Milliardenüberschüsse lassen kassenspezifische Zusatzleistungen boomen – im Einzelfall kann deshalb ein Kassenwechsel sinnvoll sein

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Den gesetzlichen Krankenkassen geht es derzeit finanziell sehr gut. Kaum noch eine Kasse erhebt einen Zusatzbeitrag – die meisten machen satte Überschüsse. Die Überschüsse werden überwiegend zur Ausweitung von Leistungen verwendet. Nach wie vor ist zwar der größte Teil der Kassenleistungen vom Gesetzgeber bzw. vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt. Das Leistungsprofil der einzelnen Kassen unterscheidet sich jedoch zusehends.

Hintergrund dafür ist, dass der Gesetzgeber zum Jahresbeginn 2012 den Kassen im Rahmen des Versorgungsstrukturgesetzes ihren Spielraum für Satzungsleistungen erweitert hat. Manche setzen nun beispielsweise auf die Förderung der medizinischen Zahnreinigung, andere auf die Übernahme der Kosten alternativer Heilmittel oder einer osteopathischen Behandlung. Deshalb kann sich im Einzelfall im Hinblick auf diese Sonderleistungen ein Kassenwechsel lohnen.

Eine Umfrage von TNS Infratest ergab Mitte 2011: Jeder Erwachsene gab in den vorausgegangenen zwölf Monaten 616,00 € für Gesundheitsleistungen aus – und zwar zusätzlich zu den Krankenversicherungsbeiträgen. Jeder Dritte tätigte dabei Zusatzausgaben für Zahnbehandlungen. Die Kosten lagen dabei im Schnitt bei 125,80 €. Weitere zusätzliche Ausgaben fallen für Reiseimpfungen, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen oder Homöopathie an.

Wer Bescheid weiß, kann in einer Reihe von Fällen zusätzliche Ausgaben für Gesundheitsleistungen vermeiden – durch eine einfache Nachfrage bei seiner Krankenkasse. Das lohnt sich gerade jetzt, denn seit Mitte 2012 boomen Zusatzangebote der Kassen.

Leistungsoffensive nennt die AOK Plus ihr Programm, das im Juli 2012 gestartet ist. Sie gibt 40,00 € Zuschuss zur jährlichen Zahnreinigung. Zusätzlich trägt die Kasse auch Kosten für Eisen, Folsäure und Magnesium für Schwangere und bezahlt nichtverschreibungspflichtige Medikamente für Mitglieder zwischen 12 und 18 Jahren. In der Diskussion ist auch die mögliche Übernahme der Kosten für klassische Homöopathie.

Ähnliche Initiativen, aber in anderen Bereichen, gibt es auch bei der Techniker Krankenkasse, die für alternative Arzneimittel bis zu einem jährlichen Höchstsatz von 100,00 € aufkommt. Viele Kassen, wie die Securvita, die SBK, HEK oder die BKK vor Ort übernehmen Kosten für osteopathische Behandlungen.

Mehr Spielraum durch das Versorgungsstrukturgesetz

Einen exakten Überblick zu bekommen, fällt schwer. Das Versorgungsstrukturgesetz hat die Möglichkeiten der Kassen, freiwillige Satzungsleistungen anzubieten, deutlich erweitert. So besteht Spielraum etwa für die Übernahme der Kosten einer Haushaltshilfe im Krankheitsfall, bei Vorsorge- und Reha-Maßnahmen, künstlicher Befruchtung, zahnärztlicher Behandlung (ohne Zahnersatz), nichtverschreibungspflichtigen apothekenpflichtigen Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln, häuslicher Krankenpflege sowie Leistungen von nicht zugelassenen Leistungserbringern. Die Neuregelungen finden sich in § 11 Abs. 6 SGB V.

Im Einzelfall Kassenwechsel sinnvoll

Die neue Differenzierung der Kassenlandschaft wird die Wechselbereitschaft der Mitglieder fördern. Allerdings kann niemand die Mitgliedschaft in seiner Kasse von heute auf morgen beenden. Jeder gesetzlich Versicherte ist bei einer Kündigung für mindestens zwei weitere Monate an seine Kasse gebunden. Wer Ende September seiner bisherigen Kasse kündigt, kann frühestens zum 1. Dezember Mitglied einer anderen gesetzlichen Krankenkasse werden. In jedem Fall gilt bei allen Kassen eine 18-monatige Bindungsfrist. Das bedeutet: Mindestens anderthalb Jahre muss jeder Versicherte seiner Kasse treu bleiben. Ein besonderes Kündigungsrecht gibt es während dieser Frist nur, wenn ein Zusatzbeitrag erhoben wird.

Bei der Wahl einer neuen Krankenkasse sollten Versicherte überlegen, welche Leistungen sie bisher bei ihrer Kasse genutzt haben bzw. worauf sie besonderen Wert gelegt haben: Das sollte dann auch die neue Kasse anbieten. Wer gesund ist, sollte vor allem auf den Service achten: Ist einem eine Geschäftsstelle mit persönlichem Ansprechpartner wichtig? Wie sieht es mit der Erreichbarkeit bzw. einer Hotline aus? Unter Umständen sind persönliche Ansprechpartner bei der alten Kasse, von denen man sich jahrelang gut betreut gefühlt hat, wichtiger als 100,00 € Ersparnis bei einer konkurrierenden Kasse.

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