Kranken-Zusatzversicherungen können Zuzahlungen ausgleichen

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Zuzahlungen und Selbstbehalte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können Sie als Kassenpatient durch private Zusatzversicherungen ganz oder teilweise abdecken.

Das Angebot der privaten Krankenversicherungen ist groß. Allein im Jahr 2012 wurden 573000 neue Zusatzversicherungen verkauft, sodass sich die Anzahl insgesamt auf gut 23 Millionen Stück erhöhte. Das spülte der privaten Krankenversicherung (PKV) knapp 20 % ihrer gesamten Beitragseinnahmen in die Kassen. Hinzu kommen noch reichlich 24,3 Millionen Auslandsreise-Krankenversicherungen, die gerade von reisefreudigen Ruheständlern bevorzugt werden.

Die Leistungseinschnitte bei der GKV treiben immer mehr gesetzlich Versicherte in die Arme der Privatversicherer. Die eher kleinpreisigen Verträge bieten zu drei Vierteln reine Ergänzungen zur GKV in Form von ambulanten und Zahnarztleistungen sowie besserer Unterbringung und Chefarztbehandlung im Krankenhaus.

Die Palette reicht von reinen Zahnersatz-Zusatzversicherungen über Kombiprodukte, die auch für Sehhilfen und Auslandsreisen leisten, bis hin zu Produkten, die Sie zum Privatpatienten machen. Die Preis- und Leistungsunterschiede sind groß. Deshalb gilt es, genau hinzusehen. Fragen Sie zuerst bei Ihrer Krankenkasse nach: In einigen Fällen gibt es dort Preisnachlässe oder vereinfachten Zugang zum privaten Versicherungsschutz. Grund: Einige Krankenkassen bieten in Kooperation mit privaten Anbietern private Zusatzversicherungen an.

Am gefragtesten sind private Zahnzusatzversicherungen und Auslandsreise-Krankenversicherungen, neuerdings auch staatlich geförderte Pflege-Zusatzversicherungen.

Zahnzusatzversicherung

Ein Fall aus dem wahren Leben: Ein älterer Patient suchte im August 2008 seinen Zahnarzt zur Behandlung auf. Dabei wurde auch festgestellt, dass im Bereich anderer Zähne eine teilinsuffiziente Brücken- und Kronensituation vorlag, die jedoch keine Schmerzen verursachte. Für neuen Zahnersatz sah der Arzt keinen akuten Bedarf. Zum 1.11.2008 schloss der Patient eine private Zahnzusatzversicherung ab.

Später stellte sich dann heraus, dass die Brücke nicht mehr zu retten war. 2011 wurden schließlich Implantate anstelle der Brücke eingesetzt. Von rund 7.000 € Kosten sollte der Versicherer, wie in im Vertrag beschrieben, 80 % tragen, weigerte sich jedoch. Das Oberlandesgericht Karlsruhe gab dem Patienten am 27.6.2013 recht, und so muss der Versicherer doch zahlen (Az. 12 U 127/12; rechtskräftig).

Begründung: Mit der Untersuchung der anderen Zähne war die damalige Heilbehandlung beendet. Die spätere Implantat-Versorgung stellte einen neuen Versicherungsfall dar. Der Gutachter hatte für August 2008 festgestellt, dass es vom Zahnarzt gut vertretbar gewesen sei, von einer Behandlung der Brücke abzusehen. Der Patient war erst wieder 2010 wegen einer schmerzhaften Zyste an diesen Zähnen beim Zahnarzt – Anlass für die spätere Implantat-Behandlung. Diese sei damit erst nach Abschluss des Versicherungsvertrags und nach Ablauf der Wartezeit im Sinne einer Heilbehandlung notwendig geworden.

Die Behandlungsbedürftigkeit bemisst sich nach objektiven Kriterien, wobei ein Entscheidungsspielraum für den Zahnarzt besteht. Ist der Verzicht auf eine ärztliche Heilbehandlung aus medizinischer Sicht gut vertretbar, so ist die mit der Untersuchung begonnene Heilbehandlung auch abgeschlossen. Weisen Sie Ihren Zahnarzt auf dieses Urteil hin, wenn Sie sich mit dem Gedanken an den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung tragen.

Der Abschluss kann sich auch in höherem Lebensalter noch lohnen. Beispiel: Die private Envivas Krankenversicherung AG als Partner der Techniker Krankenkasse (TK) bietet TK-Mitgliedern zwei Tarife für Zahnzusatz (Dental). Sie übernehmen entweder 30 % des Rechnungsbetrags für Zahnersatz und Inlays (Dental Xtra) oder gar 50 % (Dental Top). Einzige Einschränkung. In den ersten fünf Jahren werden pro Jahr maximal 500 € erstattet, bei Nichtinanspruchnahme werden es pro Jahr 500 € mehr. Ab 6. Jahr werden unbegrenzt 30 % bzw. 50 % der Rechnung bezahlt.

Eintrittsalter

Monatsbeitrag

Dental Xtra

Dental Top

45

8,15 €

15,66 €

50

8,48 €

16,29 €

55

8,83 €

16,93 €

60

9,07 €

17,36 €

65

9,15 €

17,47 €

70

9,16 €

17,40 €

74

8,87 €

16,71 €

Risikozuschlag für bereits vorhandenen Zahnersatz wird nicht erhoben. Eine Gesundheitsprüfung entfällt beinahe komplett. Lediglich nach dem aktuellen Zahnstatus wird gefragt: Anzahl der noch nicht ersetzten fehlenden natürlichen Zähne (betrifft nicht Weisheitszähne und Lückenschluss). Je fehlendem und nicht ersetztem Zahn verlangt Envivas 2,50 € Zuschlag auf den Monatsbeitrag; ab vier fehlenden Zähnen wird der Kunde ganz abgelehnt.

Ob teurer Zahnersatz aus dem Erspartem oder mit Hilfe einer Versicherung bezahlt werden soll, muss jeder für sich entscheiden. Sie sollten sich jedoch auf steigende Kosten beim Zahnarzt vorbereiten. Nach dem Zahnarztreport 2013 der Barmer GEK Krankenkasse lagen die Durchschnittskosten für neuen Zahnersatz 2009 bei 1.382 € je Patient. Davon mussten die Betroffenen 56 %, also durchschnittlich 776 €, selbst bezahlen. Durch die 2012 neu eingeführte Gebührenordnung für Zahnärzte sind die Kosten weiter gestiegen.

Bei einem fehlenden Zahn erhält jeder denselben Zuschuss – unabhängig davon, welche Methode er wählt. Im Jahr 2009 hatten 37,8 % gar keinen Zuschuss erhalten, weil sie nicht regelmäßig bei ihrem Zahnarzt waren. Zahnersatz wird also deutlich teurer. Eine Forsa-Umfrage nennt für 2012 durchschnittliche Zuzahlungen von 1.286 € pro Patient. Private Zahntarife sollen die finanzielle Belastung erträglicher machen. Doch Verbraucher sollten aufpassen und genau vergleichen:

  • Policen mit doppelten Festzuschuss oder 50 bis 60 % Erstattung inklusive der Vorleistung durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sind für Kunden nicht geeignet, die eine hochwertige Versorgung mit Implantaten wünschen.

  • Viele Altverträge versichern eine Kombination aus etwas Leistung für die Brille, Schutz für die Auslandsreise und 20 – 40 % Zahnersatzleistung. Tarife, die keinen Versicherungsschutz für fehlende Zähne bieten, sind für viele nicht geeignet.

  • Knapp 40 % erhalten keinen GKV-Zuschuss von 20 oder 30 % für Zahnersatz, der durch das Bonusheft nachzuweisen ist. Bei vielen Zahntarifen bekommt der Kunde dann aber nur eine reduzierte Erstattung. Diese Tarife sind demnach für viele ungeeignet.

Leistungen der Zahnärzte entfallen etwa je zur Hälfte auf Zahnersatz und Zahnbehandlung. Hierzu zählen Wurzelbehandlungen, mit steigendem Alter auch Parodontose-Behandlungen und die professionelle Zahnreinigung. Viele Zahnzusatzversicherungen sehen nur eine Zahnersatzleistung vor, aber keinen Anspruch auf Zahnbehandlung. Bei den aktuellen Tarifen leisten manche gar nicht bei professioneller Zahnreinigung, die häufig zwischen 70 € und 150 € kostet. Selbst Premiumtarife erstatten nur zwischen 75 € und 120 € pro Jahr. Zahnreinigung sollte jedoch bis zu vier Mal pro Jahr stattfinden. Hier sind also Tarife mit unbegrenzter Erstattung erste Wahl.

Ähnlich ist das Problem bei Wurzelbehandlungen und bei Parodontose: Viele Zahntarife kommen dafür gar nicht auf oder nur, wenn die GKV nicht zumindest einen Teil der Kosten abdeckt. Empfehlenswert sind jedoch nur Tarife, die auch leisten, wenn die GKV bereits vorleistet. Da bekommt man dann von Anfang an auch die Kosten für den Einsatz eines OP-Mikroskops und von Titanbohrern bezahlt. Folge: Der Zahn kann mit Hilfe dieser modernen Technik oft gerettet werden. Solche starken Leistungen gibt es aber nicht zum Dumpingpreis. Jede Leistung schraubt den Beitrag nach oben. Dies wird häufig in der Beratung anders dargestellt. Doch Patienten werden solide Beratung erst zu schätzen wissen, wenn sie älter werden. Mit zunehmendem Alter sind mehr Parodontose-Behandlungen nötig. Dies muss eine gute Zahnzusatzpolice abdecken.

Anders als bei der privaten Kranken-Vollversicherung gibt es keinen Zuschuss vom Arbeitgeber und auch nicht vom rentenversicherungsträger für private Zusatzversicherungen. Der Versicherer zahlt außerdem erst, wenn die sogenannte Wartezeit vorbei ist. Das heißt, nach dem Vertragsbeginn verstreichen noch drei Monate, bevor der Schutz beginnt. Zum Glück gilt die Wartezeit nicht bei Unfällen. Bei Zusatzpolicen kann der Versicherer in den ersten drei Versicherungsjahren ohne Angabe von Gründen den Vertrag kündigen.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung ist in jedem Lebensalter dringend nötig. Je mehr Zeit und Geld vorhanden ist, desto häufiger werden ferne Reiseziele angesteuert. Daher benötigt vor allem die Zielgruppe 50+ häufig eine entsprechende Police. Spätestens mit dem Einstieg in den beruflichen Ausstieg wird der Versicherungsbedarf akut.

Zur Gesundheitsvorsorge der reisefreudigen Zielgruppe zwischen 60 und 75 Jahren gehört unbedingt eine leistungsstarke Krankenversicherung für das Ausland. Grund: Die deutsche Krankenkassenkarte taugt im Ausland nur zur Behandlung bei Vertragsärzten und in Vertragskliniken. Beim Privatarzt erstattet die heimische Kasse hinterher allenfalls 10 % der Kosten. Muss bei Unfall oder schwerer Krankheit der vorzeitige Rücktransport nach Deutschland erfolgen, zahlt die Krankenkasse keinen Cent. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, informieren Sie sich schon vor dem Urlaub über die regionalen Gepflogenheiten, die von der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (www.dvka.de) für jedes Land erfasst und auf dem aktuellen Stand gehalten werden.

Letztlich hilft als vernünftiger Ausweg vor der Kostenfalle Krankheit im Ausland nur die private Auslandsreise-Krankenversicherung.

Der Schutz kostet häufig zwischen 6 € und 25 € pro Person für Reisen, die insgesamt zumeist 42 Tage pro Jahr dauern dürfen, bei einigen Anbietern wie Hanse-Merkur, Debeka oder Barmenia auch deutlich länger. Allerdings muss man genauer hinsehen, denn häufig gilt dieser Beitrag nur bis zum Alter von 60 oder 65 Jahren (siehe Tabelle). Danach wird es meist deutlich teurer. Mitunter steigt der Beitrag schon ab einem Alter an, in dem die meisten noch voll im Saft stehen, darunter bei DKV, UKV, DEVK, Debeka und Barmenia ab 60 sowie bei Süddeutsche und Axa ab 61. Der Münchener Verein dreht gar schon ab 56 an der Preisschraube.

Günstige Auslandsreise-Krankenversicherer für viel reisende Ältere

Versicherer

Höchstdauer in Tagen pro Reise

Tarif

Jahresbeitrag

Beitrag ab Alter

65

70

Ergo Direkt

56

RD

8,90 €

19,90 €

29,90 €

Würzburger

56

Travel Secure AR

12,00 €

48,00 €

58,00 €

Nürnberger

56

AKE/AKF

8,40 €

8,40 €

19,20 €

Hanse-Merkur

56

JRV

14,00 €

49,00 €

49,00 €

Inter

45

AV

7,50 €

15,00 €

15,00 €

UKV

45

AKD-11

10,90 €

33,00 €

33,00 €

R + V

45

JR

11,50 €

50,00 €

50,00 €

Süddeutsche

45

AR

9,15 €

18,65 €

18,65 €

Pax-
Familienfürsorge

43

R

6,49 €

12,99 €

12,99 €

DFV

42

AKV 03

9,90 €

19,90 €

29,90 €

HUK-Coburg

42

RV/RVF Plus

8,90 €

8,90 €

33,60 €

Leider müssen Sie vor Vertragsabschluss auch auf das Höchsteintrittsalter achten. So ist der Schutz für Neukunden bei der Gothaer ab dem Alter von 69 Jahren nicht mehr möglich, bei Deutscher Ring und Nürnberger ab 70.

Die Kosten der ärztlichen Behandlung und des Klinikaufenthalts sowie Arzneikosten sind bis zur vereinbarten Höhe abgedeckt, also meist in voller Höhe. Der Vertrag ist inhaltlich überall gut und zudem erstaunlicherweise äußerst preiswert. Bei den Leistungen unterscheiden sich die Gesellschaften ebenfalls kaum voneinander. Lediglich bei schmerzstillender Zahnbehandlung gibt es unterschiedliche Höchstgrenzen, bis zu denen die Kosten erstattet werden.

Achten Sie beim Abschluss des Vertrages unbedingt darauf, dass der eventuell nötige Rücktransport nach Hause mit vereinbart wird, denn der kostet häufig 5.000 € und mehr, wenn dies schon vor dem geplanten Ende der Reise nötig ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für solche Flüge nicht. Einige private Anbieter versichern inzwischen den Rücktransport nicht nur im medizinisch notwendigen Fall, sondern auch im medizinisch sinnvollen Fall, also wenn der Patient auch im Urlaubsland weiter versorgt werden könnte, aber zur besseren Behandlung in Deutschland besser aufgehoben wäre – u.a. Hanse Merkur, HUK-Coburg und Deutscher Ring.

Achtung: Manche Anbieter schließen jedoch Krankheiten auf Auslands-Dienstreisen generell aus und zahlen nur für Krankheiten, die auf Urlaubsreisen passieren.

Der Schutz greift meist nur bei unvorhergesehenen Erkrankungen. Keinen Schutz bieten die Versicherer für seelische Erkrankungen, Krankheit im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit sowie Behandlungen in Sanatorium, Kur- oder Rehabilitations-Klinik. Nicht versichert sind auch Zahnersatz, Massagen und Bäder, Brillen, Hörgeräte und zumeist Vorerkrankungen.

Wenn Sie also vor der Auslandsreise bereits an Krampfadern, Herzerkrankungen oder anderen langwierigen Krankheiten leiden, sollten Sie sich die Angebote, insbesondere das Kleingedruckte, genauer ansehen. Grund: Diese Umstände sind zumeist schon vor Reiseantritt bekannt und die Behandlungskosten daher vom Versicherungsschutz oftmals ausgeschlossen. Selbst wenn eine Verschlechterung des Krankheitsbildes nicht absehbar war, wollen sich einige Versicherer vor der finanziellen Hilfeleistung drücken. Allerdings könne man kein generelles Urlaubsverbot im Ausland verlangen, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Az. 20 U 44/00).

Die Preise für Auslandsreise-Krankenversicherungen bei längerem Auslands-Aufenthalt sind bei allen Versicherern ein Vielfaches höher als bei den der allgemein bekannten Urlaubs-Policen. Für vorübergehende Reisen von bis zu 90 Tagen betragen sie zwischen 62 € (Württembergische im Tarif RKL) und 279 € (Hanse-Merkur im Tarif RK 365). Drastisch teurer wird es für Reisen bis zu einem Jahr. Hier schwankt der Beitrag zwischen 420 € (Axa im Tarif ARE) und 1.855 € (Hallesche im Tarif VSAplus1). Noch deutlich teurer wird es jeweils bei einigen Anbietern für Aufenthalte in den USA, weil die medizinischen Leistungen dort deutlich teurer sind als in der EU.

Wegen des erhöhten Gesundheitsrisikos mit steigendem Alter müssen Senioren zu bestimmten Geburtstagen gegenüber den genannten Beiträgen nochmals deutlich drauflegen. Einige Versicherer verdoppeln bzw. verdreifachen den Jahresbeitrag schon ab dem 59. Geburtstag, darunter LVM, UKV, DKV, Hallesche und Allianz. Deutscher Ring tut das bereits ab dem 55. Geburtstag, die meisten anderen Versicherer mit dem 65. Geburtstag. Manche behalten sich eine dritte Preissteigerung ab 70 oder 75 Jahren vor.

Die Anbieter beschränken sich zudem stets auf vorübergehenden Schutz im Ausland. Ausdrücklich wird erwartet, dass der Wohnsitz weiterhin in Deutschland bleibt (korrespondenzfähige Adresse) und eine deutsche Kontoverbindung besteht. Damit muss die Branche zugeben, im Prinzip keinerlei dauerhaften Schutz für Deutsche, die im Ausland leben wollen, bieten zu können. Nach spätestens zehn Jahren ist Schluss.

Pflege-Zusatzversicherung

Die Geschichte der gesetzlichen Pflegeversicherung ist noch jung. Die jüngste Pflegereform gilt seit 1.1.2013. Botschaft des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes: Es gibt Leistungsverbesserungen für Demenz-Kranke, die zuvor meist nur 100 € oder 200,00 € pro Monat erhalten hatten (Pflegestufe 0). Unterm Strich ist und bleibt die gesetzliche Absicherung jedoch nur eine Basisdeckung – vergleichbar der Teilkaskoversicherung bei einem Auto. Häufig summiert sich die Finanzlücke im Pflegefall – je nach Pflegestufe – auf 400 € bis 1.500 € im Monat. Zum Vollkaskoschutz reicht es nur durch private Ersparnisse oder private Pflegezusatzversicherung.

Pflegezusatzversicherungen erleben daher seit 2013 einen Aufschwung. Die komfortabelste, wenn auch teuerste Variante stellt die Pflegerente dar. Gezahlt wird eine monatliche Rente, die unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten zur freien Verfügung steht. Die Beiträge sind stabil, die Überschüsse dienen zur Erhöhung der Rente. Die Pflegekostenversicherung kommt zwar für die ungedeckten Pflegekosten auf, nicht aber für Heim und Verpflegung. Dennoch bekommt das Pflegetagegeld der Krankenversicherer mit dem Start der staatlichen Förderung seit 1.1.2013 Auftrieb, da die Pflegerenten der Lebensversicherer nicht gefördert werden.

Die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung kann jeder Erwachsene auf freiwilliger Basis abschließen – außer Pflegebedürftige. Der Staat gibt jedem Volljährigen, der eine private Pflegetagegeldversicherung als Zusatz zur Sozialversicherung abschließt, 60 € im Jahr dazu – salopp als Pflege-Bahr bezeichnet nach dem 2013 noch federführenden Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Der Abschluss ist allein als Pflegetagegeldversicherung bei privaten Krankenversicherern möglich. Die Lebensversicherer sind mit ihren Pflegerenten außen vor – dafür gibt es keine Zulage. Fragen Sie im Zweifel bei einem Versicherungsmakler nach.

Voraussetzung für die Förderung: Der Kunde zahlt selbst mindestens 120 € im Jahr ein und erhält im Pflegefall mindestens 600 € pro Monat in Pflegestufe III vom Versicherer zugesagt (Stufe I: 30 % davon; Stufe II: 70 % davon). Unter diesen Voraussetzungen gibt der Staat dann nachträglich 60 € pro Jahr dazu. Die Leistung gilt auch bei Demenz (Pflegestufe 0). Eine Dynamisierung in Höhe der Inflation muss dem Kunden auf Wunsch im Vertrag zugestanden werden.

Das vereinbarte Tagegeld wird ohne Nachweis der tatsächlichen Pflegekosten im Pflegefall bezahlt. Wozu das Geld verwendet wird, bleibt dem Versicherten überlassen. Besonderheit gegenüber der bisherigen ungeförderten Pflegetagegeldversicherung, die weiterhin von der Assekuranz angeboten wird: Der Staat fördert – ähnlich wie bei der Riester-Rente – den Ansparvorgang.

Die Kalkulation muss zwingend als Unisex-Risikoversicherung erfolgen, also für gleichaltrige Männer und Frauen identischen Beitrag beinhalten. Die Beiträge dürfen allerdings nach Eintrittsalter differenziert kalkuliert werden. 70-Jährige zahlen z.B. mehr als 65-Jährige.

Beachten Sie unbedingt das Kleingedruckte des ausgewählten privaten Krankenversicherers. Es kann sich positiv von den Musterbedingungen des PKV-Verbands unterscheiden.

Die Zulage wird stets vom Versicherer beantragt. Der Kunde muss also nichts unternehmen. Versicherer dürfen unmittelbare Abschlusskosten bis zum 2-fachen des Beitrages, der im ersten Monat fällig ist, berechnen. Es gelten einheitliche Versicherungsbedingungen für alle Anbieter: Musterbedingungen 2013 für die geförderte ergänzende Pflegeversicherung (MB/GEPV 2013) §§ 1–26. Schlechter aus Kundensicht darf kein Versicherer sein, besser dagegen schon.

In jedem Fall besteht Kontrahierungszwang. Jeder Kunde, der die Versicherung abschließen will, muss also genommen werden. Auf ein ordentliches Kündigungsrecht müssen die Versicherer ebenso verzichten wie auf eine Risikoprüfung oder die Vereinbarung von Risikozuschlägen und Leistungsausschlüssen. Der Staat schreibt also vor, dass Versicherer niemanden wegen seines Alters oder angegriffener Gesundheit ablehnen dürfen. Im Gegenzug darf der Versicherer eine fünfjährige Wartezeit im Kleingedruckten vorgeben. Das heißt: Ein Versicherter muss mindestens fünf Jahre Beiträge zahlen, ehe er das vereinbarte Pflegetagegeld erhält. Wer in diesen fünf Jahren zum Pflegefall wird, geht leer aus.

Wer seine geförderte Versicherung später auf einen anderen Tarif umstellen möchte, darf dies ohne Verluste nur beim gleichen Versicherer tun (§ 3 Abs. 6). Der Wechsel von einem förderfähigen in einen nicht förderfähigen Tarif ist dagegen nicht erlaubt. Die Kündigung der Police durch den Kunden ist jedes Jahr mit einer Frist von 3 Monaten zum Jahresende möglich (§ 17 Abs. 1). Verlegt der Kunde seinen Wohnsitz außerhalb der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraumes, endet der Vertrag (§ 19 Abs. 5).

Je früher der Abschluss erfolgt, desto besser wirkt sich die Förderung aus: 5 € Förderung pro Monat machen bei 15 € Mindesteigenbeitrag des Kunden im Alter von 30 Jahren pro Monat immerhin 33 % Förderquote aus. Die Förderbedingungen sind im 13. Kapitel des SGB XI geregelt. Den Vertrag kann jeder Erwachsene abschließen, der in der sozialen bzw. privaten Pflegepflichtversicherung versichert und bei Abschluss noch kein Pflegefall ist.

Beitrag und Versicherungssumme hängen vom Alter und dem versicherten Pflegegeld ab. Auch berücksichtigen die Versicherer bei ihrer Kalkulation gesetzlich vorgegebene Grenzen wie den Mindestbeitrag von 15 € (inklusive der monatlichen Zulage von 5 €) und die Mindestleistung von 600 € in Pflegestufe III. Junge Leute bekommen somit mehr Leistung für 15 € Mindestbeitrag. Ältere zahlen dagegen deutlich mehr als 15 € für die Mindestleistung von 600 €. Ein 30-Jähriger erhält für 15,00 € in Pflegestufe III über 800 € Euro, ein 50-Jähriger muss monatlich über 22 € bezahlen, um die gesetzliche Mindestleistung von 600 € in Pflegestufe III zu erhalten.

Leistung pro Monat

Leistung pro Monat

HUK-Coburg (in €)

Barmenia (in €)

bei
Pflegestufe

in % der
vollen Leistung

Eintrittsalter: 30

Monatsbeitrag: 15,00

Monatsbeitrag: 15,00

0

10

81,52

82,87

I

30

244,57

248,62

II

60

489,13

497,23

III

100

815,22

828,72

Eintrittsalter: 50

Monatsbeitrag: 22,22

Monatsbeitrag: 24,78

0

10

60,00

60,00

I

30

180,00

180,00

II

60

360,00

360,00

III

100

600,00

600,00

Erläuterung:

Der Monatsbeitrag beinhaltet die staatliche Zulage von 5 €.

Wer in Zukunft eine gute und professionelle Versorgung haben möchte, braucht viel Geld, und auch mit der staatlich geförderten ergänzenden Pflegezusatzversicherung bleibt eine Versorgungslücke in jeder Pflegestufe.

Beispiel: Bei jemanden, der mit 30 Jahren einsteigt, bleiben nach Abzug des Anteils der gesetzlichen Pflegeversicherung in Pflegestufe III bei der Barmenia noch 1.371 € und bei der HUK-Coburg fast 1.385 € als Lücke, die z.B. durch die Rente oder sonstiges Vermögen gedeckt werden müssen. Beim Einstieg eines 50-Jährigen liegt die Finanzierungslücke bei beiden Versicherern sogar bei 1.600 €.

Weiterer Nachteil: Wer von den ungeförderten Upgrade-Tarifen Gebrauch macht, hat zwar seine Versorgungslücke weiter verringert, muss sich aber die bei ungeförderten Pflegezusatzversicherungen üblichen Gesundheitsfragen gefallen lassen und kann auch abgelehnt werden. Und: Wer zum Pflegefall wird, muss sich die Leistungen aus der geförderten Pflegegeldversicherung auf die Grundversorgung anrechnen lassen.

Generell gilt: Die Pflegepflichtversicherung deckt nur einen Teil der Pflegekosten. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und des VDEK – Verband der Ersatzkassen mussten Betroffene 2012 im Bundesdurchschnitt Eigenleistungen bei vollstationärer Pflege zwischen 1.345 € (Pflegestufe 1) und 1.686 € (Pflegestufe III) aufbringen. Private Vorsorge ist also unerlässlich. Hier hilft Pflege-Bahr, die Finanzierungslücke auch für Ältere um mindestens 600 € zu verringern. Das kann sich jeder leisten. In der überwiegenden Mehrzahl sind die Pflegekosten damit in einem wirtschaftlich beherrschbaren Rahmen angesiedelt, zumal 85 % aller Pflegebedürftigen in den Stufen I oder II eingestuft sind, also weniger Pflegekosten verursachen.

Bei ungeförderten Pflegepolicen gibt es rund 140 Tarife zu entwirren, um ein passendes Angebot zu finden. Beispiel Swiss Life: Deren Pflege- & Vermögensschutz bietet eine Pflegerente, die mit Todesfallschutz kombiniert ist. Sie ist als Risikoversicherung mit Kapital bildenden Elementen kalkuliert. Es gibt Qualitäts-Abstufungen nach Komfort- und Premiumschutz. Bei Tod vor Eintritt des Pflegefalls werden 90 % des eingezahlten Beitrags und die dem Vertrag zugeteilten Überschussanteile an die Angehörigen ausbezahlt. Bei Tod nach Eintritt des Pflegefalls gilt dasselbe, aber dann werden alle zuvor geleistete Pflegerenten abgezogen.

Ruheständler und Vorruheständler sind die Hauptzielgruppe für Pflegezusatzversicherungen. Interessenten müssen bei den Bedingungen von Pflegepolicen genau hinsehen. Beispiel Demenz: Rund die Hälfte der Pflegetagegeld-Absicherungen leisten gar nicht bei Demenz, wenn sonst keine Pflegebedürftigkeit vorliegt, Pflegerententarife hingegen in der Regel schon. Und auch die Leistungen sind sehr differenziert: Bei monatlich 1.500 € in Pflegestufe III liegt die Leistung bei Demenz im Schnitt zwischen 200 € und 900 € – im Krankheitsfall einfach zu wenig.

Quelle: Envivas 2013

Quelle: Stiftung Warentest und eigene Recherchen; Stand: Juni 2013

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