Gesetzliche Krankenversicherung: Lohnt sich jetzt noch ein Kassenwechsel?

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Gesetzlich Krankenversicherten drohen demnächst Zusatzbeiträge. Dann kann es sinnvoll sein, vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und sich eine Kasse zu suchen, die keine Zusatzbeiträge erheben muss. Doch sobald die erste Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt, könnten die anderen nachziehen. Experten erwarten dann einen regelrechten Dammbruch.

Durch frühere Spargesetze sind die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stark beschnitten worden. Die Gesundheitsreform hat das etwas relativiert, teilweise gibt es sogar Leistungsverbesserungen. Zwar müssen GKV-Versicherte für eine Reihe von Leistungen eine Eigenbeteiligung (Zuzahlung) erbringen und für bestimmte Medikamente zahlt die Krankenkasse nur bis zu bestimmten Höchstbeträgen (Festbeträge), doch im Leistungsumfang des Krankenkassen sind z.B. Aufwendungen für Kuren, Haushaltshilfen im Krankheitsfall, Krankengeld für die Eltern bei Betreuung ihrer kranken Kinder und Leistungen zur Rehabilitation eingeschlossen – Extras, die Privatversicherte überhaupt nicht oder nur gegen Prämienaufschlag erhalten.

Andererseits ist der Leistungskatalog der privaten Krankenversicherung vor allem im Krankenhaus, bei Brillen und Kontaktlinsen, beim Zahnersatz und bei Auslandsreisen umfangreicher. Deshalb sollten Kassenangehörige rechtzeitig dafür sorgen, Lücken im Schutz der GKV und Sonderwünsche durch private Zusatzversicherungen abzudecken. Solche Zusatzpolicen dürfen die Kassen inzwischen auch selbst vermitteln. Speziell kalkulierte Angebote der Privatversicherer z.B. für Kassenmitglieder über 60 Jahre oder besonders günstige Tarife bieten attraktive Versicherungsmöglichkeiten.

Kassenwechsel: Seit 2009 weniger Vorteile

Alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung haben das Recht auf freie Kassenwahl. Bis 31.12.2008 konnte hier im Einzelfall sehr viel Geld gespart werden. Schließlich bestimmte jede Krankenkasse ihren Beitragssatz selbst; die Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen waren teilweise erheblich. Seit 1.1.2009 gilt jedoch ein bundeseinheitlicher Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen. Die Höhe des Beitrags ist also kein Anreiz mehr für einen Krankenkassenwechsel.

Gründe für einen Kassenwechsel

Gründe für einen Wechsel zu einer anderen Krankenkasse können z.B. sein:
  • besserer Service der anderen Krankenkasse,
  • günstigere Wahltarife oder
  • günstigeres Leistungsspektrum.

Tipp
Ein Kassenwechsel kann dennoch im Hinblick auf die Beitragszahlung interessant sein: Wird nämlich der Finanzbedarf einer Krankenkasse nicht durch die Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds gedeckt, muss sie in ihrer Satzung bestimmen, dass von ihren Mitgliedern ein Zusatzbeitrag erhoben wird.


Der Zusatzbeitrag ist auf 1,0 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des Mitglieds begrenzt. Höchstens darf er 36,75 Euro im Monat betragen. Abweichend hiervon kann die Krankenkasse den Zusatzbeitrag ohne Prüfung der Einnahmen des Mitglieds erheben, wenn er 8 Euro monatlich nicht übersteigt.

Tipp
Wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen Zusatzbeitrag erhöht oder diesen vermindert, haben die Mitglieder dieser Krankenkasse ein Sonderkündigungsrecht.


Unterschiede im Leistungsspektrum

Der Leistungsumfang der einzelnen Kassen ist zu rund 95% gesetzlich vorgeschrieben. Doch können die Kassen in bestimmten Fällen ihr Leistungsspektrum erweitern. Unterschiede gibt es z.B. bei folgenden Leistungen:
  • Übernahme der Kosten für alternative Heilmethoden bzw. Naturheilverfahren;
  • Übernahme der Kosten für Krankheitsverhütung, wie z.B. ärztlich verordnete Schutzimpfungen (Impfungen wegen privaten Auslandsaufenthaltes sind aber regelmäßig ausgenommen) oder Gesundheits-Check-up;
  • Gewährung von Haushaltshilfe und der häuslichen Krankenpflege (z.B. Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung neben der Behandlungspflege bis zu sechs Wochen);
  • Übernahme der Kosten von Kuren und Zuschüsse zum "Kururlaub", d.h. ambulanter Bade- und Rehabilitations-Kur, oder Kuren im Ausland;
  • Rehabilitationsleistungen z. B. bei Rücken-, Rheuma- oder Krebsleiden;
  • Kostenübernahme bei einer Psychotherapie und bei einer Hospizbehandlung;
  • neue Therapien oder Behandlungsmethoden;
  • Service und Erreichbarkeit;
  • Ärzte-Hotlines an, die medizinische Auskünfte zu Behandlungsmöglichkeiten erteilen.
Tipp
Wenn Sie keine bestimmten medizinischen Ansprüche haben oder keinen Wert auf eine Geschäftsstelle in der Nachbarschaft legen, brauchen Sie bei der Kassenwahl nur auf den Monatsbeitrag einschließlich etwaiger Zusatzbeiträge/Prämien zu achten. Andernfalls sollten Sie sich nach Zusatzleistungen genau erkundigen und vor dem Wechsel unbedingt die Satzung aushändigen lassen, in der freiwillige Leistungen aufgeführt sind. Achten Sie auch darauf, ob Sie bei zusätzlichen Leistungen einen Eigenanteil entrichten müssen.

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