Betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich aus

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(verpd) Trotz steigender Fehlzeiten investieren viele Unternehmen noch nicht in die betriebliche Gesundheitsförderung. Dabei können solche Maßnahmen krankheitsbedingte Fehlzeiten sowie die Kosten für Berufsunfähigkeit und Medizin um rund ein Viertel senken, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich aus. Durch sie sind deutlich weniger Fehltage und eine verbesserte körperliche und psychische Verfassung der Mitarbeiter zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommen die Studienautoren des IGA-Reports 28.

Es handelt sich dabei um eine Vergleichsstudie der Initiative Gesundheit und Arbeit (Iga), die vom BKK Dachverband e.V., der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen e.V. (VDEK) getragen wird.

Wenig Angebote in den Unternehmen

Für den Iga-Report 28 haben die Autoren rund 2.400 Studien ausgewertet. „Seit einem Jahrzehnt steigt die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland fast kontinuierlich an. Die Kosten für die ausgefallene Bruttowertschöpfung sind immens (2013: 103 Milliarden Euro)“, so die Verantwortlichen der Studie. Gleichzeitig gebe es immer weniger Beschäftigte, die sich von ihrem Unternehmen bei der Prävention unterstützt fühlen. Nur jeder fünfte Mitarbeiter erhält in seinem Betrieb „in (sehr) hohem Maß“ Angebote zur Gesundheitsförderung.

Dabei bestehe Handlungsbedarf. „Beispielsweise steigen die Arbeitsunfähigkeitstage seit 2006 Jahr für Jahr, wobei insbesondere die Bedeutung der psychischen Störungen stark zugenommen hat“, berichten die Autoren in der Iga-Untersuchung. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) gehen rund zehn Prozent der Fehlzeiten auf psychische Probleme zurück.

Das erhebliche Entwicklungspotenzial in den Bereichen betriebliche Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz ist nach Ansicht der Iga erstaunlich, da der Nutzen von Präventionsprogrammen wissenschaftlich belegbar sei. Zudem erwartet auch die Mehrheit der Unternehmen, dass mit zusätzlichen Investitionen in den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz langfristig die Kosten sinken. Das ergab eine Befragung von 337 Unternehmen aus 19 Ländern.

Ein Viertel der Kosten kann eingespart werden

„Die einbezogenen Studien zeigen eine durchschnittliche Senkung krankheitsbedingter Fehlzeiten sowie der Kosten für die Berufsunfähigkeit und der medizinischen Kosten um circa 25 Prozent“, berichten die Iga-Autoren. Sie erklären weiter: „Mit jedem investierten Euro können im Ergebnis 2,70 € durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden. Für Investitionen in den Arbeitsschutz zeigt sich ein vergleichbar positives Kosten-Nutzen-Verhältnis.“

Die größten Einflüsse des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes ergeben sich einer Studie aus dem Jahr 2013 zufolge für die Produktion, den Transport, die Lagerung und den Personaleinsatz. Ein Großteil der ausgewerteten Studien belege eine Verbesserung der körperlichen beziehungsweise psychischen Verfassung der Mitarbeiter. Besonders hoch sei der Nutzen, wenn Programme verschiedene Maßnahmen, die gleichermaßen auf das Verhalten der einzelnen Beschäftigten und auf Veränderungen in der Arbeitsorganisation abzielen, berücksichtigen.

Das Einbeziehen von Beschäftigten in Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation oder die Evaluation von Stressoren in der Arbeitswelt werden in den herangezogenen Untersuchungen als vielversprechende Ansätze benannt. „Besonders deutlich wird dies bei der Prävention psychischer Erkrankungen, aber auch bei Programmen der Bewegungsförderung, der Gewichtsreduktion oder der Nikotinentwöhnung.“

Betriebliches Gesundheitsmanagement statt Einzelmaßnahmen

Die Studien zur Prävention und Behandlung psychischer Probleme zeigten eine deutliche Verbesserung der Produktivität. „Die hierdurch erwirtschafteten Gewinne überstiegen die Kosten, die durch die Intervention entstanden.“ Durch Maßnahmen zur Gewichtskontrolle könnten die Fehlzeiten um drei Tage (20 Prozent) reduziert werden, zeigte eine weitere Studie. Insgesamt sei ein präventiver Nutzen für körperliche Bewegungs- und Kräftigungsprogramme belegt.

Essenz aus allen untersuchten Studien ist laut Experten, dass eine umfassende, individuelle Risikobeurteilung und die Einbindung in bestehende Strukturen wesentliche Bestandteile eines Präventionskonzeptes sein sollten. Die Beschäftigten sollen zudem aktiv in die Gestaltung von Arbeitsplatz und -aufgaben einbezogen werden.

„Uneingeschränkt empfehlenswert sind Maßnahmen zur Gestaltung einer erfolgreichen und gesundheitsförderlichen Arbeitsorganisation wie abwechselnde Tätigkeiten, Vermeidung von ständigen Unterbrechungen, Förderung von sozialem Austausch, Gewährleistung einer ausreichenden Beschäftigungs-Sicherheit und Anerkennung von Leistungen.“ Alle genannten Maßnahmen dienen im Übrigen auch der Mitarbeiterbindung.

Mittel zur Mitarbeiterbindung

Auch die private Versicherungswirtschaft hat sich Gedanken darüber gemacht, mit welchen Lösungen sie Firmen dabei unterstützen kann, gute Mitarbeiter zu halten. Beispielsweise können Unternehmen ihre Mitarbeiter mit einer Gruppen-Unfallversicherung finanziell entlasten und sichern sie zudem im Ernstfall besser ab. Versicherbar sind beispielsweise Unfälle, die sich auf Dienstreisen, im Betrieb oder auch im Beruf und in der Freizeit ereignen. Voraussetzung ist, dass eine Firma mindestens drei Personen in einem Vertrag versichert.

Daneben gibt es auch noch andere Versicherungslösungen, wie eine betriebliche Krankenversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge, mit denen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter binden und motivieren können.

Neben der verstärkten Attraktivität als Arbeitgeber haben solche Absicherungslösungen für das Unternehmen selbst oft weitere Vorteile, wie steuerliche Absetzbarkeit und Einsparungen bei den Lohnnebenkosten. Nähere Einzelheiten dazu können beim Versicherungsfachmann erfragt werden.

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