Krankengeld gibt es am Ende einer Beschäftigung nur bei lückenloser Krankschreibung

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Das Krankengeld, das die gesetzlichen Kassen zahlen, ist weit höher als das Arbeitslosengeld und übrigens in aller Regel auch (bei Arbeitnehmern im Vorfeld des Rentenantrags) die andernfalls gezahlte Rente. Wer am Ende einer Beschäftigung krank ist, sollte deshalb die Regeln zum Krankengeldbezug beachten. Diese hat das BSG am 10.5.2012 neu definiert (Az. B 1 KR 19/11 R).

Wer am Ende seines Beschäftigungsverhältnisses arbeitsunfähig ist, hat anschließend – bei fortdauernder Arbeitsunfähigkeit – Anspruch auf Krankengeld. Das Krankengeld beträgt bis zu 90 % des vorher bezogenen Nettoverdiensts. Zum Vergleich: Das Arbeitslosengeld I ersetzt maximal 67 % des vorherigen Nettoverdiensts.

Für ein und dieselbe Krankheit besteht bis zu 78 Wochen Anspruch auf Krankengeld, wobei die (meist sechswöchige) Entgeltfortzahlung angerechnet wird. Für gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmer ist ein Anspruch auf Krankengeld damit bares Geld wert.

Allerdings müssen sie die Krankengeldregeln beachten: Es reicht für ihren Krankengeldanspruch nicht, dass sie arbeitsunfähig sind; sie müssen sich vielmehr die Arbeitsunfähigkeit (AU) rechtzeitig von ihrem Arzt bescheinigen lassen.

Arbeitsunfähigkeit bei Beschäftigungs-Ende: Spätestens am letzten Beschäftigungstag zum Arzt

Um einen vollen Anspruch auf Krankengeld, das sich nach ihrem letzten Verdienst richtet, zu haben, müssen sich Betroffene spätestens am letzten Beschäftigungstag von ihrem Arzt arbeitsunfähig schreiben lassen. Bis zum Urteil des Bundessozialgerichts vom 10.5.2012 verlangten die Krankenkassen sogar eine Krankschreibung bereits am vorletzten Tag des Beschäftigungsverhältnisses. Diese Voraussetzung hat nun das BSG gekippt.

Die AU-Bescheinigung am letzten Beschäftigungstag reicht damit aus, um die Pflichtmitgliedschaft von Arbeitnehmern auch nach Beschäftigungs-Ende weiter bestehen zu lassen – solange Arbeitsunfähigkeit besteht und Krankengeld gezahlt wird. Wer sich allerdings erst am ersten Tag der Arbeitslosigkeit arbeitsunfähig meldet, hat maximal für einen Monat Anspruch auf Krankengeld (aus dem sog. nachgehenden Versicherungsschutz).

Bei längerer Arbeitsunfähigkeit: Folgebescheinigung spätestens am letzten AU-Tag holen

Bis Dienstag bin ich krankgeschrieben, dann gehe ich Mittwoch zum Arzt. Nicht selten verfahren gesetzlich Versicherte, die – etwa nach einem Herzinfarkt – längerfristig krank sind, nach diesem Motto. Und mitunter akzeptieren die Krankenkassen bzw. ihre Beschäftigten entsprechend verspätet ausgestellte Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen. Darauf kann sich allerdings niemand verlassen. Dies gilt erst recht nach dem jüngsten Urteil des Bundessozialgerichts.

Verhandelt wurde hier über den Fall einer Arbeitnehmerin, die von ihrer Ärztin bis zum 27.10.2008 arbeitsunfähig geschrieben war. Dass sie danach weiter krank war, hat niemand angezweifelt, auch die Krankenkasse nicht. Die Betroffene ging allerdings erst am Folgetag, am 28.10.2008 also, zu ihrer Ärztin und wurde erneut arbeitsunfähig geschrieben. Zu spät, befand die Krankenkasse und wurde nun vom Bundessozialgericht bestätigt. Originalton BSG: Der Klägerin steht kein Krankengeld für die Zeit ab 28.10.2008 zu, weil ihre aufrechterhaltene Mitgliedschaft am 27.10.2008 endete. Als die Klägerin am 28.10.2008 die Ärztin U aufsuchte, war sie nicht mehr mit Anspruch auf Krankengeld versichert.

Diese Regeln sind auch vielen Ärzten nicht bekannt. Mitunter vergeben Arztpraxen regelmäßig Termine für den Tag nach Ablauf der AU-Bescheinigung. Nach dem jüngsten BSG-Urteil sollte sich hierauf niemand einlassen und auf einem Arzt-Termin spätestens am letzten Tag, für den die AU bescheinigt ist, bestehen.

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