Gefährliche Krankenhauskeime

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(verpd) Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit infizieren sich jährlich zwischen 400.000 bis 600.000 Menschen durch gefährliche Keime im Krankenhaus. Rund 10.000 bis 15.000 Patienten sterben daran. Doch allein die Tatsache, dass bei einigen wenigen Patienten während eines Krankenhausaufenthalts eine Infektion mit multiresistenten Krankheitserregern (MRSA) auftritt, spricht für sich gesehen nicht für einen Hygienemangel, der einen Schmerzensgeldanspruch rechtfertigt. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Hamm hervor (26 U 125/13).

Eine Frau war wegen eines Darmtumors in einem Krankenhaus operiert worden. Im Bereich der Einstichstelle eines während der Operation gesetzten Katheters bildete sich ein entzündlicher Abszess. Dieser musste kurz darauf in der neurochirurgischen Abteilung einer anderen Klinik operativ behandelt werden. Dabei wurde die Patientin aller Wahrscheinlichkeit nach mit multiresistenten Krankheitserregern (MRSA) infiziert.

Mit dem Argument, dass die Einstichstelle des Katheters offenkundig nicht hygienisch einwandfrei gepflegt und vorsorgt worden sei, verklagte die Frau die Klinik auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 30.000 €. Als Beleg für den Hygienemangel führte die Klägerin an, dass es während ihres Krankenhausaufenthalts zu mindestens vier weiteren MRSA-Infektionen in der Klinik gekommen sei.

Eine Frage des Beweises

Die Richter des Hammer Oberlandesgerichts vertraten jedoch eine andere Meinung. Sie wiesen die Schmerzensgeldklage als unbegründet zurück. Nach Auffassung der Richter wäre es Sache der Klägerin gewesen, den von ihr behaupteten Hygienemangel zu beweisen. Denn nach Aussage eines vom Gericht befragten Sachverständigen gibt es in Deutschland keinen medizinischen Standard, der jegliche Art von Infektion ausschließt.

Ein solcher Standard sei zwar theoretisch vorstellbar, im Klinikalltag aber praktisch nicht zu erreichen. Im Übrigen könne ein Patient selber Träger von MRSA-Keimen sein, sodass der Ausbruch einer Infektion nicht zwingend auf einen Hygienemangel schließen lasse.

Von einem Hygienedefizit innerhalb eines Krankenhauses kann nach Ansicht des Gerichts daher frühestens dann gesprochen werden, wenn bei mindestens zehn Patienten einer Station zur gleichen Zeit eine Infektion mit MRSA-Keimen auftritt. Das war in der entschiedenen Sache jedoch nicht der Fall, sodass die Klägerin leer ausgeht.

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