Mehr Transparenz bei medizinischen Zusatzleistungen

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(verpd) In fast jeder Arztpraxis werden sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (kurz IGeL) – also Leistungen, deren Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) übernommen werden –, angeboten. Eine neue Broschüre zeigt, was sich hinter diesen IGeL-Leistungen verbirgt, wann sie sinnvoll sind und welche Informationsangebote es darüber gibt.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat die neue kostenfreie Informationsbroschüre „Individuelle Gesundheitsleistungen – Ein Ratgeber für Verbraucher“ herausgebracht.

Der Ratgeber ist kostenlos im PDF-Format herunterladbar, kann aber auch kostenfrei als Printversion per Postkarte an „Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 48 10 09, 18132 Rostock“ oder online beim BMELV-Service postalisch angefordert werden.

Patientenrechte

„Bei IGeL mangelt es vielfach an aussagekräftigen und verständlichen Verbraucher-Informationen. Wichtig ist, dass die Patienten vor einer Behandlung das Für und Wider einer Behandlungsmaßnahme abwägen. Der Ratgeber liefert wichtige Tipps, damit Patienten die IGeL-Leistungen individuell besser einschätzen können. Denn bei IGeL muss die Entscheidung der Patient treffen, nicht der behandelnde Arzt“, so Bundesverbraucher-Ministerin Ilse Aigner bei der Vorstellung der neuen Broschüre.

Der Ratgeber informiert über die grundlegenden Rechte der Patienten. Unter anderem hat ein gesetzlich Krankenversicherter bei einer IGeL Anspruch auf einen Kostenvoranschlag, einen Leistungsvertrag sowie eine Rechnung.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass es beispielsweise prinzipiell möglich ist, dass die gesetzliche Krankenversicherung das Einholen einer Zweitmeinung zur Behandlung bezahlt.

Informationen per App

Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine Zweitberatung ausschließlich zu IGeL in der Regel nicht. Unter anderem wird in der Broschüre hervorgehoben, dass ein Arzt eine medizinisch notwendige Untersuchung oder Behandlung auch dann nicht ablehnen darf, wenn der Patient eine von ihm empfohlene zusätzliche IGeL ablehnt.

Des Weiteren gibt es diverse Entscheidungshilfen für oder gegen eine vom Arzt angebotene Zusatzleistung, zum Beispiel in Form einer Checkliste. Ein Schwerpunkt der 32-seitigen Broschüre ist die Aufzählung zusätzlicher seriöser Informationsquellen zum Thema IGeL.

Empfohlen wird beispielsweise das vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS) betriebene Portal www.igel-monitor.de, das allgemeine IGeL-Informationen enthält, aber auch zahlreiche einzelne IGeL bewertet. Als Ergänzung dazu gibt es eine IGeL-App für Android- und Apple-Smartphones. Damit können Patienten sich immer und überall, also auch in der Arztpraxis, über die vom Mediziner angebotenen Zusatzleistungen informieren.

Kostenschutz für bessere Leistungen

Wer Leistungen über den festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus in Anspruch nehmen will, ohne sich darum zu sorgen, ob er sich das leisten kann, kann private Vorsorge treffen. Gesetzlich Krankenversicherte können mit einer entsprechenden privaten Krankenzusatz-Versicherung Kosten, die sie normalerweise selbst tragen müssten, abfedern.

Derartige Ergänzungspolicen gibt es beispielsweise für IGeL im Bereich Zahnarzt und Zahnersatz, für Heilpraktikerbehandlungen und Brillenkosten, sowie für den Eigenanteil von verordneten Arznei-, Verbands- und Heilmitteln wie Massagen.

Aber auch bei stationären Behandlungen lassen sich Wunschleistungen, die nicht von der GKV übernommen werden, wie Einzelzimmer-Unterbringung oder Chefarztbehandlung, mit einer Zusatzversicherung absichern.

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