Jährlich erhalten 20 Millionen gesetzlich Versicherte IGeL

Jährlich erhalten 20 Millionen gesetzlich Versicherte IGeL

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Die sogenannten IGeL-Leistungen boomen nach wie vor.

Hierunter versteht man Individuelle Gesundheitsleistungen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht finanziert werden. Nach den Ergebnissen des WIdO-Monitors (Wissenschaftliches Institut der AOKen) von 2015 haben 33,3 % der gesetzlich Versicherten in den letzten 12 Monaten eine solche Leistung angeboten bekommen. 2001 waren es erst 8,3 %.

Das IGeL-Spektrum reicht von empfehlenswerten Leistungen – etwa einer Impfung vor einer Fernreise – bis hin zu Angeboten, die fast alle Experten für sinnlos halten, wie etwa Vitamin-Infusionen. Diese werden von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin als erwiesenermaßen unwirksam bezeichnet.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kommt für alle Leistungen auf, die einen nachgewiesenen Nutzen haben und medizinisch notwendig sind. Wenn darüber hinaus ärztliche Dienste in Anspruch genommen werden, müssen GKV-Versicherte dafür meist selbst zahlen – aber nicht immer. So gibt es Leistungen, die zwar nicht zum GKV-Pflichtkatalog gehören, aber von einigen Kassen als freiwillige Leistungen angeboten und bezahlt werden. Dazu zählt etwa die reisemedizinische Beratung einschließlich bestimmter Impfungen oder die professionelle Zahnreinigung.

Außerdem gibt es etliche Leistungen, für die der Großteil der Versicherten selbst zahlen muss, aber bei Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern die Kasse aufkommt. Dazu gehören etwa:

  • Augeninnendruck-Messung zur Früherkennung des grünen Stars: Bei der Untersuchung ist umstritten, ob sie bei Patienten ohne besondere Risiken sinnvoll ist. Bei einem begründeten Verdacht des Arztes übernehmen die Kassen allerdings die Kosten hierfür. Das gilt etwa für Diabetiker.

  • PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs: Für Männer ohne Hinweis auf möglichen Prostatakrebs wird diese Vorsorge-Untersuchung nicht von den Kassen übernommen. Denn der Bluttest hat sich als nicht treffsicher erwiesen. Als sinnvoll wird er jedoch bei einem Krebsverdacht angesehen.

  • Belastungs-EKG: Auch dafür werden Kosten nur bei Vorliegen einer Indikation (z.B. Herzproblemen) übernommen.

Falls der Arzt ein IGeL-Angebot macht, ist es oft ratsam, sich eine Bedenkzeit von mindestens 24 Stunden einräumen zu lassen. Dann kann man sich zunächst bei seiner Kasse, Beratungsstellen oder einem anderen Arzt Rat einholen. Vor Beginn einer IGeL muss auch stets eine Honorarvereinbarung unterschrieben werden. Denn Ärzte dürfen von einem Kassenpatienten nur dann eine Vergütung fordern, wenn und soweit der Versicherte vor Beginn der Behandlung ausdrücklich verlangt, auf eigene Kosten behandelt zu werden, und dieses dem Vertragsarzt schriftlich bestätigt. Lag keine oder nur eine unzureichende schriftliche Vereinbarung vor, so sind Patienten nicht verpflichtet, die Leistung zu bezahlen. Das hat das Amtsgericht München am 28.4.2010 entschieden (Az. 163 C 34297/09). Das Urteil brachte dem betroffenen Patienten immerhin 1.328,63 €.

IGeL-Monitor bietet inzwischen Infos über 37 IGeL-Leistungen: Wie der Monitor genutzt werden kann

Unter der Internetadresse www.igel-monitor.de erhalten Sie wissenschaftlich fundierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen, verspricht der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. In diesem Internet-Portal befinden sich inzwischen Informationen zu 37 IGeL-Leistungen, von Bachblüten-, Eigenblut- und Kunsttherapie bis zur Glaukom-Früherkennung und dem PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Zuletzt wurde die Laser-Behandlung von Blutschwämmchen beim Säugling neu aufgenommen – und teilweise sogar für schädlich befunden.

Das Gesamtergebnis des IGeL-Monitors ist ernüchternd: In 13 Fällen gibt es eine (tendenziell) negative Bewertung. Vier Leistungen – die Darmspülung nach der Colon-Hydro-Therapie, die Bestimmung des Immunglobulins G (IgG) gegen Nahrungsmittel, der Toxoplomose-Test bei Schwangeren und der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung – werden sogar eindeutig als negativ bewertet. Bei 13 Therapien wird der Nutzen als unklar angesehen. Lediglich bei vier Therapien kamen die Gutachter zur Bewertung tendenziell positiv. Dies sind

  • die Lichttherapie bei Winterdepression,

  • die Akupunktur zur Migräneprophylaxe,

  • die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz und

  • die Laser-Behandlung von Krampfadern.

Geldwerte Tipps zum Wechsel des Krankenversicherers lesen Sie in unserem Dossier Wechsel zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

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