Bei neuer Krankheit beginnt Krankengeldanspruch von vorne

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Arteriosklerose, Rückenleiden, Depressionen: Nicht wenige ältere Arbeitnehmer leiden nicht nur an einer, sondern an mehreren Krankheiten. Und mitunter sind sie länger als 78 Wochen arbeitsunfähig. Doch der Krankengeldanspruch ist genau auf den Zeitraum von 78 Wochen innerhalb von drei Jahren begrenzt.

Kommt nach dem Ende des Krankengeldbezugs allerdings eine neue Krankheit hinzu, so beginnt ein neuer 78-Wochen-Turnus.

Hinzutretende Krankheit begründet keine neue 78-Wochen-Frist

Worauf dabei zu achten ist, hat das Landessozialgericht Baden-Württemberg am 29.4.2014 entschieden: Es reicht nicht aus, wenn in der AU-Bescheinigung des Hausarztes die hinzutretende Krankheit – im verhandelten Fall eine Depression – nach dem Ende des Krankengeldanspruchs wegen der ersten Krankheit (Kniegelenk-Arthrose) erstmals erwähnt wird. War die zweite Krankheit bereits vorher ausgebrochen, so fängt kein neuer 78-Wochen-Turnus an. Denn in diesem Fall ist Krankheit Nr. 2 (im entschiedenen Fall: die Depression) in der Zeit des Krankengeldbezugs hinzugetreten. Wenn beide Krankheiten zumindest an einem Tag nebeneinander bestehen, setzt kein neuer Krankengeld-Zyklus mit einem 78-wöchigen (maximalen) Krankengeldanspruch ein (Az. L 11 KR 2876/12).

Tritt die neue Krankheit aber tatsächlich erst nach dem Ende des Krankengeld-Bezugs wegen Krankheit Nr. 1 ein, beginnt auch ein neuer Krankengeld-Bezug.

Ist die Krankheit tatsächlich neu?

Es reicht allerdings nicht, dass die beiden Krankheiten sich zeitlich nicht überschneiden. Zudem muss Krankheit Nr. 2 tatsächlich gegenüber dem ursprünglichen Leiden (Krankheit Nr. 1) neu sein. Mit diesem Aspekt hatte sich das Bundessozialgericht bereits am 21.6.2011 befasst und eine für Versicherte relativ günstige Entscheidung getroffen (Az. B 1 KR 15/10). Ausschlaggebend für das BSG ist zum einen, ob es sich bei dem hinzutretenden Leiden tatsächlich um eine weitere Krankheit im Sinne des Gesetzes handelt oder ob die erste und die hinzutretende Krankheit Ausdruck des gleichen Grundleidens sind. Letzteres dürfte z.B. bei einem Versicherten der Fall sein, dessen Herzkranzgefäße hochgradig verengt sind und der später noch einen Herzinfarkt erleidet. Die Arbeitsunfähigkeit tritt in diesem Fall versicherungstechnisch jeweils auf Grundlage derselben Krankheit ein; im Grundsatz gilt in solchen Fällen die 78-Wochen-Regel.

Der Fall, über den in Kassel zu entscheiden war, lag deutlich anders. Darin ging es um die Leiterin einer Drogeriefiliale, die ab April 2004 zunächst wegen einer Herzkranzgefäßerkrankung arbeitsunfähig war. Nachdem sie zwischenzeitlich kurze Zeit wieder arbeitsfähig und ihrer leitenden Tätigkeit nachgegangen war, verletzte sie sich im Juli 2005 schwer an der linken Hand und war als Folge dieser Verletzung längere Zeit arbeitsunfähig. Die beiden Krankheiten hatten überhaupt nichts miteinander zu tun. Deshalb begann mit der zweiten Krankheit ein neuer Krankengeld-Zyklus.

Quelle: "Der GeldBerater", August 2014

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