vorliegt, nicht verpflichtet, weiter gehende Untersuchungen bei allen möglichen anderen Fachärzten zu veranlassen.

Die Klage hatten Kinder einer seinerzeit 50-jährigen Frau eingereicht, die an den Folgen eines Darmkarzinoms gestorben ist. Es ging um die Frage, ob der Gynäkologe, den die Betroffene zunächst wegen Unterleibsschmerzen aufgesucht hatte, diese – nachdem er in seinem engeren Facharztbereich keine krankhaften Befunde festgestellt hatte – direkt an einen Proktologen hätte überweisen müssen. Der Gynäkologe hatte die Betroffene zur weiteren Abklärung ihrer Beschwerden an einen Urologen überwiesen. Weiter gehende Untersuchungen hatte er nicht in die Wege geleitet.

Die Kinder argumentierten nun, der Gynäkologe hätte bei fachgerechtem Vorgehen ihre Mutter nicht nur an einen Urologen, sondern auch an einen Proktologen überweisen müssen. Dem folgte das Gericht aber nicht. Es befand, dem Gynäkologen sei auf seinem Fachgebiet kein Behandlungs- und Befunderhebungsfehler vorzuwerfen. Die Patientin sei nicht erneut bei ihm vorstellig geworden. Daher habe er annehmen dürfen, dass sich ihre Beschwerden gebessert hätten.

Das Urteil wäre wohl auch nach dem neuen – erst seit 2013 geltenden – Patientenrechtegesetz (mit der Einführung der §§ 630a ff. in das BGB) nicht anders ausgefallen. Nicht völlig klar ist allerdings, ob dieses Urteil in jedem Fall bezogen auf einen Allgemeinmediziner, der als Hausarzt fungiert, genauso ausgefallen wäre. Denn diesem wird vom Gesetzgeber schließlich eine Lotsenfunktion zugewiesen.

(Urteil vom 21.5.2013, Az. 26 U 140/12).

Quelle: Der GeldBerater, August 2013

Weitere News zum Thema

  • Krankenhaus haftet auch für groben Behandlungsfehler einer zweiten Klinik

    [] Die heute 54-jährige Patientin hatte erhebliche Magenbeschwerden. Sie litt an einer Magenanomalie, bei der der Magen abkippt und sich verdreht. Im Jahr 2009 ließ sie sich deswegen operieren. Bei der Operation wurden die Nähte falsch gesetzt, sodass der Magen erneut abkippen und sich verdrehen konnte. Daher musste sie zwei Monate später nochmals operiert werden. mehr

  • Sonnenschutz ist unabdingbar

    [] (verpd) Ohne die Sonne ist ein Leben auf der Erde schlicht nicht vorstellbar. Sie ermöglicht Pflanzen die Energiegewinnung über die Photosynthese und ist auch für Menschen notwendig, da die Sonne unter anderem für die Psyche und den Vitamin-D-Haushalt wichtig ist. Doch der Aufenthalt in der Sonne, birgt auch Gefahren, da die von der Sonne ausgehende UV-Strahlung ein großer Risikofaktor für Hautkrebs ist. mehr

  • Die Sommerhitze ist für Haustiere riskant

    [] (verpd) Nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Hunde, Katzen, Kaninchen, Wellensittiche und andere Tiere kann es gesundheitsgefährdend und sogar tödlich sein, wenn sie zu lange einer intensiven Sonneneinstrahlung und/oder heißen Außentemperaturen ausgesetzt sind. Die Bundestierärztekammer e.V. (BTK) gibt Tipps für die richtige Haustierhaltung an heißen Tagen. mehr

  • Gesetzliche Krankenkassen haben mehr Einnahmen als Ausgaben

    [] (verpd) Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) konnte nach offiziellen Zahlen aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im ersten Quartal 2017 ihre Reserven um 612 Millionen Euro auf rund 16,7 Milliarden Euro erhöhen. Denn die gesetzlichen Krankenkassen nahmen fast 58,19 Milliarden ein und hatten lediglich Ausgaben in Höhe von knapp 57,58 Milliarden. Allerdings stiegen die Ausgaben in allen Bereichen an. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.