Wann ein Hinterbliebener Anspruch auf einen Pflichtteil hat

 - 

(verpd) Nahe Angehörige wie der Ehegatte, Kinder oder die Eltern haben ein Anrecht auf eine gesetzliche Mindestbeteiligung am Erbe eines Verstorbenen, wenn sie bei der gesetzlichen Erbfolge ohne Testament erbberechtigt gewesen wären. Dieser sogenannte Pflichtteil muss jedoch relativ schnell eingefordert werden, anderenfalls verfällt der Anspruch.

Gemäß Paragraf 2303 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) können der Ehegatte, ein leibliches oder adoptiertes Kind oder die Eltern eines Verstorbenen einen Pflichtteil des Erbes verlangen, wenn sie in dem Testament des Verstorbenen vom Erbe ausgeschlossen wurden.

Ein Pflichtteilsanspruch verjährt jedoch nach spätestens drei Jahren von dem Zeitpunkt an, an dem der Berechtigte vom Erbfall erfahren hat, wenn er vorher nicht eingefordert wird.

Enterbung von nahen Angehörigen nur bedingt möglich

Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Mit dem Pflichtteilsrecht erwirbt der Pflichtteils-Berechtigte somit keinen Erbteil wie die Erben des Verstorbenen. Der Pflichtteil ist vielmehr eine Mindestbeteiligung am Nachlass – ein reiner Geldanspruch des Pflichtteils-Berechtigten gegen den oder die Erben. Nur unter bestimmten engen Voraussetzungen kann der Pflichtteil entzogen werden.

In einem Testament oder einem Erbvertrag können andere Personen als die in der gesetzlichen Erbfolge vorgesehenen als Erben eingesetzt werden. Sind dadurch Kinder, Eltern oder der Ehegatte des Erblassers von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen, können sie jedoch von den testamentarisch legitimierten Erben den Pflichtteil verlangen.

Das Pflichtteilsrecht kann durch ein Testament nicht entzogen werden, außer es liegt eine sogenannte Erbunwürdigkeit vor. Die Personen, die ein Anrecht auf einen Pflichtteil haben, könnten aber auch zu Lebzeiten des Erblassers durch eine notarielle Erklärung einen wirksamen Verzicht auf spätere Ansprüche erklären.

Erbunwürdig

Die Gründe der Erbunwürdigkeit sind in Paragraf 2339 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. Nur derjenige gilt als erbunwürdig, der vorsätzlich den Erblasser tötete oder es versucht hat. Das Gleiche gilt auch für denjenigen, der den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich daran hinderte, ein Testament zu erstellen oder zu ändern.

Auch wer durch arglistige Täuschung oder Drohung den Erblasser zur Erstellung oder Änderung eines Testaments bewegte oder wer ein Testament gefälscht hat, hat keinen Anspruch auf ein Erbe. Ein Streit zwischen Eltern und Kindern oder die Tatsache, dass jahrelang kein Kontakt bestand, reichen also nicht für eine Erbunwürdigkeit aus.

Die Erbunwürdigkeit tritt zudem nicht automatisch ein, sondern muss innerhalb eines Jahres ab Kenntnis eines entsprechenden Grundes gerichtlich geltend gemacht werden.

Frist für Pflichtteilsanspruch beachten

Nach dem Eintritt des Erbfalles kann ein Erbberechtigter jedoch auf den Pflichtteil verzichten. Eine notarielle Form ist dazu nicht notwendig.

Da die Berechtigten ihren Pflichtteil gegenüber den Erben innerhalb drei Jahren nach Kenntnis des Erbfalles ausdrücklich einfordern müssen, ist nach Eintreten des Erbfalles nicht einmal eine ausdrückliche Verzichtserklärung notwendig. Ohne ausdrückliche Aufforderung besteht nämlich auch kein Anspruch auf den Pflichtteil.

Möchte man als Erblasser sichergehen, dass beispielsweise die Lebensversicherung an eine bestimmte Person im Todesfall ausgezahlt wird oder die Auszahlung eines Hinterbliebenen für die anderen Erben keine Probleme bereitet, sollte man sich mit dem Versicherungsvermittler beraten. So kann beispielsweise bereits zu Lebzeiten festgelegt werden, wer eine Lebensversicherung erhält. Auch eine Entlastung von Immobilienerben, die andere Angehörige auszahlen müssen, ist zum Beispiel mithilfe einer Risikolebens-Versicherung denkbar.

Weitere News zum Thema

  • Hochburgen des Autodiebstahls

    [] (verpd) Das Risiko eines Kfz-Diebstahls besteht überall, doch in einigen Bundesländern ist es statistisch deutlich höher als in anderen, wie die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 zeigt. In Nordrhein-Westfalen gab es beispielsweise nach absoluten Zahlen die meisten Kraftwagendiebstähle, das höchste Risiko, im Verhältnis zur Einwohnerzahl Opfer eines Kfz-Diebs zu werden, besteht jedoch in Berlin. mehr

  • Warum für Frauen die private Altersvorsorge wichtig ist

    [] (verpd) Aufgrund ihrer Erwerbsbiografie bekommen Rentnerinnen im deutschlandweiten Durchschnitt gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der gesetzlichen Rente der Männer, wie statistische Daten belegen. Eine Umfrage belegt aber auch, dass vielen Frauen bewusst ist, dass sie sich finanziell nicht auf die gesetzliche Rente alleine verlassen können. mehr

  • Mehr als jeder sechste Bundesbürger ist armutsgefährdet

    [] (verpd) Das Risiko, von Armut betroffen zu sein, ist in Deutschland trotz anhaltendem Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosenquote weiter gestiegen. Laut eines vor Kurzem veröffentlichten Berichtes des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands - Gesamtverband e.V. sind im Durchschnitt 15,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Besonders betroffen sind wie in den Vorjahren Alleinerziehende, Erwerbslose, Kinderreiche Familien und Rentenbezieher. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung erzielte Milliardengewinn

    [] (verpd) Das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat im vergangenen Jahr dank eines moderaten Kostenanstiegs und aufgrund einer steigenden Versichertenzahl einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro erzielt. Die Finanzreserven der Krankenkassen summierten sich dadurch auf 15,9 Milliarden Euro, wie das Bundesministerium für Gesundheit jüngst mitteilte. Einschließlich der im Gesundheitsfonds liegenden Reserven stiegen die Rücklagen auf zusammen 25 Milliarden Euro. mehr

  • Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber verschenken Geld

    [] (verpd) Aktuelle Zahlen aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigen, dass noch lange nicht alle Arbeitnehmer die Vorteile einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) für sich nutzen, um ihr finanzielles Auskommen im Rentenalter zu sichern. Dabei gibt es auch geschlechter- und altersspezifische Unterschiede. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.