Kursrückgang des Euros zeigt, wie wichtig Währungsdiversifikation ist

 - 

Nutzen Sie die Euro-Schwäche für Währungsengagements außerhalb des Euro-Raums.

Der Euro ist seit Monaten im Sinkflug: Inzwischen ist der Euro deutlich weniger als 1,10 US-Dollar wert. Vor einem Jahr kostete ein Euro noch knapp 1,40 US-Dollar. Ein weiterer Schlag gegen den Euro war die Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Schweizer Franken pro Euro durch die Schweizer Notenbank. Auch gegenüber anderen bedeutenden Währungen verliert der Euro an Boden. An den internationalen Devisenmärkten droht der Euro zur Ramschwährung zu werden, wie früher Lira, Peseta und Franc.

Die Europäische Zentralbank garantiert mit ihrer jüngsten Entscheidung zum Ankauf von Staatsanleihen in einem Gesamtvolumen von 1,14 Billionen Euro (in Zahlen: 1.140.000.000.000 €) bis September 2016 weiter Mini-Zinsen und betreibt damit indirekt Staatsfinanzierung. Selbst marode europäische Banken erhalten nahezu unbegrenzt Liquidität zum Nulltarif. Statt mit diesem Geld die Konjunktur im Euro-Raum anzukurbeln, was dringend notwendig ist, fließt die Liquidität vor allem in Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien, bei denen Preise und Mieten stetig steigen. Banken nutzen die Liquiditätsschwemme, um sich von Anleihebeständen vor allem südeuropäischer Schuldner zu trennen und sanieren damit ihre Kapitalbasis – geräuschlos und ohne öffentliche Empörung.

Das gigantische Kaufprogramm der EZB wird zusammen mit den historisch niedrigen Kapitalmarktzinsen den Abwertungswettlauf beschleunigen, der Euro wird noch weicher. Auch deshalb hat die Schweizerische Nationalbank die Notbremse gezogen und die teure Kopplung des Franken an den Euro gekappt. Spätestens jetzt sollten auch Privatanleger ihre Anlagestrategie überdenken und zumindest einen angemessenen Teil ihrer Ersparnisse in Währungen außerhalb des Euros investieren. Die Möglichkeiten, in Fremdwährungen anzulegen sind vielfältig – vom klassischen Fremdwährungskonto über Anleihen, Investmentfonds bis hin zu sog. Zins-Zertifikaten.

Für ein Engagement in ausgesuchten fremden Währungen spricht auch die bessere Verzinsung gegenüber einer Anlage im Euro. Denn die z.B. beim Tagesgeld oder bei Bundesanleihen gebotenen Magerzinsen reichen nicht aus, um den Geldwertverlust durch Inflation auszugleichen. Wer dann noch auf seine Zinserträge Abgeltungsteuer zahlen muss, erleidet mit seiner Anlage auf Tagesgeldkonten oder in Bundesanleihen Verlust. Dagegen sieht die Zinswelt anderswo nicht so düster aus wie hierzulande. In einigen Volkswirtschaften, wie z.B. Australien oder Norwegen, winken Anlegern höhere Zinsen als beim Euro.

Rohstoffreiche Länder mit solider Haushaltsführung wie Australien und Norwegen stehen besser da als viele Euro-Länder

Ein Megatrend unserer Zeit ist das enorme Wachstum in vielen Schwellenländern (Emerging Markets). Das wird sich auch durch den einen oder anderen Dämpfer nicht grundlegend ändern. Dieser Aufholprozess gegenüber den Industrienationen benötigt große Mengen an Rohstoffen. Davon profitieren die an natürlichen Ressourcen reichen Länder, wie z.B. Kanada, Australien und Norwegen. Die Kapitalzuflüsse aus dem Rohstoffverkauf sorgen dort für stabile Finanzsysteme und solide Staatshaushalte. Ganz im Gegensatz dazu die Situation in den meisten Euro-Staaten.

Darüber hinaus ist das Zinsniveau in Ländern wie z.B. Australien traditionell höher als in der Euro-Zone. Daran ändert auch die jüngste Zinssenkung durch die australische Notenbank nichts. Dieser Zinsvorsprung dürfte noch lange anhalten. Denn spürbare Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank sind auf absehbare Zeit mit Rücksicht auf die desolate Haushaltslage einiger Euro-Länder politisch nicht durchsetzbar. Kräftige Zinserhöhungen würden die Krisenländer in der Euro-Zone gleich zweifach belasten:

  • Zinserhöhungen treiben die Kosten für alte und neue Schulden in die Höhe.

  • Zinserhöhungen bremsen die Investitionen und damit die Konjunktur.

Beides erschwert den Krisenländern, ihre Staatshaushalte zu sanieren.

Anlage in ausgesuchte Zins-Zertifikate

Mit dem Kauf von Zins-Zertifikaten können Sie von den gegenüber dem Euro höheren Zinssätzen in anderen Ländern profitieren. Außerdem besteht die Chance auf Zusatzgewinne durch die Aufwertung dieser Währungen im Verhältnis zum krisengeplagten Euro. Eine gute Auswahl an Zins-Zertifikaten bietet z.B. die Commerzbank.

Zins-Zertifikate funktionieren üblicherweise folgendermaßen:

  • Tägliche Gutschrift der kurzfristigen Geldmarktzinsen der jeweiligen Währung.

  • Positiver Zinseszinseffekt durch tägliche Gutschrift der Zinsen.

  • Teilhabe an der Wechselkursentwicklung: Bei fallendem Eurokurs gegenüber der gewählten Anlagewährung steigt der Wert des Zertifikats; bei steigendem Eurokurs gegenüber der gewählten Anlagewährung fällt der Wert des Zertifikats.

  • Keine Kursrisiken durch Zinsänderungen wie bei Anleihen.

  • Einfach und kostengünstig täglich über die Börse oder außerbörslich handelbar.

In der nachfolgenden Übersicht finden Sie eine Auswahl interessanter Zins-Zertifikate.

Übersicht über ausgewählte Zins-Zertifikate der Commerzbank

WKN

Währung

Jährliche Rendite

CB1AUD

Australischer Dollar

2,66 %

CB1CAD

Kanadischer Dollar

0,94 %

CB1NOK

Norwegische Krone

0,94 %

CB1NZD

Neuseeländischer Dollar

2,49 %

CB1ZAR

Südafrikanischer Rand

5,63 %

CB31NR

Indische Rupie

7,17 %

CB1RUB

Russischer Rubel

16,05 %

Je höher der angebotene Zinssatz ausfällt, umso höher sind die Risiken, aber auch Chancen auf Währungsgewinne oder -verluste. So muss Russland z.B. inzwischen zweistellige Zinssätze zahlen, um Investoren für den durch westliche Sanktionen und Ölpreisverfall gebeutelten Rubel zu gewinnen. Wer diese Risiken nicht tragen möchte, greift besser zu Zins-Zertifikaten wie z.B. auf den Austral-Dollar mit überschaubarem Wechselkursrisiko.

Chancen und Risiken mit dem Zins-Zertifikat auf die Indische Rupie

Indien war lange Zeit das Sorgenkind unter den im bekannten Sammelbegriff zusammengefassten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). China war mit seiner massiven Industrialisierungspolitik ohnehin eine spannende Wachstumsgeschichte; Brasilien und Russland profitierten in den vergangenen Jahren als Rohstofflieferanten von den steigenden Rohstoffpreisen. Das hat sich gründlich gewandelt. Chinas Wachstum wird schwächer und die Rohstoffpreise sind stark gefallen – der Ölpreis ist sogar eingebrochen.

Unter den BRIC-Staaten rückt nun Indien wieder mehr in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Denn die indische Wirtschaft setzt zum einen auf den großen Binnenmarkt und ist daher wenig auf Exporte angewiesen. Zum anderen profitiert Indien als Rohstoffimporteur von den nun deutlich niedriger ausfallenden Ölrechnungen. Als Investitionsstandort litt Indien jedoch bisher unter seinem schlechten Ruf wegen ausufernder Korruption, starrer Verwaltung und fehlender wirtschaftlichen Reformanstrengungen. Die im letzten Jahr gewählte Regierung möchte dies ändern und hat auch die erforderliche Mehrheit, um Reformen durchzusetzen. Darauf hoffen internationale Investoren. Im vergangenen Jahr flossen die Rekordsummen von über 26 Mrd. US-Dollar in indische Anleihen und 16 Mrd. US-Dollar in indische Aktien. Dieser Trend dürfte in diesem Jahr anhalten.

Mit dem täglich an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelten Zins-Zertifikat (WKN: CB31NR) auf die indische Rupie können auch Sie auf einen weiteren Aufschwung der indischen Währung setzen. Allerdings gilt die indische Währung wegen des chronischen Leistungsbilanzdefizits als anfällig für Marktturbulenzen. Zusätzlich lastet auf der Währung das Risiko, dass die US-Notenbank den Leitzins schneller anhebt als momentan erwartet, was zu Geldabflüssen aus den Emerging Markets führen könnte. Dies würde auch die indische Währung belasten.

Norwegen: Land der Fjorde und der Mittsommernacht

Neben dem Austral-Dollar wird unter den Euro-Flüchtlingen auch gerne in die norwegische Krone investiert. Ein Währungsengagement in Norwegen ist eine indirekte Spekulation auf den Ölpreis. Denn die norwegische Währung hängt sehr stark vom Ölpreis ab. Norwegen ist der fünftgrößte Öl-Exporteur der Welt und ein Großteil der gesamten Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes wird vom Preis des schwarzen Goldes beeinflusst. Rohöl, Gas und Teer machen zusammen knapp 60 % der norwegischen Ausfuhren aus. Diese Zahlen spiegeln sich 1:1 im Außenwert der Krone wider. Auch wenn der drastische Verfall des Ölpreises möglicherweise noch nicht sein Ende erreicht hat – mittel- und längerfristig wieder steigende Ölpreise könnten für zusätzliche Aufwertungsgewinne bei der Krone sorgen.

Etwas mehr Zinsen als das Zins-Zertifikat auf norwegische Kronen bringt ein Direktinvestment in Währungsanleihen auf die norwegische Krone. Die Stuttgarter Börse (euwax.de) bietet eine gute Auswahl an festverzinslichen Wertpapieren auf die norwegische Krone an. Wer keine Lust hat, sich mit der Auswahl geeigneter Kronen-Anleihen zu beschäftigen, kann auch direkt auf einen Investmentfonds auf norwegische Kronen-Zinstitel setzen. Der Nordea-1 Norwegian Bond BP (WKN: 988130) investiert in auf norwegische Kronen lautende Staats- und Unternehmensanleihen. Der ETF wird täglich an den wichtigsten deutschen Börsenplätzen gehandelt. Die Zinsen werden nicht ausgeschüttet, sondern dem Fondsvermögen zugeschlagen (thesauriert).

Flucht aus dem Euro in den Schweizer Franken

Wer guten Rat nötig hat, gehe nach Zürich, besagt ein Schweizer Sprich-wort. Investoren aus aller Welt nehmen das nur allzu gerne wörtlich, denn bekanntlich gilt die Schweiz als ein Hort der Stabilität. Und genau das ist es, was dem Euroraum fehlt: Stabilität. Während sich in der Eurozone praktisch kein Land mehr um die Maastricht-Kriterien schert (Schuldenstand von maximal 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), jährliches Haushaltsdefizit von maximal drei Prozent), ist die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa, die einen soliden Staatshaushalt vorweisen können.

Drei Jahre verteidigte die Notenbank der Schweiz den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Doch dann kam im Januar überraschend die Kehrtwende, der Mindestkurs wurde aufgehoben. Der Franken wertete um zeitweise über 20 % gegenüber dem Euro drastisch auf. Die Kopplung an den Euro war den Eidgenossen schlicht zu teuer geworden – um die Währungsparität von 1,20 Schweizer Franken aufrechtzuerhalten, musste die Schweizer Notenbank Unsummen an Euro kaufen (und Schweizer Franken verkaufen). Um die Flucht in den Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen, senkte die Notenbank die Negativzinsen um 0,5 Prozentpunkte auf −0,75 % p.a.

In Schweizer Anleihen oder Aktien investieren?

Für denjenigen, der trotz der drastischen Währungsaufwertung nach der Wechselkursfreigabe immer noch in den Schweizer Franken investieren möchte, bleibt die Frage nach dem Wie? Auch hier besteht die Möglichkeit in Zins-Zertifikate zu investieren. Dazu gibt es ein Zins-Zertifikat der Commerzbank auf den Schweizer Franken (WKN: CB2CHF), das allerdings nicht verzinst wird. Negativzinsen werden jedoch auch nicht berechnet.

Mit diesem Papier erzielt der Anleger also nur dann eine Rendite, wenn der Euro gegenüber dem Schweizer Franken an Wert verliert. Beim Kauf von bonitätsmäßig einwandfreien Schweizer Franken-Anleihen gibt es keine positive Rendite mehr. So fahren Anleger z.B. mit zehnjährigen Schweizer-Franken-Anleihen ein Minus von derzeit 0,05 % pro Jahr ein. Gewinne auf das Investment sind so nur mit weiteren Wechselkursgewinnen des Schweizer Franken gegenüber dem Euro machbar. Eine attraktivere, aber auch riskantere Alternative stellt der Schweizer Aktienmarkt dar.

Wer in Schweizer Aktien investieren möchte, greift am besten zu einem börsengehandelten Exchange Traded Fund (ETF). Entsprechende Indexfonds gibt es zum Beispiel auf die Leitindizes SMI, SLI oder auf den breiter aufgestellten Länderindex MSCI Switzerland. Beispiele für gebührengünstige ETFs sind der Amundi ETF MSCI Switzerland (WKN: A0REJV) und der ComStage ETF SMI (WKN: ETF030). Bei beiden ETFs fallen an jährlichen Verwaltungsgebühren nur 0,25 % an.

Ein sicherer Hafen ist die Börse in Zürich allerdings nicht. Und das liegt ausgerechnet auch an der Frankenstärke. Die Schweiz ist eine Exportnation mit zahlreichen international aufgestellten Konzernen wie Roche (Pharma), Nestlé (Nahrungsmittel) oder Richemont (Luxusgüter). Deren Wettbewerbsfähigkeit ist durch eine nachhaltige Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro gefährdet.

Andererseits: Die Schweizer Exportwirtschaft ist regional wie auch nach Branchen viel besser diversifiziert als früher. Die Abhängigkeit von der Eurozone ist nicht mehr so gravierend. Über 40 % der Schweizer Ausfuhren gehen in Märkte, die nicht in Euros abrechnen. Dieser Trend setzt sich fort.

Bei einem Engagement in Schweizer Aktien sollten Sie sich noch eines anderen Risikos bewusst sein. Als bedeutender Finanzplatz mit zahlreichen Bank- und Versicherungskonzernen würde eine durch die europäische Schuldenproblematik ausgelöste Finanzmarktkrise die Eidgenossenschaft überproportional hart treffen. So liegt in den drei genannten Aktienindizes (SMI, SLI und MSCI Switzerland) der Anteil der Finanzwerte über 20 %. Von daher sollten Aktieninvestitionen in der Schweiz mit Augenmaß erfolgen.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.