Das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten

Das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten

 - 

(verpd) Arbeitnehmer sind im Krankheitsfall in gewissem Maße vor Einkommenseinbußen geschützt. Dazu müssen sie jedoch bestimmte Vorgaben einhalten. Allerdings ist der Schutz auch dann zeitlich und der Höhe nach begrenzt.

Ein Arbeitgeber muss einem Arbeitnehmer, der infolge eines Unfalles oder einer Krankheit arbeitsunfähig ist, für sechs Wochen beziehungsweise 42 Kalendertage dessen Gehalt weiterzahlen, wenn der Arbeitnehmer mindestens seit vier Wochen bei ihm beschäftigt war. Dies gilt auch für geringfügig Beschäftigte wie Mini-Jobber. Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber unverzüglich, am besten zu Beginn des ersten Tages, an dem er krankheitsbedingt nicht arbeiten kann, über seine Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer informiert.

Diese sogenannte Lohnfortzahlung ist im Entgeltfortzahlungs-Gesetz (EntgFG) geregelt. Dauert der Krankenstand voraussichtlich länger als drei Tage, ist zum Beispiel nach Paragraf 5 EntgFG spätestens am vierten Arbeitstag eine ärztliche Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) dem Arbeitgeber vorzulegen. In einem für den Arbeitnehmer geltenden Arbeits- oder Tarifvertrag kann aber auch festgelegt sein, dass der Arbeitgeber schon am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit die Krankenbescheinigung erhalten muss.

Private Krankenversicherung im Alter. Bescheid wissen, zahlt sich aus.

Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber

Details zur Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber enthält die kostenlos herunterladbare Broschüre „Entgeltfortzahlung“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Unter anderem wird hier aufgeführt, welche Gehaltsbestandteile bei der Lohnfortzahlung berücksichtigt werden, aber auch was beim Krankenstand an Feiertagen oder während eines Urlaubes gilt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern kann, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit selbst grob fahrlässig verschuldet hat.

Die Broschüre listet unter anderem folgende Beispiele für eine selbst verschuldete Arbeitsunfähigkeit auf: Verletzungen durch einen Verkehrsunfall infolge Trunkenheit, durch einen Arbeitsunfall infolge vorsätzlicher oder grobfahrlässiger Verstöße gegen Unfallverhütungs-Vorschriften oder auch infolge einer selbst provozierten Rauferei. In der Broschüre heißt es jedoch auch: "Der Arbeitgeber muss im Streitfall das Verschulden aber darlegen und beweisen."

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Pflege" beantworten Praxisexperten in unserem aktuellen Ratgeber Der Pflegefall droht: Entscheidungen treffen, Vermögen schützen und Ansprüche durchsetzen.

Einkommenseinbußen im Krankheitsfall

Dauert die Arbeitsunfähigkeitwegen derselben Krankheit innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen, hat ein gesetzlich krankenversicherter Arbeitnehmer Anspruch auf ein Krankengeld von seiner Krankenkasse – allerdings nur für maximal 78 Wochen ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Tritt die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gleichen nicht ausgeheilten Krankheit mehrmals auf, zahlt die Krankenkasse das Krankengeld insgesamt für höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Gesetzlich geregelt ist das Krankengeld im Fünften Sozialgesetzbuch.

Die Höhe des Krankengeldes ist jedoch um einiges niedriger als der bisherige Lohn. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nämlich nur 70 Prozent des Bruttolohns, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettoeinkommens. Davon werden noch die Beiträge für die gesetzliche Renten-, Pflege- und Arbeitslosen-Versicherung abgezogen. Für die Höhe des Krankengeldes wird zudem maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze (monatlich 4.350,00 Euro in 2017) berücksichtigt.

Gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer, deren Gehalt über der Beitragsbemessungs-Grenze liegt, müssen bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit mit hohen finanziellen Einbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen rechnen. Der Gehaltsanteil, der nämlich oberhalb der Beitragsbemessungs-Grenze liegt, wird bei der Berechnung der Krankengeldhöhe nicht mitberücksichtigt. Grundsätzlich lassen sich jedoch Einkommenseinbußen, die durch eine längere Arbeitsunfähigkeit entstehen, mit einer privaten Krankentagegeld-Versicherung absichern.

Was ändert sich ab 60plus? Dieser kompetente Ratgeber gibt Ihnen Sicherheit bei Finanzen, Versicherungen, Altersvorsorge und Pflege.

Teure Fehler bei der Folgebescheinigung vermeiden

Der Arbeitnehmer muss darauf achten, dass er bei einer lang anhaltenden Arbeitsunfähigkeit eine lückenlose Krankschreibung vorlegt, damit der Krankengeldanspruch nicht gefährdet ist. Anderenfalls erhält er für die fehlenden, nicht bestätigten Tage kein Krankengeld oder kann unter Umständen sogar seinen Anspruch auf Krankengeld komplett verlieren.

Ist man voraussichtlich länger krank als in der bisherigen Krankschreibung des Arztes bestätigt, muss die Folgebescheinigung spätestens am darauffolgenden Arbeitstag nach dem letzten Krankheitstag der bisherigen Krankschreibung beginnen. Gilt beispielsweise die Krankschreibung bis Mittwoch, muss die Folgebescheinigung am Donnerstag beginnen, gilt sie bis Freitag, muss der Arzt spätestens am darauffolgenden Montag eine fortdauernde Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Samstage gelten nach den gesetzlichen Vorgaben nämlich nicht als Werktage.

Übrigens, eine nachdatierte Krankschreibung durch den Arzt, um eine Anspruchslücke zu vermeiden, ist nicht gültig. Weitere Details zum Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten die Webportale des Bundesministeriums für Gesundheit und der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Fragen zum Thema beantworten die jeweilige Krankenkasse sowie das Servicetelefon der UPD (Telefonnummer 0800 0117722).

Wie Sie trotz Niedrigzinsen und Inflation Ihr Geld vermehren können, erläutern Finanzexperten in unserem geldwerten Ratgeber Niedrigzinsen und Inflation: So retten Sie Ihre Ersparnisse.

Weitere News zum Thema

  • Krankenkassen haben Milliardenüberschuss

    [] Nach den ersten drei Quartalen 2017 konnten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro ausweisen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung: Geringe Beitragsentlastung

    [] Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit wird der vom Arbeitnehmer alleine zu tragende Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Durchschnitt sinken. Allerdings werden Gutverdiener aufgrund der Erhöhung bestimmter Sozialversicherungs-Werte dennoch mehr zahlen müssen als bisher. Zudem wird der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung schwerer. mehr

  • Neues für Selbstständige mit geringem Einkommen

    [] Wie das Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jüngst mitteilte, gibt es ab 2018 eine Änderung bei der Festlegung der Beiträge für Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind. Zudem steigt der Mindestbeitrag. Experten warnen bereits seit Längerem vor einer Überforderung von gering verdienenden Selbstständigen durch überhöhte Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). mehr

  • Gefährliches Spielzeug und riskante sonstige Produkte

    [] Nicht jedes Spielzeug oder Kinderzimmer-Möbelstück ist auch wirklich für Kinder geeignet. Ein Webportal zeigt, worauf man bei den einzelnen Produktarten achten sollte, um das Unfallrisiko minimal zu halten und die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, aber auch, welche einzelnen Produkte bereits als gefährlich eingestuft wurden. mehr

  • Damit PC und Smartphone nicht zu Augenleiden führen

    [] Viele, die fast jeden Tag stundenlang auf einen Monitor blicken, egal ob es sich dabei um einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display handelt, leiden irgendwann unter gereizten, geröteten, lichtempfindlichen und/oder juckenden Augen. Bei manchen verschlechtert sich sogar die Sehstärke. Wie sich solche Beschwerden verhindern lassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.