Gefährliche Wissenslücken zu Herzinfarkt und Schlaganfall

 - 

(verpd) Es gibt untrügliche Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Laut einer aktuellen Studie kennen zwar die Bürger in Deutschland im Vergleich zu acht anderen europäischen Staaten am meisten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Symptome. Allerdings wissen die Deutschen am wenigsten, was sie unternehmen müssen, um den Betroffenen nach einem Schlaganfall das Leben zu retten.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung eine repräsentative Studie erstellt, die zeigt, inwieweit Bürger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall richtig erkennen und entsprechende Hilfsmaßnahmen einleiten können. Dazu wurden 10.000 Personen in neun europäischen Ländern befragt.

Insgesamt kennen nur wenige Europäer die typischen Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles. Und auch bei der Frage nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen gibt es erhebliche Defizite. Bei mehr als der Hälfte der Europäer ist der Brustschmerz das einzige Herzinfarktanzeichen, das ihnen geläufig ist. Rund acht Prozent kennen kein einziges Symptom, das auf einen Herzinfarkt hinweist. Für fast 20 Prozent sind die Anzeichen eines Schlaganfalles unbekannt.

Nur Teilwissen vorhanden

Bei der Aufgabenstellung, welche Krankheitsanzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall typisch sind, lagen die Deutschen ganz vorne. Von sechs Herzinfarktsymptomen, die in einer Anzeichenliste aufgeführt waren, erkannten sie im Durchschnitt 3,2 Symptome und damit die meisten. Schlusslicht waren die Italiener, Polen, Spanier und Russen. Diese erkannten weniger als zwei Symptome. Beim Schlaganfall wussten die Deutschen, dass zumindest fünf der 14 zutreffenden Symptome ein typisches Anzeichen dafür sind. Italien und Spanien kannten nur zwei charakteristische Schlaganfallsymptome.

Besonders schlecht schnitten die befragten Deutschen jedoch beim Thema Soforthilfe im Falle eines Schlaganfalles ab. Die Hilfsmaßnahme, die für einen betroffenen Schlaganfallpatienten am wichtigsten ist, nämlich sofort einen Krankenwagen zu rufen, nannten nur ein Drittel der Deutschen. 28 Prozent empfahlen stattdessen fatalerweise, dem Betroffenen Tee oder Wasser zu trinken zu geben oder ihn ins Bett zu legen und abzuwarten.

Anders bei den anderen Europäern: Zwei Drittel der polnischen und russischen Befragten und die Hälfte der anderen Europäer würden sofort den Krankenwagen rufen. „Die Diskrepanz zwischen Symptom- und Handlungswissen ist vor allem in Deutschland überraschend“, kommentierte Studienleiterin Jutta Mata vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung die Studienergebnisse. „Selbst Menschen mit Bluthochdruck oder Übergewicht, die ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall haben, sind nur wenig besser informiert.“

Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles

Beim Herzinfarkt kommt es beispielsweise durch Ablagerungen zu einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Bei einem Schlaganfall ist nicht das Herz, sondern das Gehirn betroffen. Auch hier kann es zu Verstopfungen von wichtigen Arterien oder zum Reißen eines Gefäßes kommen.  

Nach Angaben von Gesundheitsspezialisten ist ein Herzinfarkt unter anderem daran zu erkennen, dass ein oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

  • Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer, Oberbauch ausstrahlen können – ein besonderes Alarmzeichen ist nächtliches Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb,

  • ein starkes Engegefühl, ein heftiger Druck oder ein Brennen im Brustkorb,

  • Kurzatmigkeit,

  • Beklemmungsgefühle,

  • Übelkeit, Schwindel, Brechreiz und/oder

  • Schwächegefühl auch ohne Schmerz bis hin zur Bewusstlosigkeit, eine blasse, fahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß.

  • Anders als bei Männern sind bei Frauen Atemnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Brechreiz und Erbrechen häufig bereits alleinige Alarmzeichen.

Einen Schlaganfall erkennt man an einem der folgenden Symptome:

  • Schlagartig einsetzende sehr starke Kopfschmerzen,

  • plötzliche Sehstörungen und/oder verminderte Hörfähigkeit,

  • Probleme beim Sprechen und/oder beim Sprachverstehen,

  • Benommenheit und Schwindel,

  • Störungen des Gleichgewichts beim Gehen und Stehen oder Koordinationsprobleme beim Greifen, aber auch an

  • Lähmungserscheinungen und/oder ein Taubheitsgefühl beispielsweise im Gesicht, angezeigt zum Beispiel durch einen plötzlich herunterhängenden Mundwinkel, oder auch bei anderen Körperteilen wie Armen oder Beinen.

Die richtigen Sofortmaßnahmen

Grundsätzlich ist bei den genannten Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles sofort der Rettungswagen unter der Telefonnummer 112 oder der örtlichen Notrufnummer zu rufen. Dabei sollte schon darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen möglichen Herzinfarkt oder Schlaganfall handelt.

Ist der Betroffene bei Bewusstsein, sollte er dann schonend, das heißt bequem, mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, da dies zum Beispiel das Herz entlastet. Kleidung, die den Kranken einengt, ist zu öffnen. Liegt der Patient, sollte er in eine stabile Seitenlage gebracht und abgeschirmt werden, um Unruhe, Aufregung und Anstrengung zu vermeiden. Einem Betroffenen, der vermutlich einen akuten Schlaganfall hat, darf zudem nichts zu essen oder zu trinken gegeben werden, da sein Schluckreflex gestört sein könnte und Erstickungsgefahr besteht.

Ist der Betroffene bewusstlos und atmet er nicht oder nicht normal, muss von einem plötzlichen Herzstillstand ausgegangen werden. Dann reicht es nicht, den Notarzt zu rufen. Anwesende müssen dann zusätzlich sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen, bis der Notarzt eintrifft, um die Überlebenschancen für den Herzinfarkt-Betroffenen zu verbessern. Wenn ein Defibrillator zur Verfügung steht, wie dies häufig auf Flughäfen, Bahnhöfen oder auch in öffentlichen Gebäuden der Fall ist, sollten die Anwesenden diesen einschalten und den Anweisungen folgen.

Detaillierte Informationen

Was bei einem Herzstillstand zu tun ist, steht auf der Webseite der Deutschen Herzstiftung e.V. Zudem bietet der Verein ein kostenlos bestellbares Herznotfall-Set an. Darin enthalten sind kleine Notfallkarten und Faltblätter, welche die Alarmzeichen für einen Herzinfarkt beschreiben und Anleitungen zur Herzdruckmassage und Herz-Lungen-Wiederbelebung geben. Für Smartphone- und iPhone-Besitzer gibt es von der Deutschen Herzstiftung zudem eine kostenlose App zum richtigen Verhalten bei Herzinfarkt sowie eine Anleitung zur Herzdruckmassage bei plötzlichem Herzstillstand.

Detaillierte Informationen, wie man einen Schlaganfall erkennt und welche Sofortmaßnahmen sinnvoll sind, erklärt die Deutsche Schlaganfall Stiftung im Internet.

Wer sichergehen will, dass er im Notfall das Richtige tut, sollte einen Erste-Hilfe-Kurs belegen und diesen regelmäßig auffrischen. Angeboten werden diese Kurse unter anderem von Hilfsorganisationen wie Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V., Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V., Deutsches Rotes Kreuz e.V., Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. und Malteser Hilfsdienst e.V. Aber auch einige privat zugelassene Bildungsanbieter führen entsprechende Kurse durch.

Weitere News zum Thema

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

  • Krankenversicherung: Teure Lügen und Nachlässigkeiten

    [] (verpd) Die Rechtsfolgen der sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflicht-Verletzung in der privaten Krankenversicherung sind drastisch, warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin). Die vorvertragliche Anzeigepflicht ist die Pflicht des Versicherungskunden, bei der Beantragung einer Versicherungspolice alle ihm bekannten Gefahrumstände, nach denen im Antrag gefragt wird, wahrheitsgemäß zu beantworten. Die Bafin gibt Tipps, worauf ein Versicherungskunde beim Antrag achten sollte, damit es nicht zu einer Pflichtverletzung kommt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.