Gesundheitsfonds: Das gilt ab 1.1.2009

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In wenigen Monaten beginnt die größte Umwälzung unseres Gesundheitssystems seit vielen Jahren: Der Gesundheitsfonds startet. Was kommt dadurch auf Sie zu?

Der Gesundheitsfonds sieht einen einheitlichen Beitragssatz für alle Kassen und alle 50 Mio. Versicherten vor. Das Bundesgesundheitsministerium hat den Einheitssatz bereits festgelegt: 15,5 Prozent des Bruttoverdiensts bis zur Beitragsbemessungsgrenze (ab 2009: 3675 Euro). Das sind ab 2009 570 Euro für all jene, die ab 2009 mehr als 44100 Euro brutto im Jahr verdienen. Über 90 Prozent aller Kassenmitglieder müssen ab 2009 höhere Beiträge überweisen als vorher.

Im Jahr 2009 werden die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen durch einen Zuschuss aus Steuermitteln in Höhe von 4 Mrd. Euro aufgestockt. Was von den insgesamt 160 Mrd. Euro bei welcher Kasse ankommt, ist noch völlig offen. Ihre Krankenkasse bekommt nämlich nicht den Beitrag, den Sie abführen. Vielmehr wird über ein kompliziertes Verfahren (den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich, RSA) der Beitrag an die Kasse verteilt. Basis für die Verteilung sind das Alter, das Geschlecht und die Gesundheit der Kassenmitglieder.

Der RSA erfährt künftig eine grundlegende Änderung: Dieser orientiert sich nun vornehmlich an der Art der Erkrankungen der Versicherten. Untergliedert in 80 Krankheiten und 3600 Diagnosen wird dort errechnet, wie viel eine bestimmte Behandlung i.d.R. kostet und wie viel Geld deshalb der Krankenkasse zusteht. Dieses Verfahren soll die Kassen zum Wettbewerb um eine gute Versorgung der Patienten anzustacheln. Früher ging der Wettbewerb eher um die gesunden Versicherten, denn die verursachten weniger Kosten als die kranken.

Der Haken an dieser Form der Umverteilung: Insbesondere für Mitglieder von Krankenkassen, die heute einen günstigen Beitragssatz anbieten, wird die Krankenversicherung ab 1.1.2009 teurer. Ein Ausweichen auf günstigere Kassen ist dann nicht mehr möglich. Bei dem ab 1.1.2009 geltenden Beitragssatz besteht kein Sonderkündigungsrecht, auch wenn sich für den Einzelnen der Beitragssatz erhöht.

Eventuell Zusatzbeitrag fällig

Anders verhält es sich beim Zusatzbeitrag, den die Kasse verlangen darf, wenn sie mit dem Geld, das sie aus dem Gesundheitsfonds erhält, nicht auskommt. Der Zusatzbeitrag ist auf 1 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des Mitglieds begrenzt. Bis zu monatlich 8 Euro kann dieser ohne Prüfung der Höhe der Einnahmen des Versicherten gefordert werden. In diesem Fall greift das Sonderkündigungsrecht.

Die gesetzliche Regelung sieht dabei vor, dass die Mitgliedschaft bis zur erstmaligen Fälligkeit des Zusatzbeitrags oder der Erhöhung eines bereits geforderten Zusatzbeitrags gekündigt werden kann. Die Krankenkasse hat ihre Mitglieder auf dieses Kündigungsrecht spätestens einen Monat vor der erstmaligen Fälligkeit hinzuweisen. Wenn die Kasse dieser Hinweispflicht nicht nachkommt, verlängert sich das Sonderkündigungsrecht um den entsprechenden Zeitraum. Der Versicherte muss also sehr aufmerksam sein, damit er keine Fristen verpasst.

Eine weitere Neuerung sind auch Prämienzahlungen, welche die Kassen vorsehen können, wenn die Zuwendungen aus dem Gesundheitsfonds höher sind als der Finanzbedarf einer Kasse. Verringert die Kasse allerdings dann ihre bisher gewährte Prämienzahlung, kann auch hier die Mitgliedschaft bis zur erstmaligen Fälligkeit der Prämienverringerung gekündigt werden.

Bis zum 31.12.2008 gilt allerdings noch die bisherige Regelung. Danach kann bei Erhöhung des Beitragssatzes durch die Krankenkasse die Mitgliedschaft bis zum Ablauf des auf das Inkrafttreten der Beitragserhöhung folgenden Kalendermonats gekündigt werden. Die notwendige 18-monatige Bindungsfrist spielt dabei keine Rolle. Ein Wechsel lohnt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings kaum noch.

So finanziert sich der Gesundheitsfonds im Jahr 2009


Arbeitnehmer: Beitrag 8,2 Prozent vom Bruttogehalt bis 44.100 Euro im Jahr (u. U. Zusatzbeitrag max. 1,00 Prozent vom Bruttogehalt)
Arbeitgeber: 7,3 Prozent vom Bruttogehalt bis 44.100 Euro im Jahr
Steuerzahler: 4,0 Mrd. Euro

Vorsorgetipp
Suchen Sie sich eine Kasse, die gut wirtschaftet und die Zuwendungen aus dem Gesundheitsfonds nicht komplett verbraucht. Diese Kasse kann ihren Mitgliedern am Jahresende eine Prämie ausschütten.

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