Mehr Diabetiker müssen als schwerbehindert anerkannt werden

 - 

Nach einem neuen Urteil des Bundessozialgerichts haben Diabetiker, die mehrfach am Tag Insulin spritzen müssen, künftig bessere Chancen, als Schwerbehinderte anerkannt zu werden.

Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 24.4.2008 gibt Diabetikern, die mehrfach am Tag Insulin spritzen müssen, Aussichten, als Schwerbehinderte anerkannt zu werden. Der individuelle Therapieaufwand muss künftig bei der Einstufung berücksichtigt werden (Az. B 9/9a SB 10/06 R).

Bei der Feststellung des Grads der Behinderung (GdB) richten sich die Versorgungsämter nach den "Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht". Diese enthalten allgemeine Beurteilungsregeln und Einzelangaben darüber, wie hoch der GdB bei welchen Behinderungen festzusetzen ist. Die Anhaltspunkte gelten bundesweit und sollen für eine möglichst einheitliche Praxis sorgen.

Diabetikern des Typ II (Altersdiabetes) wird bislang allenfalls ein GdB von 30 zugestanden. Für Diabetes Typ I (jugendlicher Diabetes) sehen die Anhaltspunkte unter Punkt 26.15 derzeit vor: Soweit dieser Diabetes-Typ "durch Diät und alleinige Insulinbehandlung schwer einstellbar ist", wird ein GdB von 50 anerkannt. Wenn der Diabetes "gut einstellbar" ist, gibt es nur einen GdB von 40.

Diese schematischen Regeln waren für das BSG nach Anhörung von vier Sachverständigen nicht akzeptabel. Vielmehr sei eine differenziertere Beurteilung erforderlich. Maßgeblich sei nicht nur die erreichte Stoffwechsellage, sondern auch der dafür erforderliche Therapieaufwand. Zur Klärung des im zu entscheidenden Fall notwendigen Aufwands wurde der Fall zurück an das LSG Baden-Württemberg verwiesen.
Tipp
Ein Antrag auf Anerkennung eines höheren Grads der Behinderung lohnt sich häufig. Ob bei gesundheitlichen Handicaps etwa ein GdB von 40 oder 50 anerkannt wird, ist für die Betroffenen wichtig. Erst mit einem GdB von 50 beginnt die Einstufung als »schwerbehindert«. Damit verbunden sind Nachteilsausgleiche wie Steuervergünstigungen oder besserer Kündigungsschutz und eine Woche zusätzlicher Jahresurlaub für schwerbehinderte Arbeitnehmer. Zudem steht den Betroffenen erst bei einem GdB von 50 die Schwerbehindertenrente zu. Diese gibt es derzeit für diejenigen, die eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren nachweisen können, noch mit 60 Jahren (im Regelfall mit Abschlägen in Höhe von 10,8 Prozent).

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.