Krankengeldprobleme wegen eines verspäteten Arztbesuchs

 - 

(verpd) Versicherte, die eine Arbeitsunfähigkeit nicht vor Ablauf des Bewilligungsabschnitts auf Zahlung von Krankengeld erneut ärztlich feststellen lassen, verlieren unter Umständen ihren Anspruch auf weitere Zahlungen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts hervor (Az. B 1 KR 17/13 R).

Das Arbeitsverhältnis der als Bürokraft in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Frau endete am 30. September. Zwei Tage vorher ließ sie sich von ihrer Ärztin wegen einer wiederkehrenden depressiven Störung zunächst bis Sonntag, den 24. Oktober, krankschreiben.

Weil die Frau wegen des gekündigten Arbeitsverhältnisses keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung hatte, wurde ihr von ihrem Krankenversicherer für die Zeit vom 1. bis 24. Oktober die Zahlung von Krankengeld bewilligt. Am Montag, den 25. Oktober, begab sich die Frau erneut zu ihrer Ärztin. Diese schrieb sie bis auf Weiteres krank.

Keine Fortzahlung des Krankengeldes

Ihren Antrag auf Fortzahlung des Krankengeldes lehnte ihr Krankenversicherer ab. Denn da Krankschreibungen bei Erkrankungen, die ambulant behandelt werden, vor Ablauf erneut bescheinigt werden müssen, sei sie nicht fortlaufend krankgeschrieben gewesen. Damit aber ende ihre Pflichtmitgliedschaft in ihrer Eigenschaft als Arbeitnehmerin. Sie habe daher allenfalls einen Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld.

Zu Recht, urteilte das Bundessozialgericht. Nachdem die Frau in den Vorinstanzen mit ihrer Klage gegen den Krankenversicherer zunächst Erfolg gehabt hatte, wurde der Revision des Versicherers in letzter Instanz stattgegeben. Die Richter schlossen sich der Auffassung des Versicherers an, dass die Klägerin ab dem 25. Oktober nicht mehr auf Basis ihrer bis Ende September ausgeübten Beschäftigung mit Anspruch auf Zahlung von Krankentagegeld versichert war.

Das wäre nach Ansicht des Bundessozialgerichts nur dann der Fall gewesen, wenn sich die Klägerin vor diesem Datum weiterhin hätte krankschreiben lassen. Denn nur dann hätte es einen nahtlosen Übergang gegeben. Da bei Krankschreibungen wegen einer ambulant behandelten Erkrankung der Anspruch auf Zahlung von Krankengeld erst einen Tag später entsteht, hat die Klägerin, wie von ihrem Krankenversicherer vorgetragen, allenfalls einen Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld.

Denkbarer Schadenersatzanspruch gegenüber Ärztin

Als Arbeitslose ist sie zwar auch pflichtversichert; dies jedoch in einer anderen Eigenschaft, sodass ihr Krankengeldanspruch verwirkt ist. In dem Urteil heißt es dazu wörtlich: „Für die Aufrechterhaltung des Krankengeldanspruchs aus der Beschäftigten-Versicherung ist es deshalb erforderlich, aber auch ausreichend, dass die Arbeitsunfähigkeit vor Ablauf des Krankengeld-Bewilligungsabschnitts erneut ärztlich festgestellt wird. Hieran fehlt es.“

Nach Ansicht der Richter war der beklagte Krankenversicherer auch nicht dazu verpflichtet, die Klägerin auf die Gefahr eines möglichen Verlustes ihres Krankengeldanspruchs hinzuweisen. Es wäre vielmehr ihre Sache gewesen, sich ausreichend zu informieren.

Falls sich herausstellen sollte, dass die Klägerin von ihrer Ärztin nachweislich falsch beraten wurde, hat sie allenfalls dieser gegenüber einen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz. Über diese Frage hatte das Bundessozialgericht jedoch nicht zu entscheiden.

Weitere News zum Thema

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

  • Zu müde zum Erholen: Wenn die Grenze überschritten ist

    [] (verpd) Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ist eine gesunde Basis. Wer länger arbeitet, muss um die zehnte Stunde herum mit einem Leistungsknick rechnen. Eine angestaute Ermüdung nach zu langer Arbeit verhindert den Erholungseffekt der Freizeit. Wer jahrelang 50 Stunden oder länger pro Woche arbeitet, setzt seine physische und psychische Gesundheit aufs Spiel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.