Mit Krankentagegeld das Einkommen versichern

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Freiwillig gesetzlich krankenversicherte Selbstständige können ab 1.1.2009 kein Krankentagegeld bei ihrer gesetzlichen Kasse mitversichern.

Freiwillig Versicherte brauchen ab 2009 also einen privaten Krankentagegeldschutz oder ggf. den entsprechenden Wahltarif einer gesetzlichen Krankenkasse, sofern ein solcher angeboten wird.

Insbesondere Existenzgründer haben meist nur geringe finanzielle Rücklagen, um finanzielle Durststrecken bei längerer Krankheit zu überstehen. Solche Geldsorgen lassen sich mit einem privaten Krankentagegeld vermeiden. Der Krankentagegeldversicherer zahlt den vereinbarten Tagessatz für jeden nachgewiesenen Krankheitstag.

Tipp
Beiträge sparen kann man durch Abschluss eines Tagegeldvertrags mit Karenzzeit. Das Tagegeld fließt dann erst, wenn man – je nach Vereinbarung – länger als zwei, drei oder vier Wochen gesundheitsbedingt ausfällt.


Niedrigere Beiträge bei längerer Karenz

Selbstständige können selbst vereinbaren, ab wann sie Krankentagegeld bekommen möchten. Dabei gilt: Je später die Versicherung zahlen muss, umso geringer ist die Prämie. Bei Selbstständigen reicht in der Regel auch ein Zahlungsbeginn zwischen dem 28. und 42. Tag der Krankheit. Denn meist sind bei den Kunden noch Rechnungen offen, sodass auch während der Krankheit Zahlungen von Kunden eingehen.

Wie hoch das Krankentagegeld sein soll, hängt vom persönlichen Finanzbedarf ab. Mehr als den tatsächlichen Verdienst können Sie freilich nicht versichern. Eine mögliche Überversicherung des Selbstständigen kontrollieren die Versicherer, indem sie regelmäßig den aktuellen Steuerbescheid anfordern.

Die Kosten für den Krankentagegeldschutz richten sich nach dem Tagessatz, der Karenzzeit, dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand des Versicherten. Wer als Selbstständiger mit Anfang 40 ab dem 21. Krankentag 100 Euro Krankentagegeld versichern will, zahlt monatlich mindestens 120 Euro. Ab dem 42. Tag sind es im günstigsten Fall 20 Euro pro Monat.

Krankenhaustagegeld nicht nötig

Versicherte sollten übrigens das Krankentagegeld nicht mit dem Krankenhaustagegeld verwechseln. Letzteres ist eine geringe Zahlung, die Versicherte bekommen, wenn sie ins Krankenhaus müssen. Der Tagessatz liegt meistens in der Größenordnung von 25 Euro. Die Versicherung ist i. d. R. überflüssig, denn als Verdienstersatz ist die Versicherungssumme nicht ausreichend und wird eben nur gezahlt, wenn Sie im Krankenhaus liegen. Wer aber zu Hause lange krank ist, bekommt nichts. Denn anders als die Tagegeldversicherung zahlt der günstigere Krankenhaustagegeldschutz nur, solange man tatsächlich in der Klinik ist. Das ist bei längeren Erkrankungen oft nicht der Fall.

Für die festen Kosten der Firma, die auch bei Krankheit des Inhabers weiterlaufen, lässt sich alternativ mit einer Betriebsausfallversicherung vorsorgen.

Zahlung nur bei Arbeitsunfähigkeit

Wer Krankentagegeld von seiner privaten Versicherung in Anspruch nehmen will, darf nicht mehr in der Lage sein, irgendeine (auch geringfügige) Tätigkeit auszuüben, die seinem Berufsbild zuzuordnen ist. Ansonsten besteht nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Zweibrücken kein Anspruch auf Zahlung von Krankentagegeld (Az. 1 U 59/08). Dabei ist es nach der Entscheidung der Richter unerheblich, ob mit dem dann ausgeübten Nebenjob überhaupt ein wirtschaftlich sinnvolles Arbeitsergebnis erzielt werden kann. Demnach gilt, dass wer noch ein bisschen arbeiten kann, kein Geld von seiner Versicherung bekommt.

Durchsetzung der Ansprüche nicht so einfach

Die Versicherer glauben nicht immer an die Ehrlichkeit ihrer kranken Kunden und schicken schon einmal einen Detektiv, um die Erkrankung zu überprüfen. Wer Krankentagegeld bezieht und trotzdem ein bisschen arbeitet, liefert der Versicherung allerdings nicht automatisch den Grund für eine fristlose Kündigung der Police. Allerdings muss er das Krankentagegeld zurückzahlen. So entschied der Bundesgerichtshof (Az. IV ZR 129/06) im Fall eines selbstständigen Architekten, der sich trotz längeren Bezugs von Krankentagegeld dreimal mit einem fingierten Kunden zum Gespräch getroffen hatte. Die Gespräche dauerten jeweils eine halbe Stunde.

Die Karlsruher Richter werteten das zwar als unerlaubte Tätigkeit, sie sei aber zu geringfügig, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Diese sei nur aus "wichtigem Grund" möglich, zum Beispiel nach arglistiger Täuschung oder gar Betrug.

Dass die Versicherer sich gerne vor ihren Zahlungspflichten drücken, zeigt der Fall einer schwangeren Frau, die von ihrer Gynäkologin wegen Komplikationen untersucht und für arbeitsunfähig befunden wurde. Daraufhin erteilte die Gynäkologin der Frau ein Arbeitsverbot bis zur Geburt. Für die Versicherung Grund genug, der Frau das Krankentagegeld ersatzlos zu streichen, weil sie nicht mehr krank war, sondern ein Arbeitsverbot ausgesprochen bekommen hatte.

Versorgungslücke vor Rentenbezug möglich

Krankentagegeld gibt es bei gleichzeitigem Bezug einer Rente nur dann, wenn die Tarifbedingungen das ausdrücklich vorsehen. Allerdings zahlen die meisten Krankentagegeldversicherungen bei Rentenbezug wegen Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung das Krankentagegeld nicht mehr weiter aus. Das gilt vom Ende des Monats an, in dem die entsprechende Rente beantragt wird, wie das Oberlandesgericht Celle (Az. 8 U 127/07) entschieden hat.

Damit schließen sich nach den Versicherungsbedingungen Krankentagegeld und der Bezug einer Rente wegen Berufsunfähigkeit aus. In der Praxis kann es vorkommen, dass die Rente zwar beantragt wurde, der Versicherer den Anspruch aber noch prüfen muss und die Rente nicht sofort auszahlt. In diesem Fall muss der Betroffene die Zeit bis zum Rentenbeginn aus eigenen Mitteln überbrücken.

Tipp
Für Selbstständige ist es sinnvoll, eine Krankentagegeldversicherung abzuschließen, die nicht vom ersten Krankheitstag an zahlt, sondern erst dann, wenn vorhandene Geldreserven und Rechnungsaußenstände zur Neige gehen würden.

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