Damit die Arbeit nicht krank macht

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(verpd) Statistiken zeigen, dass in nahezu allen Branchen Stressfaktoren wie Termin- und Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, häufige Überstunden, eine hohe Verantwortung oder auch anhaltender Lärm vorhanden sind. Die Zahl der Krankheitstage, aber auch der Erwerbsunfähigen, die durch stressbedingte Krankheiten verursacht wurden, steigt nach den Ergebnissen diverser Studien und Statistiken stetig an. Für den Einzelnen ist es daher wichtig zu wissen, was er tun kann, um eine ständige Überforderung zu verhindern.

Ständiger Stress kann zahlreiche Leiden verursachen: Muskelschmerzen, Konzentrations-Schwierigkeiten, Herz-Kreislauf- sowie Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Gedächtnisprobleme, häufige Infektionen, Gereiztheit, Depressionen bis hin zum Burn-out-Syndrom.

Zudem tritt eine Überlastung nicht nur bei einzelnen Berufs- oder Personengruppen, sondern bei allen Schichten auf, vom Schüler bis zum Topmanager. Der von der Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herausgegebene Stressreport Deutschland 2012 kam bei einer Befragung von rund 18.000 Erwerbstätigen zu dem Ergebnis, dass Führungskräfte mit 48 Prozent der Befragten und Mitarbeiter mit 40 Prozent fast in gleich hohem Maße von Stress und Arbeitsdruck betroffen sind.

Zunehmende psychische Belastung am Arbeitsplatz

43 Prozent der befragten Erwerbstätigen gaben zudem an, dass in den vergangenen zwei Jahren die psychische Belastung in der Arbeit zugenommen habe. Besonders belastend empfinden 34 Prozent der Befragten einen starken Termin- und Leistungsdruck, 26 Prozent häufige Arbeitsunterbrechungen und 18 Prozent das gleichzeitige Erledigen von verschiedenen Aufgaben während der Arbeit.

Psychisch bedingte Erkrankungen stellten 2011 mit 14,1 Prozent aller Krankheitsfälle die drittgrößte Krankheitsgruppe in Deutschland dar, so das Ergebnis des BKK Gesundheitsreports 2012, herausgegeben vom BKK Bundesverband. 2004 waren es noch 8,3 Prozent. Seit 2001 ist die Anzahl der Tage, an denen Erwerbstätige wegen psychischer Störungen krankgeschrieben waren, von 33,6 Millionen auf 59,2 Millionen Krankheitstage in 2011 angestiegen, wie aus aktuellen Statistiken hervorgeht.

Mittlerweile gibt es nicht kommerzielle Initiativen und Projekte, die sich mit den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz beschäftigen und Präventionsmaßnahmen erarbeiten. Eine davon ist das Deutsche Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF), eine Initiative des Europäischen Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt wird.

Was Experten raten

Das DNBGF hat unter anderem den 40-seitigen Ratgeber „Kein Stress mit dem Stress“ herausgegeben, der kostenlos auf den Webseiten herunterladbar ist oder auch in Papierform bei einem Träger der Initiative, dem BKK Bundesverband, bestellt werden kann. Unter anderem raten die Gesundheitsexperten gestressten Arbeitnehmern dazu, Dinge zu ändern, die sie auch selbst ändern können. Bereits Kleinigkeiten wie den Schreibtisch aufräumen oder das zeitnahe und sinnvolle Sortieren von E-Mails erleichtern oftmals den Arbeitsalltag.

Zudem helfen ein gut organisierter Tagesablauf sowie bewusst eingelegte Pausen Stress zu vermeiden. Auch überzogene Erwartungshaltungen an einen selbst können Stress verursachen, daher gilt es für jeden selbst, sich realistische Ziele zu setzen. Darum ist es wichtig, sich bei der Zielsetzung daran zu orientieren, welche Ergebnisse man selbst oder die Kollegen bei der Arbeit in der vorgegebenen Zeit oder in einer ähnlichen Situation auch tatsächlich erreichen können. Ebenfalls sollten ständige Zusatzarbeiten vermieden werden.

Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass ausnahmsweise geleistete Überstunden nicht zur Regel werden. Ein entscheidendes Ziel, das man sich und anderen setzen sollte, ist das Loslassen von Arbeitsproblemen am Ende der Arbeitszeit. Um dies zu erreichen, ist es wichtig nicht noch berufliche Probleme nach der Arbeit mit Kollegen, Freunden oder der Familie zu wälzen. Denn nur wer sich richtig erholen kann und gut schläft, ist am nächsten Tag wieder fit für die Arbeit.

Wann der Arzt konsultiert werden sollte

Keiner sollte Angst davor haben, mit Kollegen zu sprechen oder nach Hilfe zu fragen, denn das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der Beweis für eine gute Teamarbeit. Wird ein Arbeitnehmer durch die ständige Überlastung krank, müssen zum einen die Kollegen seine Arbeit mit übernehmen. Zum anderen besteht die Gefahr, dass derjenige, der ständig 120 Prozent Leistung bringt, schnell von den Personal-Verantwortlichen als Maßstab für die Kollegen genommen wird, die dann ebenfalls die gleiche Leistung bringen sollten.

Es ist zudem auf keinen Fall ratsam zu versuchen, sich bei ständigem Stress mit teils frei verkäuflichen Medikamenten dauerhaft fit zu halten. Wer sich über längere Zeit gestresst fühlt und keine Aussicht auf Besserung sieht, sollte sich einem Arzt anvertrauen, um mögliche stressbedingte Erkrankungen zu verhindern.

Weitere Projekte und Initiativen neben der DNBGF, die Arbeitnehmern und Arbeitgebern hilfreiche Präventionsmaßnahmen und Anlaufstellen online zur Verfügung stellen, sind: die Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA), ein Projekt des BKK Bundesverbandes, mit insgesamt 18 Kooperationspartnern; die Initiative Neue Qualität der Arbeit (Inqa), in der zahlreiche Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit und das BMAS vertreten sind, und die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG), ein gemeinnütziger Verband.

Wenn die Arbeitskraft wegen Überarbeitung verloren geht

Eine massive stressbedingte psychische Erkrankung (ein sogenanntes Burn-out-Syndrom) kann sogar bis zum vollständigen Verlust der Erwerbsfähigkeit führen. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung stieg die Zahl der krankheitsbedingten Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen von etwas über 15 Prozent 1993 auf 41 Prozent im Jahre 2011. Psychische Probleme sind damit die Hauptursache, warum Erwerbstätigen eine Erwerbsminderungsrente in Deutschland zugesprochen wird. Im Durchschnitt waren die Betroffenen 48,3 Jahre alt.

Durchschnittlich betrug die Rente im Jahr 2012 wegen teilweiser Erwerbsminderung, also für gesetzlich Rentenversicherte, die nur zwischen drei und unter sechs Stunden irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen konnten, in Ostdeutschland 423 € und in Westdeutschland 492 € monatlich. Die volle Erwerbsminderungsrente, die man erhält, wenn man unter anderem nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, belief sich in den neuen Bundesländern 698 € und in den alten Bundesländern auf 732 € im Monat.

Für die meisten wird die gesetzliche Rentenhöhe in den wenigsten Fällen ausreichen, um ihren bisherigen Lebensstandard zu halten. Daher ist es wichtig, frühzeitig vorzusorgen. Die private Versicherungswirtschaft bietet dazu diverse Lösungen beispielsweise in Form einer Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung an.

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