Arbeitslosigkeit als Chance zur Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse

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Wenn Sie zuletzt privat krankenversichert waren, haben Sie als Bezieher von Arbeitslosengeld I unter Umständen die Chance, (wieder) in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu wechseln.

Ob Sie diese Chance haben, hängt weitgehend davon ab, wie alt Sie bei Beginn des Bezugs von Arbeitslosengeld I sind bzw. waren.

Unter 55 Jahren


Falls Sie wieder zurück in die GKV möchten, müssen Sie das gar nicht erst bei der Arbeitsagentur beantragen. Dann tritt für Sie die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung automatisch ein – und zwar in einer gesetzlichen Kasse Ihrer Wahl (also etwa bei einer AOK, der Techniker Krankenkasse oder einer Betriebskrankenkasse). Sie müssen also nur die Kasse wählen. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt dann für Sie die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Kündigung der privaten Krankenversicherung

Hierdurch sind gegebenenfalls auch Familienmitglieder (Kinder, Ehepartner), die einen Anspruch auf Familienhilfe in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung haben, kostenlos mitversichert. Nach § 5 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) können Sie die mit der privaten Versicherung abgeschlossenen Verträge für sich selbst und – falls solche bestehen – auch für Ihre Familienmitglieder kündigen.

Viele, die sich zunächst – meist in jüngeren Jahren – für eine private Krankenversicherung entschieden haben (der dann mittlerweile meist auch eine private Pflegeversicherung gefolgt ist), können damit als Arbeitslose (wieder) in die gesetzliche Versicherung überwechseln.

Tipp
Ein wichtiger – und weniger beachteter – Vorteil hierbei ist: Als gesetzlich Versicherter haben Sie auch in der Arbeitslosigkeit einen Anspruch auf Krankengeld – und zwar nach sechswöchiger Krankheit. Wenn Sie als Arbeitsloser arbeitsunfähig erkranken, wird Ihnen – ähnlich wie Arbeitnehmern – zunächst das Geld von der Arbeitsagentur weitergezahlt. Danach werden Sie von der Arbeitsagentur ausgesteuert und haben stattdessen Anspruch auf Krankengeld.

Alternative: Privat versichert bleiben

Als jüngerer Privatversicherter können Sie jedoch auch weiterhin privat versichert sein. Diese Möglichkeit haben Sie, wenn Sie in den letzten fünf Jahren vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit durchgängig nicht Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung waren. Geregelt ist das in § 8 Absatz 1 Nr. 1a SGB V. Wenn Sie diese Möglichkeit wahrnehmen möchten, müssen Sie sich allerdings von der ansonsten automatisch eintretenden gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen.

Ein solcher Befreiungsantrag muss innerhalb der ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit bei einer gesetzlichen Krankenkasse gestellt werden. Die Arbeitsagenturen zahlen für die Privatversicherten allerdings immer höchstens den Beitrag, den sie im Falle einer gesetzlichen Pflichtversicherung aufbringen müssten. Wichtig ist weiter: Die Arbeitsagenturen übernehmen zwar Beitragszahlungen für die privat versicherten Arbeitslosen, in keinem Fall aber für ihre Kinder und – falls auch diese privat versichert sind – die Ehepartner der Betroffenen.

Tipp
Als jüngerer (vormals) privat versicherter Arbeitsloser brauchen Sie sich nicht unbedingt zwischen GKV und privater Krankenversicherung (PKV) zu entscheiden. Stattdessen können Sie die Option Systemwechsel für die Zeit der Arbeitslosigkeit wählen. Sie können für die Zeit der Arbeitslosigkeit gesetzlich versichert sein und sich gleichzeitig die Möglichkeit eines späteren Wiedereinstiegs in die Privatversicherung (zu gleichen Bedingungen wie vorher) offenhalten. Dafür müssen Sie mit Ihrem privaten Versicherungsunternehmen ein Ruhen des Versicherungsschutzes für die Zeit der Arbeitslosigkeit vereinbaren (Abschluss einer Anwartschaftsversicherung).

Sonderfall: 55 Jahre oder darüber


Wenn Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit bereits 55 Jahre oder älter sind bzw. waren, ist ein Wechsel in die gesetzliche Versicherung nur in – eher seltenen – Ausnahmefällen möglich. Das geht nur dann, wenn Sie innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens einen Monat gesetzlich krankenversichert waren. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Sie in diesem Monat pflichtversichert, freiwillig oder als Familienmitglied (mit)versichert waren. Geregelt ist das in § 6 Abs. 3a SGB V. Falls Sie die Voraussetzung erfüllen und wieder in eine – im Alter unter Umständen günstigere – gesetzliche Kasse wechseln wollen, sollten Sie bei der Arbeitsagentur Ihre Krankenversicherungsunterlagen aus den letzten fünf Jahren vorzeigen. Die Arbeitsagentur wird Sie dann bei einer gesetzlichen Krankenkasse Ihrer Wahl pflichtversichern.

Andernfalls – im Normalfall also – ist für 55-Jährige und Ältere die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung verbaut. Dadurch will der Gesetzgeber verhindern, dass sich gut verdienende Versicherte in jüngeren Jahren für die für sie dann häufig günstigere PKV entscheiden, um dann im Alter, wenn die PKV für viele unbezahlbar wird, in die GKV zurückzukehren.

Tipp
Ein Hintertürchen zur Rückkehr in die GKV ist allerdings auch für 55-Jährige und Ältere geblieben: Für Bezieher von Arbeitslosengeld II gilt die 55-Jahres-Regelung nämlich nicht. Für Ältere, die zuletzt gar nicht oder privat versichert waren, ist damit – bei Bedürftigkeit – durch das ALG II wieder die Tür zu den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen geöffnet worden.

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