Medizinische Behandlungsfehler – kein Grund zur Entwarnung

Medizinische Behandlungsfehler – kein Grund zur Entwarnung

 - 

Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) haben 2015 insgesamt 14882 Gutachten wegen des Verdachts auf Behandlungsfehler erstellt. Das ist nochmals ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Zahl der durch die Gutachten bestätigten Fehler, die einen Schaden verursachten, stieg deutlich an: von 3796 (2014) auf 4046 im Jahr 2015. Die Quote anerkannter Fehler liegt nach wie vor bei gut einem Viertel. Diese Daten machten allerdings nur die Spitze des Eisbergs sichtbar. Unklar sei nach wie vor, wie viele Behandlungsfehler überhaupt nicht aufgedeckt und statistisch erfasst würden, erklärte der MDK. Viele unerwünschte Ereignisse seien für Patienten überhaupt nicht zu erkennen, etwa eine falsche Medikamentenkombination, die zu einem Nierenversagen führe. Nur ein geringer Teil der Fehler werde überhaupt bekannt und nachverfolgt.

Private Krankenversicherung im Alter. Bescheid wissen, zahlt sich aus.

Die Ergebnisse des AOK-Krankenhausreports dürften dabei ein realistischeres Bild der Realität im deutschen Gesundheitswesen geben. Danach gibt es bei 5 % bis 10 % der Krankenhausbehandlungen ein unerwünschtes Ereignis – etwa eine allergische Reaktion oder eine Entzündung der Operationswunde. Die AOK-Statistiker gehen davon aus, dass es bei tausend Fällen von Krankenhausbehandlungen zu einem Todesfall kommt, der auf Behandlungsfehler beruht. 2015 gab es übrigens in Deutschland 19,2 Millionen stationäre Krankenhausbehandlungen.

Die von den MDKs festgestellten Fehler betrafen überwiegend die Krankenhäuser, was darauf zurückzuführen ist, dass dort schwerwiegendere Eingriffe vorgenommen werden. Der Anteil der bestätigten Fehler war bei der Pflege mit 52 % besonders hoch. Hierbei geht es in erster Linie um die Entwicklung eines hochgradigen Dekubitus.

Was ändert sich ab 60plus? Dieser kompetente Ratgeber gibt Ihnen Sicherheit bei Finanzen, Versicherungen, Altersvorsorge und Pflege.

Grundlage für die Einschaltung des MDK ist der durch das Patientenrechtegesetz 2013 neu gefasste § 66 SGB V. Danach sollen die Kassen die Versicherten bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen, die bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen aus Behandlungsfehlern entstanden sind und nicht nach § 116 SGB X auf die Kassen übergehen, unterstützen. Die Krankenkassen sind nach § 66 SGB V dazu verpflichtet, ihre Versicherten bei der Aufklärung eines Behandlungsfehlervorwurfes und dem Durchsetzen eventuell daraus entstehender Schadenersatzansprüche zu unterstützen.

Die Krankenkasse ist behilflich bei der Erstellung eines Gedächtnisprotokolls, beschafft die notwendigen Fallunterlagen und veranlasst in der Regel eine medizinische Begutachtung durch den zuständigen MDK. Der MDK kann nur von der Krankenkasse beauftragt werden. Durch den MDK wird eine interne Begutachtung mit eigenen Fachärzten veranlasst oder ein externer Facharzt mit der Begutachtung des Behandlungsfehlervorwurfes beauftragt.

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Pflege" beantworten Praxisexperten in unserem aktuellen Ratgeber Der Pflegefall droht: Entscheidungen treffen, Vermögen schützen und Ansprüche durchsetzen.

Weitere News zum Thema

  • Krankenkassen haben Milliardenüberschuss

    [] Nach den ersten drei Quartalen 2017 konnten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro ausweisen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung: Geringe Beitragsentlastung

    [] Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit wird der vom Arbeitnehmer alleine zu tragende Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Durchschnitt sinken. Allerdings werden Gutverdiener aufgrund der Erhöhung bestimmter Sozialversicherungs-Werte dennoch mehr zahlen müssen als bisher. Zudem wird der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung schwerer. mehr

  • Neues für Selbstständige mit geringem Einkommen

    [] Wie das Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jüngst mitteilte, gibt es ab 2018 eine Änderung bei der Festlegung der Beiträge für Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind. Zudem steigt der Mindestbeitrag. Experten warnen bereits seit Längerem vor einer Überforderung von gering verdienenden Selbstständigen durch überhöhte Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). mehr

  • Gefährliches Spielzeug und riskante sonstige Produkte

    [] Nicht jedes Spielzeug oder Kinderzimmer-Möbelstück ist auch wirklich für Kinder geeignet. Ein Webportal zeigt, worauf man bei den einzelnen Produktarten achten sollte, um das Unfallrisiko minimal zu halten und die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, aber auch, welche einzelnen Produkte bereits als gefährlich eingestuft wurden. mehr

  • Damit PC und Smartphone nicht zu Augenleiden führen

    [] Viele, die fast jeden Tag stundenlang auf einen Monitor blicken, egal ob es sich dabei um einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display handelt, leiden irgendwann unter gereizten, geröteten, lichtempfindlichen und/oder juckenden Augen. Bei manchen verschlechtert sich sogar die Sehstärke. Wie sich solche Beschwerden verhindern lassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.