Sterbevierteljahr: Übergangshilfe für Witwen und Witwer

 - 

(verpd) Mit dem sogenannten Sterbevierteljahr soll nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) einem hinterbliebenen Ehepartner der finanzielle Übergang auf die veränderten Verhältnisse erleichtert werden. Konkret gilt: Wer Anspruch auf eine gesetzliche Hinterbliebenenrente hat, dem steht für die ersten drei Monate nach dem Tod des Ehepartners mehr als die eigentliche Witwen- oder Witwerrente zu. War der Verstorbene bereits Rentner, ist auch eine Vorschusszahlung an den Hinterbliebenen möglich.

Prinzipiell besteht nach dem Tod des Ehegatten für den hinterbliebenen Ehepartner nur Anspruch auf eine gesetzliche Witwen- beziehungsweise Witwerrente, wenn die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind. Dazu muss beispielsweise der Verstorbene zum Zeitpunkt des Todes die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt haben oder bereits Rentenbezieher gewesen sein. Bei einem Arbeitsunfall entfällt die geforderte Wartezeit.

Zudem muss in der Regel die Ehe am Todestag mindestens ein Jahr bestanden haben, außer der Ehepartner kam bei einem Unfall ums Leben.

Große oder Kleine Witwenrente

Sind die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, hat der hinterbliebene Ehepartner abhängig von diversen Kriterien einen Anspruch auf eine Große Witwen-/Witwerrente oder eine Kleine Witwen-/Witwerrente. Eine große Witwen- und Witwerrente erhält zum Beispiel nur der verbliebene Ehepartner, der je nach Todesjahr des Versicherten entweder das 45. bis 47. Lebensjahr vollendet hat, vermindert erwerbsfähig ist oder ein Kind, das nicht älter als 18 Jahre oder behindert ist, erzieht.

Alle anderen bekommen eine Kleine Witwen- und Witwerrente, die jedoch längstens für 24 Monate nach dem Tod des Ehepartners gewährt wird. Die Große Witwen- oder Witwerrente beläuft sich auf 55 Prozent und die Kleine Witwen- oder Witwerrente auf 25 Prozent der Versichertenrente des Verstorbenen. Für alle, die vor dem 1.1.2002 geheiratet haben und bei denen ein Ehepartner vor dem 2.1.1962 geboren wurde, gilt noch eine alte Regelung mit 60 Prozent.

Die Versichertenrente des verstorbenen Versicherten entspricht in der Höhe etwa der vollen Erwerbsminderungsrente, die er zum Zeitpunkt des Todes gehabt hätte, oder der Altersrente, die er bereits bezogen hat. Weitere Details zum Thema Witwen- und Witwerrente enthält die Broschüre „Hinterbliebenenrente“, die kostenlos beim Herausgeber, der Deutschen Rentenversicherung (DRV), online heruntergeladen werden kann.

Das Sterbevierteljahr

Da die gesetzliche Witwen/-Witwerrente in der Regel niedriger ist als das Einkommen des Verstorbenen, bringt der Tod des Ehepartners meist finanzielle Änderungen mit sich. Um einer Witwe oder einem Witwer den Übergang zu erleichtern, zahlt die gesetzliche Rentenversicherung drei Monate lang die Versichertenrente in voller Höhe – also zu 100 Prozent – aus. Nach diesem sogenannten Sterbevierteljahr wird die eigentliche Höhe der Kleinen oder Großen Witwen-/Witwerrente, laut Gesetz sind das 55, 60 oder 25 Prozent der Versichertenrente, ausbezahlt.

Auch eine Anrechnung des Einkommens der Witwe oder des Witwers auf die Hinterbliebenenrente erfolgt erst nach dem Sterbevierteljahr. Um nicht nur das Sterbevierteljahr in Anspruch nehmen zu können, sondern auch lückenlos die Hinterbliebenenrente zu bekommen, muss der Antrag auf Witwen-/Witwerrente innerhalb von zwölf Monaten nach dem Monat, in welchem der Ehepartner verstorben ist, gestellt werden. Denn alle Hinterbliebenenrenten werden vom Antragsmonat gerechnet maximal für bis zu zwölf Kalendermonate rückwirkend gezahlt.

Ein entsprechender Rentenantrag ist beim Rentenversicherungs-Träger, an den der Verstorbene zuletzt Beiträge entrichtet oder von dem er eine Versichertenrente erhalten hat, zu stellen. Alternativ kann der Rentenantrag auch im Versicherungsamt der Gemeinde-, Stadt- oder Bezirksverwaltung gestellt werden.

Wenn der Verstorbene bereits eine Rente bezog

Bezog der Verstorbene vor seinem Tod eine gesetzliche Altersrente, kann der hinterbliebene Ehepartner die drei vollen Monatsrenten, die bei einem Sterbevierteljahr ausbezahlt werden, auch als Vorschuss bekommen. Dazu muss er allerdings innerhalb von 30 Tagen nach dem Tod des Ehepartners bei dem zuständigen Rentenservice der Deutschen Post AG – und nicht beim Rentenversicherungs-Träger – einen entsprechenden Antrag stellen.

Um den Antrag auf den Vorschusses stellen zu können, ist auch die Vorlage einer Sterbeurkunde und eines Identitätsnachweises des Hinterbliebenen, also beispielsweise der Personalausweis, notwendig. In der Regel erhält der hinterbliebene Ehepartner nach Abgabe des ausgefüllten Antrags innerhalb kurzer Zeit die drei Renten des Sterbevierteljahres als Vorschuss ausbezahlt. Weitere Details dazu stehen in einem aktuellen Merkblatt, das beim DRV online herunterladbar ist.

Wichtig zu wissen: Der Antrag auf den Vorschuss gilt nicht gleichzeitig als Antrag auf eine Witwen- oder Witwerrente. Um eine gesetzliche Witwen- oder Witwerrente zu erhalten, muss der extra dafür vorgesehene Antrag beim Rentenversicherungs-Träger oder beim Versicherungsamt der Gemeinde-, Stadt- oder Bezirksverwaltung gesondert gestellt werden. Für Fragen zum Thema gesetzliche Hinterbliebenenrente bietet die DRV ein kostenloses Servicetelefon (Telefonnummer 0800 100048070) oder auch eine persönliche Beratung in einer ortsnahen Auskunftsstelle an.

Weitere News zum Thema

  • Warum für Frauen die private Altersvorsorge wichtig ist

    [] (verpd) Aufgrund ihrer Erwerbsbiografie bekommen Rentnerinnen im deutschlandweiten Durchschnitt gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der gesetzlichen Rente der Männer, wie statistische Daten belegen. Eine Umfrage belegt aber auch, dass vielen Frauen bewusst ist, dass sie sich finanziell nicht auf die gesetzliche Rente alleine verlassen können. mehr

  • Mehr als jeder sechste Bundesbürger ist armutsgefährdet

    [] (verpd) Das Risiko, von Armut betroffen zu sein, ist in Deutschland trotz anhaltendem Wirtschaftswachstum und sinkender Arbeitslosenquote weiter gestiegen. Laut eines vor Kurzem veröffentlichten Berichtes des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands - Gesamtverband e.V. sind im Durchschnitt 15,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Besonders betroffen sind wie in den Vorjahren Alleinerziehende, Erwerbslose, Kinderreiche Familien und Rentenbezieher. mehr

  • Gesetzliche Krankenversicherung erzielte Milliardengewinn

    [] (verpd) Das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat im vergangenen Jahr dank eines moderaten Kostenanstiegs und aufgrund einer steigenden Versichertenzahl einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro erzielt. Die Finanzreserven der Krankenkassen summierten sich dadurch auf 15,9 Milliarden Euro, wie das Bundesministerium für Gesundheit jüngst mitteilte. Einschließlich der im Gesundheitsfonds liegenden Reserven stiegen die Rücklagen auf zusammen 25 Milliarden Euro. mehr

  • Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber verschenken Geld

    [] (verpd) Aktuelle Zahlen aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigen, dass noch lange nicht alle Arbeitnehmer die Vorteile einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) für sich nutzen, um ihr finanzielles Auskommen im Rentenalter zu sichern. Dabei gibt es auch geschlechter- und altersspezifische Unterschiede. mehr

  • Kfz-Versicherungsprämie sparen durch regelgerechtes Fahren

    [] (verpd) Manche Kfz-Versicherer belohnen Autofahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten und deren Unfallrisiko daher geringer ist von Fahrern, die wegen Verkehrsvergehen beispielsweise mit einem Punkteeintrag im Fahreignungsregister bestraft wurden, mit einem Prämiennachlass. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.