Außenseitermethoden können Steuervorteil bringen

 - 

Wer sterbenskrank ist, klammert sich u.U. buchstäblich an den "letzten Strohhalm", um so noch sein Leben zu retten. Ob die dabei genutzten Therapien von den gesetzlichen oder privaten Krankenkassen anerkannt und damit finanziert werden, spielt für die Entscheidung dann allenfalls eine Nebenrolle. Im Falle eines Falles sollte man wenigstens folgendes Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 2.9.2010 kennen. Auch die Kosten für umstrittene oder sogar fragwürdige Therapien können in einer solchen Situation wenigstens von der Steuer abgesetzt werden (Az. VI R 11/09).

Verhandelt wurde über den Fall einer inzwischen an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorbenen Frau, deren Witwer die Kosten einer von den Krankenkassen nicht anerkannten immunbiologischen Krebsabwehrtherapie mit "Ukrain" in Höhe von 30.000 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen wollte. Zu Recht, wie der BFH befand. Das Gericht erteilte damit allerdings keinen generellen Freibrief für die steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben für Außenseitermethoden. Es argumentierte vielmehr vorwiegend mit der notstandsähnlichen Lebenssituation der Betroffenen.

In dieser Situation erwachsen Patienten, die mit den heute verfügbaren schulmedizinischen Verfahren nicht oder nicht mehr zu heilen sind, auch Aufwendungen für Maßnahmen, denen es objektiv an der Eignung zur Heilung oder Linderung der Krankheit mangeln mag, tatsächlich zwangsläufig. Das gilt selbst dann, wenn der Steuerpflichtige die notstandsähnliche Zwangslage zwischen Realität und Wunsch nach Heilung durch Kontakte mit ärztlichen Außenseitern zu lösen sucht und sich - nach intensiver Beratung über palliative Behandlungsmöglichkeiten - für eine aus schulmedizinischer oder naturheilkundlicher Sicht nicht anerkannte Heilmethode entscheidet. Nicht die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme begründet in diesen Fällen die tatsächliche Zwangsläufigkeit, sondern die Ausweglosigkeit der Lebenssituation, die den "Griff nach jedem Strohhalm" gebietet.

Tipp
Das Gericht stellte allerdings für die steuerliche Absetzbarkeit von Behandlungskosten eine Minimalbedingung: Die Behandlung muss von Personen vorgenommen werden, die "zur Ausübung der Heilkunde zugelassen sind". Ausgaben für "Geister- und Wunderheiler" können nach wie vor nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Weitere News zum Thema

  • Immer mehr Patienten in immer weniger Krankenhäuser

    [] (verpd) Statistisch gesehen gab es letztes Jahr fast 16 Prozent mehr Krankenhauspatienten als noch vor zehn Jahren. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als sieben Prozent reduziert. Und damit ist auch die Zahl der zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten zurückgegangen. Dies geht aus den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. mehr

  • Gegen unnötigen Zahnverlust

    [] (verpd) Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) leiden mehr als 20 Prozent der Erwachsenen ab 35 Jahren an einer schweren und damit auch dringend behandlungsbedürftigen Form von Parodontitis. Diese chronische Zahnbettentzündung zerstört Gewebe sowie Knochen und kann am Ende sogar zum Zahnverlust führen. mehr

  • KVdR: Kaum ist ein Problem gelöst, tauchen zwei neue auf

    [] Mit der Neuregelung zur Anrechnung von Kindererziehungszeiten zur Pflichtmitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR), die am 1.8.2017 in Kraft trat, wurde eine wichtige Lücke geschlossen. Dadurch erhalten mehr Rentnerinnen Zugang zur meist günstigeren KVdR-Mitgliedschaft. Doch die Krankenkassen versuchen nun mit allen Mitteln, auf ihre Kosten zu kommen. mehr

  • Für eine möglichst sichere Arzneimitteleinnahme

    [] (verpd) Wie man bestimmte Medikamente einnehmen muss, auf was es zu achten gilt und wann eine Medikamenteneinnahme beendet werden sollte, darüber informiert nicht nur der Arzt und der Apotheker, sondern auch der Beipackzettel – und es lohnt sich durchaus, hier nachzulesen. mehr

  • Das müssen Arbeitnehmer im Krankheitsfall beachten

    [] (verpd) Arbeitnehmer sind im Krankheitsfall in gewissem Maße vor Einkommenseinbußen geschützt. Dazu müssen sie jedoch bestimmte Vorgaben einhalten. Allerdings ist der Schutz auch dann zeitlich und der Höhe nach begrenzt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.