Kassenpatienten zahlen immer mehr aus eigener Tasche

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(verpd) Nach einer Studie eines Versicherers zahlen gesetzlich Krankenversicherte im Schnitt 380 € pro Jahr über den Kassenbeitrag hinaus. Diese Selbst- und Zuzahlungen verteilen sich auf drei bis vier Leistungsarten und sind in den letzten fünf Jahren zum Teil deutlich gestiegen.

Mit 96 Prozent haben nahezu alle gesetzlich Krankenversicherten in den zurückliegenden zwölf Monaten Gesundheitsleistungen aus der eigenen Tasche bezahlt. Im Durchschnitt liegen die Selbstzahlungen wie etwa die Praxisgebühr und Zuzahlungen wie etwa Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) bei 380 € pro Jahr – also bei über 30 € im Monat.

Das zeigt eine aktuelle Studie, die das Meinungsforschungs-Institut TNS Infratest im Auftrag eines Versicherers unter 1.285 Bundesbürgern ab 25 Jahren durchgeführt hat, darunter 1.118 gesetzlich und 167 privat Krankenversicherte.

Besserverdienende und Frauen mit den höchsten Zuzahlungen

Besserverdienende mit einem monatlichen Haushaltsnetto-Einkommen über 2.500 € zahlten jährlich 465 € dazu. Weibliche Befragte zahlten im Durchschnitt mit 440 € und westdeutsche GKV-Versicherte mit rund 395 € überdurchschnittlich viel hinzu. Hingegen lag die Zuzahlungshöhe bei Geringverdienern mit einem Haushaltsnetto-Einkommen zwischen 1.000 und 1.500 € und Ostdeutschen mit jeweils 325 € sowie bei den befragten Männern mit 300 € unter dem Durchschnitt.

Weiteres Ergebnis: Im Schnitt verteilen sich die Selbst- und Zuzahlungen auf drei Leistungsarten bei Männern und vier bei Frauen. Mit 90 Prozent nannten die Befragten am häufigsten die Praxisgebühr, gefolgt von der Apotheke mit 80 Prozent, dem Zahnarzt mit 64 Prozent sowie dem Haus- und Facharzt mit 42 Prozent. Danach folgen Physiotherapie, Massagen und Ähnliches mit 35 Prozent der Nennungen, zusätzliche Krankenhauskosten mit 27 Prozent sowie Heilpraktiker beziehungsweise Kosten für Naturheilkunde mit 13 Prozent.

Immer höhere Selbst- und Zuzahlungen

Weiter wurde gefragt, wie sich die Höhe der Selbst- und Zuzahlungen in den vergangenen fünf Jahren verändert hat. Hier gaben mehr als drei Viertel der Befragten an, dass sie zuletzt mehr hinzugezahlt hätten als früher. Fast jeder Dritte berichtete sogar von einer starken Zunahme.

Auf der anderen Seite gaben nur zwei Prozent der Befragten an, dass die Höhe der Selbst- und Zuzahlungen in den letzten fünf Jahren abgenommen habe. 20 Prozent sind der Meinung, dass es keine Veränderungen der Höhe der Selbst- und Zuzahlungen in den letzten fünf Jahren gegeben hätte.

Von höheren Selbst- und Zuzahlungen berichteten 84 Prozent der 25- bis 39-Jährigen, während es bei den ab 60-Jährigen nur 72 Prozent waren. Behandlungen, Untersuchungen oder Impfungen wurden aufgrund von Selbst- oder Zuzahlungen allerdings nur von einer Minderheit unterlassen. Bei lediglich rund jedem fünften Befragten war dies zumindest gelegentlich der Fall, während über zwei Drittel mit „nie“ antworteten.

Welche Zahlungshöhe wofür

Nach Angaben der Studie zahlten die Befragten in den letzten zwölf Monaten im Durchschnitt zusätzliche 260 € für den Zahnarzt, 230 € für den Heilpraktiker und Naturheilkundemittel sowie 140 € für einen Krankenhausaufenthalt aus der eigenen Tasche. Die zusätzlichen Kosten für Mittel aus der Apotheke betrugen durchschnittlich 115 €, für Physiotherapie und Massagen 100 € sowie für Haus- und Facharztbesuche 90 €. Hinzu kommen noch die jährlichen Praxisgebühren pro Befragten.

Wer sich selbst vor unkalkulierbaren Kosten im Krankheits-, aber auch im Pflegefall schützen will, kann private Vorsorge treffen. Gesetzlich Krankenversicherte können mit einer entsprechenden privaten Krankenzusatz-Versicherung Kosten, die sie normalerweise selbst tragen müssten, abfedern.

Derartige Ergänzungspolicen gibt es beispielsweise für Leistungen im Bereich Zahnarzt und Zahnersatz, Heilpraktiker, Brillen sowie für den Eigenanteil von verordneten Arznei-, Verbands- und Heilmitteln wie Massagen. Aber auch bei stationären Behandlungen lassen sich Wunschleistungen wie Einzelzimmer-Unterbringung oder Chefarztbehandlung mit einer Zusatzabsicherung verwirklichen.

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