Krankenkassen mit dreistelligem Millionendefizit

 - 

(verpd) Nach den vorläufigen Finanzergebnissen weisen die gesetzlichen Krankenkassen in der ersten Jahreshälfte 2014 über 600 Millionen Euro Defizit aus. Die Finanzreserven belaufen sich auf 16,2 Milliarden Euro, wie das Bundesministerium für Gesundheit jüngst bekannt gab.

Die 131 gesetzlichen Krankenkassen haben nach den vorläufigen Finanzergebnissen im ersten Halbjahr ein Defizit von rund 620 Millionen Euro eingefahren, wie vor Kurzem das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bekannt gab. Dabei standen Ausgaben von rund 102,3 Milliarden Euro den Einnahmen von 101,7 Milliarden Euro gegenüber.

Nur wenige Kassen haben einen Überschuss erwirtschaftet

Die Differenz führt das BMG größtenteils auf Prämienzahlungen an Krankenkassenmitglieder – diese beliefen sich auf knapp 400 Millionen Euro – sowie auf Aufwendungen für freiwillige Satzungsleistungen zurück. Unter den freiwilligen Leistungen fallen beispielsweise eine professionelle Zahnreinigung oder eine Osteopathie-Behandlung. Dafür wurden rund 125 Millionen Euro ausgegeben. Ohne diese Sonderfaktoren ergebe sich in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein nahezu ausgeglichenes Finanzergebnis, stellt das Ministerium heraus.

Bei den einzelnen Kassenarten gab es nach den BMG-Zahlen eine höchst unterschiedliche Entwicklung. So erzielten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) und die Knappschaft-Bahn-See ein Plus im dreistelligen Millionenbereich.

Ganz anders die Ersatzkassen, die ein Minus von fast 700 Millionen Euro zu verzeichnen hatten. Auch die Betriebskrankenkassen (BKKen) und die Innungskrankenkassen (IKKen) gaben zwischen Januar und Juni mehr aus, als sie an Einnahmen erzielten.

Deutliche Zunahme der Leistungsausgaben

Insgesamt erhöhten sich die Leistungsausgaben je Versicherten um 5,3 Prozent. Deutlich stärker fiel der Zuwachs bei den Arzneimittelausgaben und bei denen für Hilfsmittel mit jeweils rund neun Prozent aus. Auch der Posten Krankengeld verzeichnete mit fast sieben Prozent ein vergleichsweise hohes Ausgabenplus.

„Als maßgebliche Ursachen für diesen Anstieg beim Krankengeld sind weiterhin eine Zunahme der Krankengeldbezieher in höheren Altersgruppen bei steigendem Renteneintrittsalter sowie der Anstieg von lang andauernden psychischen Erkrankungen zu nennen“, erläutert das Ministerium. Hier seien nicht zuletzt die Unternehmen und die Krankenkassen gemeinsam gefordert, diesem Trend im Rahmen einer verstärkten betrieblichen Gesundheitsförderung entgegenzuwirken.

Größter Kostenblock waren die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit fast 35 Millionen Euro. Jeweils etwa halb so hoch waren die Ausgaben, die der vertragsärztlichen Versorgung zugutekommen, sowie diejenigen für Arzneimittel. Das „saisonübliche“ Defizit im Gesundheitsfonds in Höhe von 3,24 Milliarden Euro wird sich nach Einschätzung des BMG unter anderem durch beitragspflichtige Einmalzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie höhere Tarifabschlüsse im weiteren Jahresverlauf deutlich verbessern.

Über 26 Milliarden Euro Finanzreserven

Auch die höheren Renten seit dem 1.7.2014 sowie die eingeführte Mütterrente werden zu höheren Einnahmen in der GKV führen, so das BMG. Die rechnerischen Finanzreserven von Krankenkassen und Gesundheitsfonds betrugen zum 30. Juni circa 26,6 Milliarden Euro, wovon rund 16,2 Milliarden Euro auf die Krankenkassen und etwa 10,4 Milliarden Euro auf den Gesundheitsfonds entfielen. Ende März waren es noch 27,7 Milliarden Euro.

„Die Zahlen des ersten Halbjahres sprechen dafür, dass auch im Jahr 2014 die Zuweisungen mit einem zugesicherten Volumen von 199,6 Milliarden Euro, die die Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten, insgesamt ausreichen können, um die voraussichtlichen zuweisungsrelevanten Ausgaben zu decken“, erläutert das Ministerium.

Das schließe nicht aus, dass Krankenkassen etwa durch die Gewährung von Prämien oder freiwilligen zusätzlichen Satzungsleistungen ihre laufenden Ausgaben nicht nur durch die Einnahmen des laufenden Jahres deckten. Vielmehr könnten die Kassen auch auf Rücklagen zurückgreifen, die in den vergangenen Jahren aufgebaut worden sind.

Weitere News zum Thema

  • Wann die Krankenkasse die Leistung (nicht) verweigern darf

    [] (verpd) Normalerweise übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nur Behandlungsmethoden, die beispielsweise dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen. Das Bundesverfassungs-Gericht klärte nun, wann eine gesetzliche Krankenkasse von dieser Regelung abweichen muss (Az. 1 BvR 452/17). mehr

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.