Krankengeld nach Arbeitsende?

Wird ein gesetzlich krankenversicherter Arbeitnehmer am letzten Tag seines Arbeitsverhältnisses von einem Arzt krankgeschrieben, so hat er trotz des nicht mehr bestehenden Beschäftigungs-Verhältnisses ab dem Folgetag einen Anspruch auf Zahlung von Krankengeld. Das hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden (Az. L 16 KR 73/10).

Ein Mann hatte seinen Arbeitsplatz verloren und wurde unmittelbar vor dem Ausscheiden aus den Diensten seines Arbeitgebers krank und von seinem Arzt arbeitsunfähig geschrieben. Auch nach der offiziellen Beendigung seines Arbeitsverhältnisses war er weiterhin krank. Sein Antrag auf Zahlung von Krankengeld über das Ende seiner Beschäftigungszeit hinaus wurde jedoch von seiner Krankenkasse abgelehnt.

Entscheidend ist der Tag der Krankschreibung

Zur Begründung wies die Kasse den gekündigten Arbeitnehmer darauf hin, dass ein Anspruch auf Zahlung eines Krankengeldes nach den gesetzlichen Bestimmungen erstmals einen Tag nach einer Krankschreibung besteht. Zu diesem Zeitpunkt habe er sich jedoch in keinem versicherungs-pflichtigen Arbeitsverhältnis mehr befunden. Der Fall landete schließlich vor Gericht. Nachdem der Versicherte mit seiner Klage in der ersten Instanz gescheitert war, errang er mit seiner Berufung vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen einen Sieg.

Nach Ansicht der Richter reicht es zur Entstehung eines Anspruchs auf Zahlung von Krankengeld aus, dass die Arbeitsunfähigkeit zu einem Zeitpunkt festgestellt wird, zu dem noch eine Versicherung mit Krankengeldanspruch besteht. Das war im Fall des Klägers sein offizieller letzter Arbeitstag. Schließt sich daran nahtlos ein Krankengeldanspruch an, so ist das Krankengeld trotz eines nicht mehr bestehenden Arbeitsverhältnisses bis zum Ende der Erkrankung weiterzuzahlen.

Hinweispflicht der Krankenkasse

Um den Anspruch bei fortbestehender Erkrankung zu erhalten, muss ein Versicherter spätestens am letzten Tag des Zeitraums, für den ihn der behandelnde Arzt die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat, erneut zum Arzt gehen und sich das Fortbestehen attestieren lassen.

Hierauf muss ihn seine Krankenkasse jedoch hinweisen. „Versäumt die Kasse diesen Hinweis, ist es unschädlich, wenn der Versicherte erst einen Tag später den Arzt aufsucht und deshalb kein lückenloser Krankengeldanspruch besteht“, so das Gericht. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls wurde eine Revision zum Bundessozialgericht zugelassen. Da die Krankenkasse von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.

Mögliche Einkommenslücke

Grundsätzlich müssen gesetzlich Krankenversicherte im Krankheitsfall mit Einkommenseinbußen rechnen. Denn nach der gesetzlichen sechswöchigen Lohnfortzahlung des Arbeitnehmers zahlt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für maximal 78 Wochen 70 Prozent des Bruttolohns, höchstens 90 Prozent des Nettoeinkommens.

Insbesondere gut verdienende Angestellte haben bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit oftmals hohe finanzielle Einbußen im Vergleich zum Gehalt. Die GKV berücksichtigt nämlich für die Höhe des Krankengeldes maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze (monatlich 3.712,50 € in 2011 und 3.825 € in 2012). Das Gehalt oberhalb dieser Grenze wird nicht mit einbezogen. Mit einer privaten Krankentagegeld-Versicherung lassen sich diese Einkommenseinbußen jedoch ausgleichen.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.