Brille kaputt: Abzug "neu für alt" muss nicht sein

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Unfallopfer müssen sich nicht den Zeitwert ihrer zerstörten Brille anrechnen lassen. Auch bei der Entschädigung für andere Gegenstände gilt immer der Neuwert.

Stellen Sie sich vor, bei einem Verkehrsunfall geht Ihnen Ihre Brille kaputt. Sie sind schuldlos. Deshalb wird Ihnen von der Versicherung des Unfallverursachers u.a. die Brille ersetzt, allerdings nach Abzug des "Vorteils", den Sie dadurch haben, dass Sie nun eine neue Brille besitzen. Ergo müssen Sie bei der neuen Brille zuzahlen, obwohl Sie möglicherweise gar keine neue Brille brauchen und nie daran gedacht haben, sich eine neue zu besorgen.

Das ist ärgerlich, doch nach einem erst jetzt bekannt gewordenen rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Münster vom 13.5.2009 müssen Sie einen solchen Abzug "neu für alt" nicht unbedingt hinnehmen. Das Urteil ist übrigens rechtskräftig und betrifft keineswegs nur Brillen.

Im Fall, über den in Münster verhandelt wurde, ging es um eine Brille, die bei einem Autounfall zerstört wurde. Für eine neue Brille in gleicher Qualität, Stärke und Ausführung zahlte der Betroffene 722,45 Euro. Noch kurz zuvor stellte der Augenarzt des Klägers fest, dass die alte Brille genügte und vor allem keine neuen Gläser anzufertigen waren. Dennoch zahlte die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers für die Brille lediglich den von ihr angenommenen Zeitwert der Brille in Höhe von 300 Euro.

Hiergegen klagte der Geschädigte und erhielt sowohl vom Amtsgericht Coesfeld als auch vom Landgericht Münster recht. Einen Abzug "neu für alt" müsse er nicht akzeptieren, da er aus wichtigen Gründen zwingend und sofort auf einen Ersatz der Brille angewiesen sei. Da es keinen Gebrauchtmarkt für Brillen gebe, müsse er sich eine neue kaufen. Anhaltspunkte dafür, dass der Gebrauchswert der alten Brille für den Betroffenen schon zum Zeitpunkt des Autounfalls reduziert gewesen sei, gebe es nicht. Vor allem seien neue Gläser infolge einer Sehstärkenveränderung nicht erforderlich gewesen (Az. 1 S 8/09).

Tipp
Gestützt auf die Argumente des Landgerichts Münster können Unfallopfer in vielen Fällen bei Sachschäden den vollen Neuwert von zerstörten Gegenständen verlangen.

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