Das ist beim Antrag auf Gleichstellung mit Schwerbehinderten zu beachten

 - 

Wenn Arbeitnehmer mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 30 Schwerbehinderten gleichgestellt werden wollen, müssen sie dies bei der örtlichen Arbeitsagentur beantragen. Fristen dafür gibt es nicht. Die Antragstellung spielt nur für Personen im erwerbsfähigen Alter eine Rolle. Denn durch die Gleichstellung sollen Nachteile im Arbeitsleben kompensiert werden.

Beschäftigte, die eine Gleichstellung erreichen wollen, müssen Anhaltspunkte für eine behinderungsbedingte Benachteiligung im Job bzw. Gefährdung des Arbeitsplatzes belegen können. Eine Gefährdung des Arbeitsplatzes kann z.B. vorliegen bei

  • wiederholten oder häufigen Fehlzeiten,

  • verminderter Arbeitsleistung,

  • dauernd verminderter Belastbarkeit oder

  • auf Dauer notwendigen Hilfeleistungen anderer Mitarbeiter.

Das muss alles konkret belegt werden. Bei den Fehlzeiten verlangen die Arbeitsagenturen häufig eine Auflistung der Krankenkassen über Ausfallzeiten mit Diagnosen. Die Diagnosen müssen dann auch zu der Krankheit passen, wegen der die Behinderung festgestellt wurde. Wenn wegen Diabetes ein GdB von 30 anerkannt wurde, die Krankschreibung aber wegen Rückenproblemen erfolgte, zählt das für die Gleichstellung nicht.

2012 wurden knapp 60000 Gleichstellungsanträge gestellt. Rund 33000-mal wurden die Anträge bewilligt. Die Erfolgsquote liegt also bei rund 55 %.

Wird der Gleichstellungsantrag bewilligt, profitieren die Betroffenen von zusätzlichen Ansprüchen: So gilt für Arbeitnehmer der besondere Kündigungsschutz für Schwerbehinderte. Vor einer Kündigung müssen Arbeitgeber beim Integrationsamt die Zustimmung zur Kündigung beantragen. Das Amt prüft auch, welche Alternativen zur Kündigung bestehen. Dieses komplizierte Verfahren schreckt viele Arbeitgeber vor der Kündigung Behinderter ab. Wichtig allerdings: Wer erst kurz vor oder nach Erhalt der Kündigung die Gleichstellungskarte zieht, steht nicht unter dem Kündigungsschutz. Dieser gilt nämlich nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 1.3.2007 nur dann, wenn die Gleichstellung mindestens drei Wochen vor der Kündigung beantragt wurde (Az. 2 AZR 217/06).

Neben dem besonderen Kündigungsschutz ist mit der Gleichstellung auch ein Anspruch auf Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber verbunden. Solche Zuschüsse erhöhen die Einstellungschancen von Arbeitslosen; ein Gleichstellungsantrag kann hier indirekt Vorteile bringen. Schließlich sind mit der Gleichstellung finanzielle Hilfen zur behinderungsgerechten Arbeitsplatzgestaltung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe (die jene Arbeitgeber zahlen müssen, die die Behindertenquote nicht erfüllen) verbunden. Den Betroffenen steht jedoch weder Zusatzurlaub noch die Altersrente für Schwerbehinderte zu.

Quelle: Der GeldBerater, August 2013

Weitere News zum Thema

  • Weltweiter Versicherungsschutz darf nicht angeboten werden

    [] Die Konkurrenz zwischen den gesetzlichen Krankenkassen treibt mitunter seltsame Blüten. Mitunter versuchen Kassen dabei auch mit Angeboten zu punkten, die effektiv nicht zum möglichen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Das ist dann keine Frage für die Wettbewerbszentrale, sondern für das Bundesversicherungsamt (BVA), die Aufsichtsbehörde für alle bundesweit geöffneten Krankenkassen. mehr

  • Menschen mit Behinderung wird das Leben erleichtert

    [] Höhere Einkommens- und Vermögensfreibeträge, leichtere Antragsstellungen und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Das Teilhabepaket ermöglicht ab 2017 mehr Selbstbestimmung für die rund 7,5 Millionen Schwerbehinderten. mehr

  • Für immer schwerbehindert trotz Genesung?

    [] Das Bundessozialgericht muss entscheiden, ob das Versorgungsamt dem Kläger dessen Schwerbehindertenstatus noch entziehen durfte, obwohl es das schon über zehn Jahre vorher hätte tun können und es ihm stattdessen einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis ausgestellt hat. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.