Folgenreiche Selbstüberschätzung eines Hobbysportlers

 - 

(verpd) Der Betreiber einer Wasserskianlage genügt in der Regel seiner Verkehrssicherungs-Pflicht, wenn er die Anlage einmal jährlich vom TÜV überprüfen lässt. Er kann nicht für einen Unfall verantwortlich gemacht werden, wenn ein wenig erfahrener Nutzer der Anlage sich Materialien für Fortgeschrittene ausleiht und dann verunfallt. Dies ist die Aussage eines Urteils des Landgerichts Düsseldorf (Az. O 136 / 11 U).

Ein Mann hatte sich auf einer Wasserskianlage ein Wakeboard für fortgeschrittene Fahrer ausgeliehen, obwohl er selbst erst zum zweiten Mal in seinem Leben Wasserski fuhr. Während des Wasserskifahrens fiel ein Mann vor ihm ins Wasser und ließ seine Leine los. Sie wurde nicht vom Starthaus aus eingezogen, sondern hing lose herab und wickelte sich um Kopf und Hals des dahinterfahrenden Anfängers, der dadurch verletzt wurde.

Der Verletzte wollte für die erlittenen Schmerzen und die notwendige medizinische Behandlung einen angemessenen Ausgleich von der Betreiberin der Wakeboardanlage und reichte eine entsprechende Gerichtsklage ein. Die Anlagenbetreiberin beziehungsweise ihre Mitarbeiter hätten es seiner Meinung nach versäumt, ihn vor dem Start zu belehren. Außerdem hätten sie die Nutzer in zu kurzen Abständen fahren lassen, so seine Argumentation.

Von der Bahn abgewichen

Diese Anschuldigungen wies die Anlagenbetreiberin jedoch zurück. Sie warf dem Mann zudem vor, er habe sich nicht an die vorgegebene Fahrtroute gehalten. Alle fünf Fahrtstrecken seien durch rote Bojen gekennzeichnet gewesen, wobei der Kläger regelwidrig nicht durch sie hindurch, sondern an ihnen vorbeigefahren sei. Dies habe zu einer höheren Geschwindigkeit geführt, wodurch es erst zur Kollision kommen konnte.

Außerdem habe er wie alle anderen Nutzer eine ausführliche Einweisung bekommen und sei darauf hingewiesen worden, dass er seine Leine sofort loslassen sollte, sofern er auf ein Hindernis zufährt. Das Landgericht Düsseldorf schloss sich im Wesentlichen der Ansicht der Anlagenbetreiberin an und wies die Klage ab. Eine Wasserskianlage ist aus Sicht des Gerichts grundsätzlich und in gewissem Umfang eine Gefahrenquelle.

Grundsätzliche Gefahrenquelle

Die Betreiberin müsse zwar die erforderlichen und zumutbaren Vorkehrungen treffen, um eine Schädigung Dritter zu verhindern. Eine Verkehrssicherung, die jeden Unfall ausschließt, sei aber nicht erreichbar. Mit der regelmäßigen Überprüfung durch den TÜV sei die Beklagte diesen Anforderungen auch nachgekommen. Der Kläger habe nicht beweisen können, dass darüber hinausgehende Sicherheitsnormen hätten erfüllt werden müssen.

Der Betreiberin der Anlage könne nicht vorgeworfen werden, dass auch weniger erfahrene Erwachsene sie benutzen sowie, wie im vorliegenden Fall, sich gleich ein Wakeboard für Fortgeschrittene ausleihen.

Keine Pflicht zur Belehrung

Auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherungs-Pflicht musste die Beklagte ihm nicht von der Benutzung eines solchen Boards abraten oder ihn von sich aus nach dem Stand seiner Wasserskierfahrungen fragen. Der Kläger hätte ohne Weiteres in seiner Eigenschaft als Anfänger eine spezielle Beratung bekommen können, welches Board für ihn geeignet ist. Danach habe er aber nicht gefragt.

Vor Gefahren, die offensichtlich sind, müsse nicht extra gewarnt werden. Dazu gehöre auch die herabhängende Leine des Vordermanns und die Tatsache, dass man das eigene Seil loslassen müsse, sobald man das Hindernis nicht umfahren kann. Insgesamt handelte es sich nach Auffassung des Gerichts im vorliegenden Fall um einen Unfall bei der Ausübung einer nicht ungefährlichen Freizeitbetätigung, für den die Beklagte nicht die Verantwortung trägt. Deshalb hat der Kläger keinen Anspruch auf Schmerzensgeld.

Wenn kein anderer für einen Unfall verantwortlich ist

Durch einen Unfall notwendig gewordene Arzt-, Behandlungs-, und Krankenhauskosten werden in der Regel von der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung übernommen. Allerdings reicht die Absicherung durch die gesetzlichen Sozialversicherungen in der Regel nicht aus, um die zum Teil hohen Einkommenseinbußen, welche durch eine unfallbedingte längere Arbeits- oder dauerhafte Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit entstehen, auszugleichen.

Mit bestimmten Versicherungslösungen wie einer privaten Unfall-, Krankentagegeld- und / oder Berufsunfähigkeits-Versicherung lassen sich jedoch finanzielle Schwierigkeiten vermeiden, auch wenn wie im genannten Gerichtsfall kein anderer für die finanziellen Folgen eines erlittenen Unfalls haftet.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.