Auslandskrankenversicherung: Rücktransport nach Deutschland muss nicht objektiv notwendig sein

Auslandskrankenversicherung: Rücktransport nach Deutschland muss nicht objektiv notwendig sein

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Zum Abschluss einer Auslandskrankenversicherung raten auch viele gesetzliche Krankenkassen.

Wichtig ist dies u.a., weil die gesetzliche Krankenversicherung im Krankheitsfall nicht für einen medizinisch notwendigen Rücktransport nach Deutschland, der unter Umständen erheblich ins Geld gehen kann, aufkommt. Doch auch wer den zusätzlichen privaten Auslandskrankenschutz gesichert hat, ist nicht immer auf der sicheren Seite. Denn gerade die medizinische Notwendigkeit des Rücktransports ist häufig strittig. Auf die beiden folgenden, inzwischen rechtskräftigen Urteile, können Sie sich im Streitfall beziehen.

Im ersten Fall, über den das Oberlandesgericht (OLG) Hamm am 29.4.2015 entschied, ging es um einen Versicherten, der während seines Urlaubs auf den Kanarischen Inseln an einer beidseitigen Lungenentzündung erkrankte. Zunächst wurde er dort von einem Hotelarzt, anschließend in einem örtlichen Krankenhaus behandelt. Nach Rücksprache mit den dortigen Ärzten entschloss er sich zu einem 17.300,00 € kostenden Rücktransport nach Deutschland, um dort in der Intensivstation einer Universitätsklinik behandelt zu werden. Das Pech des Betroffenen war nun, dass sich in Deutschland sein Gesundheitszustand recht schnell besserte.

Doch dies hielt das OLG – wie die Vorinstanz – für unerheblich. Das Gericht befand nach einer Zeugenvernehmung, dass beim Kläger eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür bestanden habe, dass sich seine Lungenentzündung zu einem Lungenversagen mit unmittelbarer Lebensgefahr verschlechterte. Dann wäre eine Behandlung mit einer extrakorporalen künstlichen Lunge erforderlich gewesen. Falls es auf den Kanaren zu einem Lungenversagen gekommen wäre, wäre der Patient nicht mehr transportfähig gewesen. Das OLG gestand zu, dass der Erfolg einer Behandlung in Deutschland nicht sicher vorhersehbar gewesen sei. Es genüge aber, dass die Verlegung des Klägers jedenfalls nach den objektiven medizinischen Befunden und Erkenntnissen im Zeitpunkt der Entscheidung medizinisch vertretbar gewesen sei (Az. 20 U 145/13).

In einem weiteren Fall entschied das OLG Hamm am 30.10.2015 über die Klage einer Versicherten, die in Portugal an einer schweren Bauchfellentzündung erkrankte, die von einem lokalen Arzt zunächst mit Antibiotika behandelt worden war. Auch nach einer Verlegung in eine Lissaboner Klinik wurde die – wie sich später herausstellte – dringend notwendige Operation nicht vorgenommen. Diese erfolgte erst nach einem Rücktransport nach Deutschland.

Gestritten wurde nun über die Übernahme der Kosten für den notfallmäßigen Rücktransport in Höhe von rund 21.500,00 €. Der Auslandsreise-Krankenversicherer verweigerte die Leistungsübernahme und behauptete, die Betroffene hätte auch in Portugal operiert werden können. Dass dies nicht geschehen sei, sei ein Behandlungsfehler der Lissabonner Ärzte und dafür hafte die Versicherung nicht. Dies sah das Gericht anders: Die Auslandsreise-Krankenversicherung sei nach ihren Versicherungsbedingungen verpflichtet, die Kosten eines medizinisch notwendigen Rücktransports aus dem Ausland zu übernehmen. Und genau dieser Sachverhalt habe hier vorgelegen (Az. 20 U 190/13).

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