Auch risikoarme Operationen können tödlich verlaufen: Ärzte müssen darauf nicht ausdrücklich hinweisen

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Bei manchen Operationen besteht ein hohes - wie Ärzte formulieren - "Letalitätsrisiko". Es besteht also eine nicht ganz kleine Gefahr, auf dem Operationstisch zu versterben. Bei anderen OPs ist dieses Risiko minimal. Dann muss der Arzt hierauf nicht extra hinweisen - und im Todesfall kann niemand von ihm wegen verletzter Aufklärungspflicht Schadensersatz verlangen.

Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main am 16.11.2010 (Az. 8 U 88/10). Verhandelt wurde dabei über den Fall einer Frau, der ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden sollte und die im Zuge dieser Operation verstarb. Der Operateur hatte die Patientin - wie aus dem Gesprächsprotokoll hervorgeht - zwar über das Thrombose- und Embolierisiko sowie über die Gefahr von Blutungen und Gefäßverletzungen aufgeklärt. Dass sie die Operation im Extremfall nicht überleben werde, hatte er dagegen nicht gesagt.

Doch genau das geschah trotz einer nachgewiesenermaßen fachgerechten Operation. Ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung, das zunächst gegen den Arzt eingeleitet worden war, wurde eingestellt, nachdem ein Sachverständigengutachten ergeben hatte, dass dem Operateur kein "Verstoß gegen die ärztliche Sorgfalt" nachzuweisen war.

Gleichwohl verklagte die Tochter der Verstorbenen den Arzt auf Zahlung von Schadensersatz wegen der von ihr aufgewendeten Beerdigungskosten sowie der Kosten der Auflösung des Haushalts ihrer verstorbenen Mutter. Dies begründete sie damit, dass der Arzt ihre Mutter nicht darüber aufgeklärt hatte, dass die Operation möglicherweise tödlich verlaufen könne.

Das Gericht hielt die Forderung der Tochter für unbegründet. Jede größere, unter Narkose durchgeführte Operation sei mit allgemeinen Gefahren verbunden, die im unglücklichsten Fall sogar zum Tod führen könnten. Der Arzt dürfe "grundsätzlich voraussetzen", dass der Patient "mit den allgemeinen Operationsrisiken rechnet und dass die möglichen Ursachen solcher allgemeiner Komplikationen nicht nochmals im Einzelnen genannt werden müssen". Anhaltspunkte dafür, dass der operierende Arzt das Operationsrisiko gegenüber der Patientin verharmlost habe, lägen nicht vor.

Nach Überzeugung der medizinischen Sachverständigen wurde die Verstorbene Opfer einer Verkettung nicht voraussehbarer unglücklicher Umstände. Daher wurde die Schadensersatzklage abgewiesen.

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