Krankengeldfalle entschärft

 - 

Mit einem neuen Gesetz wurde jetzt die sogenannte Krankengeldfalle entschärft.

In diese Falle waren viele Kranke getappt, die sich nicht schon spätestens am letzten Tag ihrer bescheinigten Arbeitsunfähigkeit (AU) erneut eine Krankschreibung vom Arzt besorgt hatten. Ihnen wurde das Krankengeld gestrichen. Auch nach der jetzigen Neuregelung ist aber wichtig: Unterbrechungen darf es bei der Krankschreibung nicht geben. Sonst kann das Krankengeld gestrichen werden.

Nach dem neuen § 46 SGB V gilt nun generell: Der Anspruch auf Krankengeld entsteht von dem Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an – und nicht erst, wie bisher bei Folgekrankschreibungen, vom nächsten Tag an.

Dazu sollten kranke Arbeitnehmer die folgenden Regeln beachten:

Arbeitsunfähigkeit bereits bei Jobende: Spätestens am letzten Beschäftigungstag zum Arzt

Wenn das Beschäftigungsverhältnis endet, müssen sich arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach wie vor spätestens am letzten offiziellen Beschäftigungstag krankschreiben lassen. Falls dieser auf einen Samstag oder Sonntag fällt, muss der gelbe Schein bereits am vorangegangenen Freitag ausgestellt werden. Nur dann sichern sich die Betroffenen einen Anspruch auf Krankengeld, das sich nach ihrem letzten Lohn richtet. Der Grund hierfür ist: Das Pflichtversicherungsverhältnis der Betroffenen ist an das (vorherige) Beschäftigungsverhältnis geknüpft. Endet Letzteres, so endet auch die hieran gekoppelte Pflichtversicherung mit Anspruch auf Krankengeld. Hieran hat sich durch die Gesetzesänderung nichts geändert.

Wichtig ist dies vor allem für den gar nicht so seltenen Fall, dass Arbeitnehmer schon vor dem Ende ihres Jobs von der Arbeit freigestellt sind. Da sie dann ohnehin nicht bei der Arbeit erscheinen müssen, sparen sie sich häufig im Fall der Arbeitsunfähigkeit die Krankmeldung.

Bis zu einem Urteil des Bundessozialgerichts vom 10.5.2012 (Az. B 1 KR 19/11 R) verlangten die Krankenkassen sogar bei der ersten Krankmeldung schon eine Krankschreibung des Arztes bereits am vorletzten Tag des Beschäftigungsverhältnisses. Seitdem gilt wenigstens: Die AU-Bescheinigung am letzten Beschäftigungstag reicht aus, um die Pflichtmitgliedschaft Beschäftigter auch nach dem Ende ihres Beschäftigungsverhältnisses weiter bestehen zu lassen – solange Arbeitsunfähigkeit besteht und Krankengeld gezahlt wird.

Bei längerer Arbeitsunfähigkeit: Folgebescheinigung spätestens am ersten Werktag nach dem Auslaufen der AU-Bescheinigung

Die AU-Bescheinigungen sind in der Regel zeitlich befristet. Wer länger krank ist, braucht eine Folgebescheinigung. Hier greift nun eine Entschärfung nach dem neuen Gesetz: Endet die AU-Frist beispielsweise an einem Mittwoch, dann reicht es jetzt, wenn am nächsten Werktag – also am Donnerstag – erneut eine Folgekrankschreibung vom Arzt ausgestellt wird.

Das Gesetz enthält nun auch ausdrücklich eine Wochenend-Regelung: Falls eine Krankschreibung am Freitag abläuft, dann geht der Anspruch auf Krankengeld auch dann nicht verloren, wenn erst am darauffolgenden Montag erneut ein Arzt die AU wegen derselben Krankheit feststellt.

Nach wie vor müssen Krankengeld-Bezieher aber darauf achten, dass sich ihre zumeist zeitlich befristeten AU-Bescheinigungen nahtlos aneinanderreihen. Sie selbst – und nicht ihre Ärzte oder Krankenkassen – sind dafür verantwortlich, dass ihre Krankschreibungen keine Lücken aufweisen. Wenn es auch nur einen Werktag (außer Samstag) gibt, für den keine AU festgestellt wurde, dann gibt's dafür kein Krankengeld.

Für Beschäftigte ist das zwar ärgerlich, aber wirtschaftlich verschmerzbar. Denn sie können danach wieder Krankengeld bekommen. Für diejenigen aber, deren Beschäftigungsverhältnis bereits beendet ist, bedeutet das zumeist auch das Ende weiterer Krankengeld-Zahlungen. Oft verlieren sie damit auch ihren Status als Pflichtversicherte – und müssen sich dann für viel Geld freiwillig gesetzlich krankenversichern.

Problematisch besonders für Schwerkranke

Gerade für Schwerkranke sind die skizzierten Regelungen problematisch. Sie denken häufig an alles andere – aber nur nicht an eine pünktliche Verlängerung ihres gelben Scheins. Eine besondere Verantwortung liegt in diesen Fällen bei den Angehörigen. Diese sollten ggf. das Krankengeld-Management in die Hand nehmen, um Lücken bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu verhindern.

Neue Regelungen auch nach Krankenhaus-Entlassung

Wer nach einem stationären Aufenthalt in einer Klinik nach Hause kommt, muss jetzt nicht mehr sofort zum Haus- oder Facharzt rennen, um weiterhin arbeitsunfähig geschrieben zu werden oder dringend benötigte Arzneien verordnet zu bekommen. Die Krankenhäuser können nun den entlassenen Patienten auch Medikamente verordnen, allerdings jeweils nur die kleinste Packungsgröße. Und: Sie können die Patienten für bis zu sieben Tage nach ihrem Krankenhausaufenthalt krankschreiben und dafür sorgen, dass sie für maximal sieben Tage eine häusliche Krankenpflege auf Kosten der Kasse bekommen.

Krankengeld – eine attraktive Lohnersatzleistung

Das Krankengeld, das die gesetzlichen Krankenkassen zahlen, ist eine relativ gut ausgestattete Lohnersatzleistung – und weit höher als die meisten anderen Versicherungsleistungen. Es beträgt 70 % des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 % des Nettoverdienstes. Zudem sind die Bezieher weiterhin ohne eigenen Beitrag krankenversichert. Beiträge für die anderen Sozialversicherungen gehen allerdings vom Krankengeld ab.

Auf das Krankengeld selbst müssen keine Steuern gezahlt werden. Es unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt und kann dadurch den Steuersatz für das zu versteuernde Einkommen etwas erhöhen. Einige Kassen, wie z.B. die AOK oder die Techniker Krankenkasse, bieten im Internet einen Krankengeldrechner an, mit dessen Hilfe Sie die Höhe Ihres individuellen Anspruchs selbst ausrechnen können.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.