Burn-out: Nicht nur ein Thema für Betriebe

 - 

(verpd) Mehr als jede zweite Führungskraft in einem Großbetrieb berichtet in einer aktuellen Umfrage von Burn-out-Fällen in ihrem Unternehmen. Dennoch glauben fast drei Viertel der Personal-Verantwortlichen, dass die aktuelle Burn-out-Gefährdung der eigenen Mitarbeiter gering ist. Ein weiteres Studienergebnis ist, dass 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland derzeit keine Maßnahmen ergreifen, um eine psychische Überbelastung der Mitarbeiter zu verhindern.

Burn-out ist ein Thema, das laut Hernstein Institut für Management und Leadership „in den Unternehmen angekommen“ ist. Zu diesem Schluss gelangt das Institut aufgrund der Ergebnisse des „Hernstein Management Reports Burnout“. Die Marktforscher der OGM Gesellschaft für Marketing Ges.m.b.H. haben hierfür jeweils 100 Führungskräfte von Betrieben in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit 100 oder mehr Beschäftigten befragt.

Die Burn-out-Gefährdung der eigenen Mitarbeiter zum momentanen Zeitpunkt stuft die große Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland als geringer ein: 54 Prozent beurteilen sie als weniger hoch, neun Prozent als gar nicht hoch. Nur 25 Prozent der Befragten in Deutschland bewerteten die Burn-out-Gefährdung als eher hoch und sechs Prozent als sehr hoch. Allerdings berichteten 58 Prozent der hierzulande Befragten von konkreten Burn-out-Fällen in ihren Unternehmen.

Psychische Probleme sind Hauptursache für Frühverrentungen

Neben den tatsächlichen Erfahrungen der Führungskräfte zeigen auch die Zahlen der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung, dass die positive Einschätzung der Personal-Verantwortlichen nicht immer der Realität entspricht. So stellten 2011 psychisch bedingte Erkrankungen mit 14,1 Prozent aller Krankheitsfälle die drittgrößte Krankheitsgruppe in Deutschland dar, wie aus dem BKK Gesundheitsreport 2012, herausgegeben vom BKK Bundesverband, zu entnehmen ist.

Eine massive stressbedingte psychische Erkrankung (ein sogenanntes Burn-out-Syndrom) kann sogar bis zum vollständigen Verlust der Erwerbsfähigkeit führen.

Die Zahl der krankheitsbedingten Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen stieg nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung von etwas über 15 Prozent 1993 auf 41 Prozent im Jahre 2011. Psychische Probleme sind damit die Hauptursache, warum Erwerbstätigen eine Erwerbsminderungsrente in Deutschland – im Durchschnitt waren die Betroffenen 48,3 Jahre alt –zugesprochen wird.

Gestaltungsspielraum und Produktivität die wichtigsten Kriterien

Das Hernstein Institut ermittelte in seiner Studie auch, welche Kriterien Führungskräfte heranziehen, um zu messen, ob sie ein „gesundes Team“ leiten. Für jeden zweiten deutschen Chef ist – im Ländervergleich sticht das besonders hervor – ein hoher Gestaltungsspielraum (52 Prozent) ein verlässlicher Indikator. Praktisch gleichauf liegt das Kriterium „hohe Produktivität“ (51 Prozent).

Eine geringe Zahl an Krankheitstagen (37 Prozent) und Konfliktkompetenz (34 Prozent) gehören zu den in Deutschland weniger häufig genannten Kriterien. Das Wissen der Mitarbeiter um den Sinn der Tätigkeit und eine ausgeprägte Konfliktkompetenz sind in allen drei Ländern für mehr als ein Drittel ein wesentliches Merkmal.

Ist das Team „gesund“? Welche Kriterien Führungskräfte in Großbetrieben zur Messung anlegen

Indikator

Deutschland

Österreich

Schweiz

Hoher Gestaltungsspielraum

52 %

22 %

30 %

Hohe Produktivität

51 %

42 %

43 %

Gute Kommunikationskultur

43 %

59 %

55 %

Wissen um Sinn der Tätigkeit

42 %

36 %

33 %

Wenige Krankenstandstage

37 %

51 %

54 %

Konfliktkompetenz

34 %

43 %

33 %

Quelle: Hernstein Institut, Hernstein Management Report Burnout, OGM

Präventionsmaßnahmen gibt es in nur vier von zehn Betrieben

Obwohl mehr als die Hälfte der Befragten Burn-out-Fälle registriert, setzen über alle drei Länder gerechnet nur 37 Prozent aller befragten Unternehmen auf konkrete Maßnahmen zur Prävention. Der Report stellt dabei deutliche Länderunterschiede fest: In Deutschland tun dies 40 Prozent, in Österreich 46, in der Schweiz nur 24. Die Vorsorgeintensität nimmt mit steigender Unternehmensgröße zu: Bei Unternehmen bis 250 Mitarbeitern sind 18 Prozent aktiv, bei Unternehmen über 1.000 Mitarbeitern bereits die Hälfte.

Bei den Unternehmen, die bereits Maßnahmen setzen, steht die Sensibilisierung durch Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern in Deutschland mit 58 Prozent an erster Stelle. Ein Überdenken der Arbeitsorganisation und Anerkennungsgespräche erachtet jeweils ein Drittel als wirksam. Auf „weniger Arbeit“ setzt ein knappes Fünftel.

„Viele Führungskräfte unterschätzen ihre Vorbildfunktion und die Wirkung ihres Führungsverhaltens. Burn-out-Prävention kann nur gelingen, wenn sie von den Führungskräften selbst gelebt wird“, fügt Eva-Maria Ayberk, Leiterin des Hernstein Instituts, hinzu.

Konkrete Maßnahmen zur Burn-out-Prävention in Großbetrieben

Maßnahme

Deutschland

Österreich

Schweiz

Führungskräfte und Mitarbeiter werden zum Thema geschult

58 %

69 %

49 %

Teamprozesse werden unterstützt

48 %

36 %

25 %

Arbeitsorganisation wird überdacht

34 %

41 %

48 %

Anerkennungsgespräche werden geführt

34 %

32 %

47 %

Arbeitspensum gekürzt und Überstunden abgebaut

18 %

22 %

30 %

Quelle: Hernstein Institut, Hernstein Management Report Burnout, OGM

„Mehr als ein nettes Wohlfühlprogramm“

Laut Ayberk sind die Konzerne und Unternehmen mit den weitreichenden Folgewirkungen des Burn-out-Syndroms konfrontiert. Gleichzeitig könnten sie viel dazu beitragen, dass aus dem Risiko kein Ernstfall wird.

„Denn beim Burn-out spielen neben den persönlichen Faktoren und dem sozialen Umfeld vor allem die beruflichen Rahmenbedingungen eine bedeutende Rolle“, so Ayberk weiter. Betriebliches Gesundheitsmanagement und Burn-out-Prävention seien für Unternehmen „mehr als nette Wohlfühlprogramme“.

Wer sich nicht darauf verlassen will – egal ob sein Arbeitgeber Präventionsmaßnahmen anbietet oder nicht –, dass er schon nicht an einem Burn-out erkrankt, sollte frühzeitig vorsorgen, dass im Falle des Falles nicht noch finanzielle Probleme hinzukommen. Die gesetzliche Absicherung reicht nämlich fast nie aus, um die durch einen Burn-out verursachten Einkommenseinbußen auszugleichen.

Die gesetzliche Absicherung reicht nicht

Durchschnittlich betrug die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, also für gesetzlich Rentenversicherte, die nur zwischen drei und unter sechs Stunden irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen konnten, im Jahr 2012 in Ostdeutschland 423 € und in Westdeutschland 492 € monatlich. Die volle Erwerbsminderungsrente, die man erhält, wenn man unter anderem nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, belief sich in den neuen Bundesländern auf 698 € und in den alten Bundesländern auf 732 € im Monat.

Und selbst wer nur wegen einer stressbedingten Erkrankung mehrere Wochen oder Monate ausfällt, muss trotz gesetzlichem Krankengeld mit Einschnitten bei seinem Einkommen rechnen. Selbstständige, die weder gesetzlich renten- noch krankenversichert sind, droht ohne eine private Absicherung sogar fast ein Totalausfall beim Einkommen.

Die private Versicherungswirtschaft bietet jedoch diverse Lösungen beispielsweise in Form eines Krankentagegeldes sowie einer Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung an.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Höhere Arbeitgeberzuschüsse für privat Krankenversicherte

    [] (verpd) Durch die Änderung der Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 hat sich auch die Zuschusshöhe, die ein Arbeitgeber seinem privat krankenversicherten Arbeitnehmer zahlen muss, erhöht. Auch der Anstieg des Beitragssatzes der gesetzlichen Pflegeversicherung führte zu der Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses. mehr

  • Viele Bundesbürger fühlen sich gesundheitlich eingeschränkt

    [] (verpd) Im europäischen Durchschnitt gibt rund jeder Vierte, in Deutschland jeder Fünfte an, mit lang andauernden gesundheitlichen Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen konfrontiert zu sein. Wie die Daten der europäischen Statistik zeigen, sinkt im Allgemeinen der Anteil der Betroffenen mit steigendem Einkommen. mehr

  • Damit die Hausapotheke nicht zum Risiko wird

    [] (verpd) Besonders in der Winterzeit kämpfen viele mit Schnupfen, Husten oder sonstigen Leiden. Wer hier entsprechende Arzneimittel zu Hause hat, kann schnell dagegen vorgehen. Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die Medikamente im heimischen Medizinschrank lagern, sondern auch, dass sie nicht veraltet sind. Denn abgelaufene Arznei wirkt häufig nur noch bedingt oder gar nicht mehr und kann im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein. mehr

  • Damit Silvester nicht auf die Ohren geht

    [] Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich an Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht an ihren Ohren explodiert ist. Um Hörschäden zu vermeiden, ist Vorsicht angesagt. mehr

  • Digitaler Stress für die Augen

    [] (verpd) Das stundenlange Starren auf einem Bildschirm hat Folgen: Die Augen sind trocken, brennen oder tränen. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt in diesem Zusammenhang vor dem Büroaugen-Syndrom. Im Extremfall ist sogar das Sehvermögen gefährdet. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.