Keine weiteren Entlastungen für gesetzlich Krankenversicherte

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(verpd) Mit der Abschaffung der Praxisgebühr werden die Kassenpatienten jährlich voraussichtlich um rund zwei Milliarden Euro entlastet. Je Versicherten ergibt sich eine Einsparung von durchschnittlich knapp 30 €. Weitergehende Entlastungen bei den übrigen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lehnt die Bundesregierung ab, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage einer Oppositionspartei hervorgeht.

Eine Oppositionspartei hat eine Anfrage zur „Berechtigung der übrigen Zuzahlungen nach Abschaffung der Praxisgebühr“ an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gestellt. In seiner Antwort (Bundestagsdrucksache 17/11925) verweist das Ministerium darauf, dass Zuzahlungen „grundsätzlich als Finanzierungsbeitrag zur Stärkung der Nachhaltigkeit und einer ausgewogenen Lastenverteilung im Gesundheitswesen“ anzusehen seien.

Durch die Beibehaltung der Zuzahlungen im Volumen von über drei Milliarden Euro werde sichergestellt, dass die Solidargemeinschaft nicht überfordert werde, so das BMG. Außerdem sei sichergestellt, dass der Einzelne nicht überfordert werde, heißt es unter Hinweis auf die bestehenden oberen Belastungsgrenzen von maximal zwei Prozent der Bruttoeinnahmen (ein Prozent bei chronisch Kranken).

Knapp 50 € trägt jeder Versicherte selbst

In der Beantwortung verweist das Ministerium auf amtliche Statistiken der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese weisen für das Jahr 2011 Zuzahlungen (einschließlich der Praxisgebühr über 1,996 Milliarden Euro) von 5,25 Milliarden Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme um 3,42 Prozent.

Die größten Einzelposten machen danach Zuzahlungen für Arzneimittel (1,809 Milliarden Euro), für ärztliche Behandlung (1,605 Milliarden Euro), für Krankenhausbehandlung (697 Millionen Euro) sowie Heil- und Hilfsmittel (602 Millionen Euro) aus.

Umgerechnet auf die 69,6 Millionen GKV-Versicherten ergab sich 2011 eine durchschnittliche Belastung von 75,42 €. Ohne Praxisgebühr (durchschnittliche Ausgaben pro Versicherten: 28,66 €) wären es 46,76 € gewesen. Unterstellt man ein Ausgabewachstum um drei Prozent jährlich, dann dürften die Belastungen jedes einzelnen Versicherten bei durchschnittlich rund 50 € liegen.

Zuzahlungen dürften 2013 etwa 3,45 Milliarden Euro erreichen

Die Höhe der Zuzahlungen in 2013 lasse sich zwar nicht exakt prognostizieren, aber die von der anfragenden Oppositionspartei unterstellten 3,45 Milliarden Euro dürften mit dieser Größenordnung hinkommen, heißt es in der Antwort weiter.

Einen Wegfall der Zuzahlungen über eine paritätische Beitragserhöhung um 0,34 Prozentpunkte zu finanzieren, lehnt die Bundesregierung ab. Damit würde die mit den Zuzahlungen einhergehende Steuerungswirkung wegfallen.

Auch eine Anhebung der Beitragsbemessungs-Grenze, also der Einkommensgrenze, bis zu welcher Beiträge für die jeweilige Sozialversicherung erhoben werden, komme nicht infrage. Über die jährliche Anpassung werde bereits ein Teil der durch die demografische Entwicklung und den medizinisch-technischen Fortschritt bedingten notwendigen Ausgabesteigerungen gegenfinanziert.

Unabhängig von gesetzlichen Leistungskatalogen

Wer unabhängig vom Leistungskatalog der GKV gut abgesichert sein möchte und auch Behandlungen, die von der GKV nicht bezahlt werden, ohne Kostenrisiko in Anspruch nehmen will, kann eine private Krankenversicherung abschließen.

Beispielsweise werden die Kosten für homöopathische Arzneimittel oder für die Behandlung durch einen Heilpraktiker von der GKV in der Regel nicht oder nur stark eingeschränkt übernommen. Auch die Krankenhausunterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer sowie eine Chefarztbehandlung sind für Kassenpatienten oft nur gegen hohe Eigenzahlungen möglich.

Mit einer privaten Krankenzusatz-Police für den ambulanten und/oder stationären Bereich können Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse dieses Kostenrisiko jedoch für sich, aber auch für ihre Familie abdecken.

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