Hilfsmittel: So setzen Sie Ihre Ansprüche durch

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Kranken- und Pflegekassen weigern sich häufig, die Kosten für Hilfsmittel zu erstatten, obwohl diese für ein selbstständiges und unabhängiges Leben notwendig sind. Zahlreiche Gerichtsurteile der jüngsten Zeit zeigen, dass es sich auszahlt, in einem solchen Fall Widerspruch einzulegen und den Anspruch notfalls gerichtlich klären zu lassen.

Einem Gehbehinderten wurde ein elektrischer Rollstuhl mit der Begründung verweigert, er könne sich doch von seiner Frau in seinem mechanischen Rollstuhl schieben lassen. Dagegen entschied das Bundessozialgericht, dass ein Elektro-Rollstuhl allen Gehbehinderten zusteht, damit sie sich auch im Umfeld ihrer Wohnung selbstständig und ohne Hilfe bewegen können (Az. B KR 8/08 R). Zudem sind die Stromkosten für das Aufladen elektrisch betriebener Rollstühle zu erstatten (BSG, Az. B 9 V 10/00 R). Ggf. muss auch eine moderne Beinprothese mit elektronisch gesteuertem "C-Leg" erstattet werden (BSG, Az. B 3 KR 2/04 R). Wasserfeste Badeprothesen sind gleichfalls bei Bedarf zu gewähren (BSG, Az. B 3 KR 2/08 R), ebenso ein schwenkbarer Autositz zum Ausgleich einer Behinderung (BSG, Az. R B3 KR 19/03 R).

Bei Schwerhörigkeit müssen die Mehrkosten für ein digitales Hörgerät übernommen werden, wenn der Festbetrag für ein analoges Hörgerät zum Ausgleich der Behinderung nicht ausreicht (BSG, Az. B 3 KR 20/08). Einem Stimmlosen musste die Kasse nach einer Kehlkopf-Operation sogar ein Faxgerät als Hilfsmittel bezahlen (Amtsgericht Frankfurt/Main, Az. 30 C 3218/97-45).

Sehbehinderte haben durch Urteile mehrerer Gerichte Anspruch auf eine Brille, die als therapeutische Sehhilfe anzusehen ist, wenn sie der Behandlung einer Augenverletzung oder Augenerkrankung dient. Das gilt auch dann, wenn auf beiden Augen eine Beeinträchtigung der noch vorhandenen Sehstärke von mindestens der Stufe 1 nach der WHO-Klassifikation vorliegt.

Tipp
Um ein medizinisches Hilfsmittel zu bekommen, benötigen Sie eine ärztliche Verordnung. Mit diesem Rezept gehen Sie in ein Sanitätshaus. Dort suchen Sie sich das Mittel aus und lassen sich einen Kostenvoranschlag geben. Diesen Kostenvoranschlag legen Sie zusammen mit dem Rezept Ihrer Kranken- bzw. Pflegekasse vor. Die Kasse prüft, ob das Hilfsmittel in Ihrem fall erforderlich und wirtschaftlich ist. Evtl. prüft das der Medizinische Dienst der Krankenkassen vor Ort. Wird das Hilfsmittel genehmigt, können Sie es im Sanitätshaus abholen. Sie müssen 10 Prozent des Preises, mindestens 5 Euro, aber höchstens 10 Euro, zuzahlen. Lehnt die Krankenkasse die Kostenübernahme ab, können Sie Widerspruch einlegen und notfalls vor dem Sozialgericht gegen die Ablehnung klagen.

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