Überprüfen Sie die Bonität von Zertifikate-Emittenten mithilfe der Credit Spreads

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Zumindest kurzfristig sorgte der auf den ersten Blick positive Ausgang des EZB-Banken-Stresstests für ein Aufatmen an der Börse.

Dieser Bankentest bestand aus einer intensiven Prüfung riskanter Posten in den Bilanzen und einem Stresstest, bei dem die Institute beweisen mussten, dass sie auch einen schweren Einbruch der Konjunktur ohne öffentliche Finanzhilfe überstehen würden.

Im Rahmen der Prüfung förderten die EZB-Prüfer beispielsweise zutage, dass Banken ihre Vermögenswerte um satte 48 Mrd. Euro zu hoch angesetzt hatten. Zudem stellte sich heraus, dass ausfallgefährdete Kredite in Höhe von 136 Mrd. Euro in den Bilanzen gar nicht als ausfallgefährdet klassifiziert waren. Das zeigt, wie lasch viele nationale Aufseher in den vergangenen Jahren mit ihren Banken umgegangen sind.

Umstritten ist, ob die Annahmen, die die EZB ihrem Stress-Szenario zugrunde legte, streng genug waren – bzw.: ob solch ein Test die Realität überhaupt hinreichend abbilden kann. Ein möglicher Verfall der Preise in der Eurozone (Deflation), also jenes Szenario, vor dem EZB-Chef Mario Draghi seit Monaten warnt, kam im Stresstest überhaupt nicht vor. Zudem wurden beim EZB-Stresstest wesentliche Risiken bei den Banken ausgeklammert, wie z.B. der gefährliche Derivate-Handel.

Spätestens seit dem Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die 2008 zum Ausbruch der Finanzkrise führte, sollten Anleger das Risiko einer Bankeninsolvenz nicht ausschließen und sich der Risiken bei Zertifikaten bewusst sein. Die Zertifikate werden von den ausgebenden Banken als Inhaberschuldverschreibungen aufgelegt (emittiert), bei denen der Anleger wie bei Unternehmensanleihen das Emittentenrisiko trägt. Mit Emittentenrisiko wird das Risiko bezeichnet, dass das ausgebende Institut seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Zertifikate beinhalten deshalb grundsätzlich ein Emittentenrisiko.

Achten Sie beim Kauf von Zertifikaten unbedingt auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Denn Zertifikate sind Instrumente, die konstruiert werden, um einen Mehrwert zum Beispiel gegenüber einem Direktinvestment in Aktien zu bieten. Diese Vorteile können sie aber nur dann ausspielen, wenn sie am Laufzeitende auch zurückgezahlt werden. Schließlich nützt das größte Renditepotenzial nichts, wenn die Rückzahlung am Ende ausbleibt.

Eine schnelle Möglichkeit, Emittentenrisiken besser einzuschätzen, bieten sog. Credit Spreads. Der in Basispunkten angegebene Wert stellt die Höhe der Versicherungsprämie dar, die Großanleger zahlen müssen, um sich gegen den Zahlungsausfall des betreffenden Schuldners (Emittenten) abzusichern. Ein Credit Spread von z.B. 160 Basispunkten bedeutet, dass zur Absicherung von einer Mio. Euro 16.000,00 € pro Jahr zu zahlen sind. Eine geringe Risikoprämie spricht für eine hohe Bonität und umgekehrt. Diese Prämien können zeitnäher und genauer Aufschlüsse über die Bonität geben als Rating-Einstufungen von Rating-Agenturen oder ein EZB-Banken-Stresstest.

Unabhängig von Ratings und Credit Spreads gilt für eine Investition in Zertifikate wie für alle anderen Finanzinstrumente, die ein Ausfallrisiko beinhalten, dass das Ausfallrisiko über verschiedene Emittenten gestreut werden sollte. Dazu gehören beispielsweise auch traditionelle Anleihen von Staaten, Banken oder Unternehmen. Es gilt die alte Weisheit der Risikostreuung, wonach nicht alle Eier in denselben Korb gehören.

Überblick über die wichtigsten Banken und ihre Credit Spreads

Bank

Credit Spread

Banco Santander

92

Bank of America

82

Barclays Bank

72

BNP Paribas

74

Citigroup

81

Commerzbank

97

Crédit Agricole

75

Credit Suisse

64

Deutsche Bank

85

Erste Group Bank

161

Eurobank Ergasias

445

Goldman Sachs

95

HSBC Trinkaus

49

HSH Nordbank

196

HypoVereinsbank/UniCredit Bank

86

ING-Bank

64

J.P. Morgan

65

LBBW

74

Macquarie Bank

90

Morgan Stanley

94

Nomura Bank International

86

Rabobank

56

Royal Bank of Scotland

87

Société Générale

86

UBS

54

Der Derivateverband (derivateverband.de.) veröffentlicht börsentäglich auf seiner Homepage die aktuellen Credit Spreads. Risikoscheue Anleger sollten Emittenten mit dreistelligen Credit Spreads meiden. Als grundsolider Emittent gilt z.B. HSBC Trinkaus. Die Bank verfügt über eine reichhaltige Auswahl an verschiedenen Zertifikate-Varianten, mit der die meisten Anlagebedürfnisse problemlos abgedeckt werden können.

Doch nicht alle Anleger meiden die Papiere von scheinbar unsicheren Emittenten. Es gibt auch gut informierte Investoren, die bewusst die Zertifikate von Emittenten mit schlechteren Credit Spreads kaufen. Und das hat seinen Grund: Die Banken buhlen mit besseren Konditionen um das Geld der Anleger. Geld, das sie zur Refinanzierung benötigen. Darüber sprechen die Emittenten zwar nicht gerne, aber an den Konditionen und den Kursen der Papiere lässt es sich ablesen. Bei baugleichen Papieren bieten die Zertifikate von Instituten mit schwächerer Bonität oft einen größeren Discount oder der Kupon eines Express-Papiers ist höher.

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