Gesetzliche Krankenversicherung muss spezielle Ausführung von Hilfsmitteln finanzieren

 - 

Zum Glück benötigen nur Wenige eine Unterarmprothese. Doch das folgende rechtskräftige Urteil des Sozialgerichts Heilbronn ist weit über den engen Betroffenenkreis hinaus wichtig.

Die Krankenkassen müssen nach diesem Urteil vom 16.9.2013 (Az. S 15 KR 4576/11 X) teure, deutlich über den Standard hinausgehende Hilfsmittel finanzieren, wenn dadurch das Alltagsleben der Betroffenen erheblich erleichtert wird.

Verhandelt wurde in Heilbronn die Klage einer 24-Jährigen, der von Geburt an die linke Hand und der linke Unterarm fehlten. Die junge Frau hatte unter Vorlage einer ärztlichen Verordnung und eines Kostenvoranschlags eine myoelektrische Unterarmprothese beantragt, die 45.000,00 € kosten sollte. Dabei handelt es sich um eine elektrisch angetriebene Prothese, die mit der natürlichen Muskelspannung der Haut gesteuert wird. Stattdessen bewilligte die beklagte Krankenkasse nur eine klassische Unterarmprothese, bei der nur drei Finger (wie eine Greifzange) einsetzbar waren.

Doch das Gericht befand, der Betroffenen sei es nicht zumutbar, sämtliche Alltagsverrichtungen, die mit der greifzangenähnlichen künstlichen Prothese nicht durchgeführt werden könnten, mit der rechten Hand durchzuführen. Zudem sei das beantragte Hilfsmittel wirtschaftlich. Rechtsgrundlage für die Heilbronner Entscheidung ist § 33 Abs. 1 Satz 1 SGB V. Danach haben Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind.

Das Urteil ist weit über die spezielle gesundheitliche Behinderung, um die es in Heilbronn ging, für alle Betroffenen von Bedeutung. Gesetzlich Versicherte mit Bedarf an Hilfsmitteln können sich generell auf die Heilbronner Argumentation stützen – allerdings ohne Garantie, dass andere Gerichte genauso entscheiden.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Wann die Krankenkasse die Leistung (nicht) verweigern darf

    [] (verpd) Normalerweise übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nur Behandlungsmethoden, die beispielsweise dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen. Das Bundesverfassungs-Gericht klärte nun, wann eine gesetzliche Krankenkasse von dieser Regelung abweichen muss (Az. 1 BvR 452/17). mehr

  • Hilfreiche Informationen zum Thema Demenz

    [] (verpd) Aktuell leben hierzulande rund 1,6 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 werden es nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund drei Millionen sein. Zwei Bundesministerien, aber auch diverse Verbände erklären in Webportalen und Broschüren, was für Betroffene und deren Angehörige nach einer solchen Diagnose wichtig ist. mehr

  • Zecken: Eine tödliche Gefahr in Wald und Wiesen

    [] (verpd) Bereits im Februar und März dieses Jahres war es schon wieder so warm, dass die kleinen Blutsauger aktiv wurden. Wer glaubt, dass Zecken dabei nur im Wald lauern, der irrt, denn der Lebensraum beginnt, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigt, im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der eigenen Haustüre, nämlich im eigenen Garten – und das sogar in Gärten, die in städtischem Umfeld liegen. Grund genug, sich zu schützen. mehr

  • Für Männer ab 65: Bauchaorten-Aneurysma-Check

    [] Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle – sie alle sollen an einem Riss ihres Bauchaorta-Aneurysmas gestorben sein. Eine neue Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 65 soll diese tödliche Gefahr eindämmen. mehr

  • Worauf Eltern achten sollten, damit ihr Kind gesund bleibt

    [] (verpd) Ein Internetangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liefert umfassende Informationen und Tipps für die gesunde Entwicklung von Kindern. Zielgruppe dieser Informationen sind alle Eltern, aber auch Personen, die mit Kindern im Alter bis zu sechs Jahren zu tun haben. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.