Beim zweiten Hörgerät muss der Krankenkasse keine Verordnung vorgelegt werden

Beim zweiten Hörgerät muss der Krankenkasse keine Verordnung vorgelegt werden

 - 

Gesetzlich krankenversicherte Patienten müssen für viele Hilfs- und Heilmittel einen hohen Kostenanteil selbst übernehmen. Doch bei Hörgeräten gelten besondere Regeln.

Seit dem 1.11.2013 gelten großzügigere Regeln für die Finanzierung von Hörgeräten durch die gesetzliche Krankenversicherung. Dazu hat mit Datum vom 17.7.2014 der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Richtlinie über die Verordnung und Auswahl von Hörmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung beschlossen. Danach ist es für eine Folgeversorgung meist nicht mehr notwendig, eine Verordnung eines HNO-Arztes vorzulegen.

Bei Hörmitteln handelt es sich um eine außerordentlich wichtige Kassenleistung. Immerhin gelten 12 bis 14 Mio. Deutsche als schwerhörig, 2,5 bis 3,5 Mio. von ihnen tragen ein Hörgerät. Rund 500000 Hörgeräte werden jährlich von den Krankenkassen (teil-)finanziert. Per Beschluss des GKV-Spitzenverbands wurden Ende letzten Jahres die Festbeträge, die die Kassen für eine Hörgeräte-Versorgung zahlen, nahezu verdoppelt. Für das erste Hörgerät (das erste Ohr) gilt für mittel- und hochgradig Schwerhörige ein Wert von 784,94 € (inklusive MwSt.). Für die Versorgung auch des zweiten Ohrs gilt ein um 20 % niedrigerer Festbetrag von 627,95 € (inklusive MwSt.).

Nun hat der G-BA auch neue Regeln für die Verordnungspflicht beschlossen. Wer erstmals ein Hörgerät braucht, muss danach in jedem Fall eine Verordnung (Hilfsmittelverordnung) seines behandelnden HNO-Arztes vorlegen. Bei Folgeversorgungen ist dies jedoch nur dann erforderlich, wenn eine erneute ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung medizinisch geboten ist. Dies ist zwingend bei Kindern und Jugendlichen, bei neu aufgetretenem Tinnitus und bei Vorliegen einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit der Fall.

Natürlich haben Hörgeräteakustiker auch wirtschaftliche Interessen. Nicht selten werden Akustiker ein Gerät empfehlen, dessen Preis (weit) über dem liegt, was die Kassen erstatten. Insoweit ist es nach wie vor sinnvoll, auch bei einer Folgeversorgung nicht auf die Konsultation des Arztes zu verzichten. Wer erreichen will, dass die Krankenkasse die (höheren) Kosten eines höherwertigen Hörgerätes übernimmt, schaltet deshalb einen Arzt ein.

Achtung: Die Kassen sind verpflichtet, auch höhere Kosten für Hörgeräte zu erstatten, wenn die Festbeträge nachweislich nicht ausreichen. Das Bundessozialgericht hat schon im Jahr 2009 entschieden, dass die Versicherten einen Anspruch auf Geräte haben, die die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben. Um die Übernahme höherer Beträge zu sichern, ist aber häufig das Einlegen von Rechtsmitteln erforderlich.

Detaillierte Informationen zur aktuellen Rechtsprechung und zur Beantragung von Hörhilfen sind in der Rubrik Sachthemen Hörgeräte-Versorgung des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V. zu finden (http://www.schwerhoerigen-netz.de).

Übrigens sind auch Hörverstärker/Kinnbügelhörer von den Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt, wenn das Tragen von Hinter-dem-Ohr- oder Im-Ohr-Geräten erkrankungs- oder behinderungsbedingt nicht möglich ist. Auch Licht- und Vibrationsanlagen für die private Nutzung sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen aufgeführt. Die Krankenkassen beteiligen sich an deren Kosten allerdings nur bei einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit oder Taubheit.

Weitere News zum Thema

  • Krankenkassen haben Milliardenüberschuss

    [] Nach den ersten drei Quartalen 2017 konnten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro ausweisen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung: Geringe Beitragsentlastung

    [] Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit wird der vom Arbeitnehmer alleine zu tragende Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Durchschnitt sinken. Allerdings werden Gutverdiener aufgrund der Erhöhung bestimmter Sozialversicherungs-Werte dennoch mehr zahlen müssen als bisher. Zudem wird der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung schwerer. mehr

  • Neues für Selbstständige mit geringem Einkommen

    [] Wie das Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) jüngst mitteilte, gibt es ab 2018 eine Änderung bei der Festlegung der Beiträge für Selbstständige, die in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind. Zudem steigt der Mindestbeitrag. Experten warnen bereits seit Längerem vor einer Überforderung von gering verdienenden Selbstständigen durch überhöhte Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). mehr

  • Gefährliches Spielzeug und riskante sonstige Produkte

    [] Nicht jedes Spielzeug oder Kinderzimmer-Möbelstück ist auch wirklich für Kinder geeignet. Ein Webportal zeigt, worauf man bei den einzelnen Produktarten achten sollte, um das Unfallrisiko minimal zu halten und die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, aber auch, welche einzelnen Produkte bereits als gefährlich eingestuft wurden. mehr

  • Damit PC und Smartphone nicht zu Augenleiden führen

    [] Viele, die fast jeden Tag stundenlang auf einen Monitor blicken, egal ob es sich dabei um einen Computerbildschirm oder ein Smartphone-Display handelt, leiden irgendwann unter gereizten, geröteten, lichtempfindlichen und/oder juckenden Augen. Bei manchen verschlechtert sich sogar die Sehstärke. Wie sich solche Beschwerden verhindern lassen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.