Gesetzlich Versicherte können sich in anderen EU-Ländern ambulant behandeln lassen

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Alle EU-Bürger können sich in allen EU-Ländern ambulant medizinisch behandeln lassen. Das geht nicht nur im Urlaub. Wer will, kann auch gezielt eine Behandlung im Ausland wählen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am 27.10.2011 bekräftigt (Az. C-255/09). Dennoch gilt nach wie vor: Wer sich im EU-Ausland behandeln lassen will, sollte auf die Fallstricke achten.

Der EuGH hat in seiner Entscheidung das Verhalten der portugiesischen gesetzlichen Krankenversicherung aufs Korn genommen. Diese hatte die Kostenübernahme im Ausland von einer dreifachen vorherigen Genehmigung abhängig gemacht und so auf bürokratischem Weg letztlich Auslandsbehandlungen verhindert. Das verstößt gegen das den europäischen Richtern heilige Prinzip des freien Dienstleistungsverkehrs – und ist damit europarechtswidrig. Das Gericht befand: Wer sich im EU-Ausland ambulant behandeln lassen möchte, muss seine Krankenkasse noch nicht einmal um Erlaubnis fragen. Ausnahmen gelten nur dann, wenn die Behandlung den Einsatz kostspieliger medizinischer Großgeräte (etwa Kernspintomografiegeräte oder Magnetresonanzspektrometer) erfordert.

Bürokratische Hindernisse, die denen aus Portugal entsprechen, gibt es in Deutschland nicht. Die Krankenkassen raten ihren Versicherten zwar nicht zu einer Auslandsbehandlung, sie bemühen sich aber, die bürokratischen Hemmnisse vor einer solchen Behandlung so niedrig wie möglich zu hängen. Für ambulante Behandlungen im Ausland benötigt man daher in Deutschland – ganz europarechtskonform – in der Regel nicht die Zustimmung der Krankenkasse. Ausnahmen gelten dabei für Zahnersatz oder bei einer kieferorthopädischen Behandlung. Hier muss das Ja der Krankenkasse eingeholt werden – genau wie bei allen stationären Behandlungen.

Doch auch wenn die Kasse nicht gefragt werden muss, ist allen gesetzlich Versicherten anzuraten: Lassen Sie sich genau von Ihrer Kasse informieren, worauf bei Auslandsbehandlungen zu achten ist, damit es nachher keine bösen Überraschungen gibt. Informieren Sie sich genau, wie die Rechnung aussehen muss. Im Notfall kann man das auch bei der telefonischen Hotline der Kasse erfragen.

Die böse Überraschung ist beispielsweise, dass die Auslandsrechnung nicht anerkannt wird. Denn wenn z.B. ein britischer Zahnarzt die Einsetzung von drei Kronen in Rechnung stellt und auf der Rechnung noch nicht einmal steht, um welche Zähne es ging, dann fehlt der für die Erstattung in Deutschland vorgeschriebene Heil- und Kostenplan.

Geklärt werden muss vorab auch, ob die Leistung, die man im Ausland in Anspruch nimmt, überhaupt zum Leistungskatalog der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung gehört. Andernfalls gibt es auch keine Erstattung von der deutschen Krankenkasse.

Achtung: Die Krankenkassen übernehmen grundsätzlich immer nur so viel, wie sie auch in Deutschland für eine Behandlung gezahlt hätten. Und davon gibt es dann noch einen Abschlag für Verwaltungskosten.

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