Gesetzliche Krankengeldberechnung bei Überstunden

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(verpd) Die Bemessungsgrundlage für Krankengeld ist das Arbeitsentgelt, das in den letzten drei Monaten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit tatsächlich erzielt wurde. Deshalb werden grundsätzlich auch Überstunden berücksichtigt. Wenn Überstunden zwar geleistet, aber nicht abgerechnet wurden, fließt das Entgelt dafür nicht in die Berechnung ein. So hat die 12. Kammer des Sozialgerichts Kassel in einem vor Kurzem getroffenen Urteil entschieden (Az. S 12 KR 195/13).

Ein Arbeitnehmer war seit Ende November 2012 arbeitsunfähig und bezog, nachdem die gesetzlich festgelegte sechswöchige Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber beendet war, ab Januar 2013 Krankengeld.

Seine gesetzliche Krankenkasse legte für die Berechnung das vom Arbeitgeber mitgeteilte vertraglich vereinbarte Arbeitsentgelt zugrunde. Die Höhe des Krankengelds wurde unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschrift errechnet, dass es 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitsentgelts beträgt und 90 Prozent vom Nettoarbeitsentgelt nicht übersteigen darf.

Überstunden nicht berücksichtigt

Gegen die Berechnung wehrte sich der Arbeitnehmer und zog schließlich vor Gericht, als man sich nicht einigen konnte. Aus seiner Sicht sollte als Bemessungsgrundlage nämlich das tatsächliche und nicht das vertraglich vereinbarte Arbeitsentgelt genommen werden.

Der Grund seiner Beschwerde: Er müsse regelmäßig Überstunden leisten, häufig bis zur betrieblichen Höchstgrenze von 20 Stunden pro Monat. Dies sei auch in den letzten drei Monaten vor seiner Arbeitsunfähigkeit der Fall gewesen. Dabei seien die Überstunden im August und September korrekt abgerechnet worden. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation seines Arbeitgebers seien sie im Oktober jedoch nicht vergütet worden.

Mit einem Ausdruck aus seinem Arbeitszeitkonto wies er nach, dass er 16,14 Überstunden im Oktober 2012 geleistet hatte. Bei der Krankengeldberechnung wurden weder die ausbezahlten noch die noch nicht vergüteten Überstunden berücksichtigt. Die Krankenkasse vertrat dagegen die Auffassung, nur regelmäßig gezahlte Vergütungen in den letzten drei Monaten müssten berücksichtigt werden. Außerdem sei die Berechnungsgrundlage der letzte abgerechnete Entgeltabrechnungsmonat vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Das Gericht gab beiden Seiten ein bisschen recht.

Kein Geld gezahlt

Es berücksichtigte im Urteil, dass in den letzten drei Monaten tatsächlich Überstunden geleistet wurden und deshalb das Arbeitsentgelt faktisch höher war als das vertraglich vereinbarte. Gleichzeitig nahm es das Arbeitsentgelt als Berechnungsgrundlage, das tatsächlich dem Versicherten zugeflossen war und berücksichtigte die nicht abgerechneten Stunden im Oktober insoweit nicht. Die Krankenkasse muss also die Bezüge im August und September in die Berechnung einbeziehen und entsprechend das Krankengeld nachzahlen.

Prinzipiell gilt: Ein gesetzlich Krankenversicherter, der über längere Zeit krank ist, muss aus mehreren Gründen mit Einkommenseinbußen im Vergleich zu seinem bisherigen Gehalt rechnen. Zum einen werden, wie der Gerichtsfall zeigt, nur ausbezahlte Einkommen bei der Krankengeldberechnung mit einbezogen. Zum anderen wird maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze der Krankenversicherung (monatlich 4.050 € in 2014) berücksichtigt.

Das Gehalt oberhalb dieser Grenze wird nicht mit einbezogen. Außerdem zahlt die gesetzliche Krankenversicherung bei einer Arbeitsunfähigkeit nur für maximal 78 Wochen. Wer sichergehen möchte, dass er im Krankheitsfall keine Einkommenseinbußen hat, kann mithilfe einer privaten Krankentagegeld-Versicherung vorsorgen.

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