Arzthaftung: Die Bedeutung des Aufklärungsgesprächs

 - 

(verpd) Es kommt nicht ausschließlich auf den Inhalt des Aufklärungsprotokolls an, wenn ein Patient behauptet, über die Risiken einer Operation nicht ausreichend aufgeklärt worden zu sein. Zu berücksichtigen ist vielmehr der Verlauf des gesamten Aufklärungsgesprächs, so die Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm in einem Gerichtsfall (Az. 3 U 68/15).

Eine 1948 geborene Frau hatte sich wegen anhaltender Kniebeschwerden in die Behandlung der beklagten Klinik begeben. Dort wurde auf ihren Wunsch hin eine gelockerte Schlittenprothese gegen eine andere Art von Kniegelenksprothese ausgetauscht. Die Operation brachte jedoch nicht das von der Patientin erhoffte Ergebnis. Sie ist seit dem Eingriff dauerhaft auf einen Rollstuhl und auf Gehstützen angewiesen. Die Frau behauptete, dass dies auf die Verletzung eines Oberschenkelnervs zurückzuführen sei, die ihr während der Operation zugefügt wurde.

Über das Risiko einer derartigen Verletzung sei sie vor dem Eingriff nicht aufgeklärt worden. Auch im Aufklärungsprotokoll sei kein entsprechender Hinweis zu finden. Die von der Frau angestrengte Gerichtsklage gegen die Klinik und die behandelnden Ärzte auf Zahlung einer monatlichen Schmerzensgeldrente in Höhe von 1.000 Euro sowie eines Kapitalbetrags von 50.000 Euro hatte trotz allem keinen Erfolg. Die Richter des Hammer Oberlandesgerichts wiesen die Ansprüche als unbegründet zurück.

Gesamtbetrachtung

Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Patient vor einer Operation ordnungsgemäß über deren Risiken aufgeklärt wurde, kommt es nach Ansicht der Richter nicht allein auf den Inhalt des Aufklärungsprotokolls an. Es habe vielmehr eine Gesamtbetrachtung stattzufinden, bei welcher vom Gericht die an dem Aufklärungsgespräch Beteiligten sowie mögliche Zeugen – im entschiedenen Fall der Ehemann der Klägerin – und gegebenenfalls ergänzend auch ein medizinischer Sachverständiger zu hören seien.

Nach einer entsprechend umfangreichen Beweisaufnahme kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass die Klägerin auch über das Risiko von Nervenschäden hinreichend aufgeklärt wurde. Ihre Darstellung, dass mit ihr nie über Risiken der Wechseloperation und einer möglichen Nervenschädigung gesprochen worden sei, hielten die Richter für unglaubwürdig und lebensfremd. Denn schließlich sei der Klägerin erst im Jahr zuvor die Schlittenprothese implantiert worden.

Doch selbst wenn man eine defizitäre Aufklärung der Klägerin über die Risiken einer Nervenverletzung unterstellen würde, führt dies nach Ansicht des Gerichts nicht zu einer Haftungsverpflichtung der beklagten Klinik und Ärzte. Denn nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war die Ursache der Nervenschädigung nicht zu klären. Das aber hat zur Folge, dass auch kein Behandlungsfehler in der beklagten Klinik festgestellt werden konnte.

Weitere News zum Thema

  • Vor welchen Krankheiten sich die meisten fürchten

    [] Die Mehrheit der Bevölkerung fühlt sich gesund. Zwar haben viele Angst, insbesondere an schweren Leiden wie Krebs oder Alzheimer zu erkranken, doch diese Furcht ist im Laufe der letzten Jahre zurückgegangen. Allerdings hat auch das eigene Engagement für einen gesunden Lebensstil abgenommen. Das sind einige Ergebnisse einer aktuellen Befragung, die im Auftrag einer gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt wurde. mehr

  • Ohne Lebensgefahr auf die Eisfläche

    [] Die Faszination eines zugefrorenen Gewässers ist für viele hoch, denn dann ist vieles möglich, von Wintersportaktivitäten unterschiedlichster Art bis hin zu einem einfachen Spaziergang auf der Eisfläche. Doch wer sich auf das Eis wagt, sollte wissen, wann es wirklich dick genug ist, dass es einen oder mehrere Personen trägt, aber auch was zu tun ist, wenn man selbst oder ein anderer einbricht. mehr

  • Mit heiler Haut durch den Winter

    [] Mit einer trockenen, spröden, geröteten Haut – oftmals verbunden mit Juckreiz, einem Spannungsgefühl und Schuppenbildung – haben in dieser Jahreszeit viele zu kämpfen. Mit der richtigen Pflege und dem richtigen Schutz lässt sich dies vermeiden. mehr

  • Hausapotheke kontrollieren und auffüllen

    [] Ein erstes leichtes Kratzen im Hals, tränende Augen oder ein plötzlich auftretender Schnupfen lassen sich dann schnell und effektiv bekämpfen, wenn man entsprechende Medikamente im Haus hat. Natürlich dürfen die Medikamente nicht überaltert sein, denn abgelaufene Arznei wirkt unter Umständen nur bedingt oder gar nicht mehr. Oder sie kann sogar gesundheitsschädlich sein. Grund genug, insbesondere vor der Erkältungssaison die Hausapotheke zu inspizieren. mehr

  • Rund um die gesetzliche Krankenversicherung

    [] Dass die gesetzliche Krankenversicherung keine Rundumabsicherung im Krankheitsfall ist und diverse Therapien, Präventionsmaßnahmen sowie Arznei-, Hilfs- oder Heilmittel nicht oder nur anteilig zahlt, ist vielen bekannt. Doch was im Detail übernommen wird und was nicht, wissen viele nicht. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.