So armutsgefährdet sind die Bundesbürger

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(verpd) Die Armutsquote lag 2012 im Osten deutlich höher als im Westen. Bezieht man jedoch die regionalen Preisniveaus mit in die Betrachtung ein, dann verwischen sich die Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern. Es zeigen sich vielmehr deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, wie Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) jetzt herausfanden.

Rund 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung stellen sich viele Menschen die Frage, wie weit sich die Lebensverhältnisse einander angeglichen haben. Gemeinhin gelten Menschen in Deutschland als armutsgefährdet, wenn sie über ein Einkommen verfügen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) beträgt. Derzeit markieren 871 € die Schwelle für relative Einkommensarmut.

Gemessen an den Einkommen lag im Jahr 2012 die Einkommensarmutsquote in den neuen Bundesländern mit knapp 20 Prozent um fast sechs Prozentpunkte höher als in den alten Bundesländern. Dies erklärt sich nach Angaben von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), durch das niedrigere Einkommensniveau in den neuen Ländern. Das Median-Einkommen liege in Ostdeutschland mehr als 14 Prozent niedriger als im Westen, erklärte Hüther weiter.

In der Kaufkraft kann Brandenburg fast mit Hamburg gleichziehen

„In Ostdeutschland ist das Preisniveau noch immer über fünf Prozent niedriger als in Westdeutschland“, so Hüther weiter. Beziehe man diesen Umstand in die Betrachtung mit ein, dann liege die Gleichwertigkeit regionaler Verhältnisse zumindest bezogen auf Ost- und Westdeutschland nicht so fern, wie oft vermutet werde. Dann lägen die neuen Länder nämlich nur noch gut neun Prozent unter dem Westniveau, wie Hüther angibt.

Einen Ausreißer stellt allerdings Mecklenburg-Vorpommern dar, das von Kaufkraftvorteilen nicht profitieren kann. Die Tourismusströme an die Ostseeküste und die mecklenburgische Seenplatte sorgten wohl für ein höheres Preisniveau, erläuterte Christoph Schröder, einer der Autoren der IW-Studie „Einkommensarmut in Deutschland aus regionaler Sicht“.

„Brandenburg, das kaufkraftstärkste der neuen Bundesländer, kann sogar fast mit Hamburg gleichziehen“, erklärte Hüther. Die Berücksichtigung der Preisunterschiede bewirke, dass etwa Thüringen hinter Bayern und Baden-Württemberg zum Land mit dem drittniedrigsten Anteil von Personen in relativer Kaufkraftarmut aufgestiegen sei.

In den Großstädten ist die Kaufkraftarmut deutlich höher

Die regionale Aufschlüsselung unter Berücksichtigung des Preisniveaus zeigt der Studie zufolge ein ausgesprochenes Stadt-Land-Gefälle auf. In Regionen, die ausschließlich aus Landkreisen oder aus einer Mischung von Land- und Stadtkreisen bestehen, gelten im Durchschnitt nur 14 Prozent der Bevölkerung als kaufkraftarm. In den Stadtregionen liegt die Quote dagegen bei 22 Prozent.

Hüther zufolge schneiden Städte wie Köln, Bremerhaven oder Duisburg deshalb schlechter ab, weil zum einem ein höheres Preisniveaus herrscht und zum anderen Faktoren wie hohe Arbeitslosigkeit, viele Menschen mit Migrationshintergrund oder Alleinerziehende sich negativ auswirken. Auch Städte mit einem hohen studentischen Anteil seien betroffen, obwohl Studenten ihre persönliche Lage relativ optimistisch einschätzten.

Und wenn man die Entwicklung zwischen 2006 und 2012 vergleiche, dann zeige sich, dass das Land-Stadt-Gefälle noch zunehme, erklärte Hüther. Vor allem in nordrhein-westfälischen Städten sei der Negativtrend spürbar. So sei die Kaufkraft in Duisburg, Dortmund und Gelsenkirchen besonders stark gesunken. „Nordrhein-Westfalen ist das Frankreich der Bundesrepublik“, sagte Hüther mit Blick auf die Wirtschaftsprobleme im Nachbarland.

Sicherheit für den Einzelnen

Für den Einzelnen spielt allerdings nicht nur die Region, in der er wohnt, eine Rolle, inwieweit er von Armut betroffen sein kann. Auch manche Lebensumstände und Ereignisse können schuld daran sein, dass man in finanzielle Schwierigkeiten gerät und unter die Armutsgrenze fällt. Solche Armutsfallen sind insbesondere ein Unfall oder eine lange Krankheit, die zur Erwerbsunfähigkeit führt, der Jobverlust, eine Scheidung, der Tod des Ehepartners, oder auch zu wenig Rente im Alter. Die Versicherungswirtschaft bietet hierzu diverse Absicherungslösungen an.

Beispielsweise kann der Einzelne sich mithilfe einer Kapitallebens- und/oder einer Rentenversicherung ein finanzielles Polster für Notfälle und/oder für das Alter zulegen. Hauptverdiener können ihre Familie mit einer Risikolebens-Versicherung gegen einen Einkommensausfall durch Tod oder infolge Unfall oder Krankheit absichern. Im Falle einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit müssen Arbeitnehmer oder auch Selbstständige mit einem teilweisen oder gar kompletten Einkommensausfall rechnen. Mit einer Berufsunfähigkeits-Police lässt sich dieses Risiko abfedern.

Auch andere Versicherungslösungen wie eine private Pflegeversicherung, eine Krankentagegeld-Police oder auch eine Unfallversicherung könnten im Fall des Falles ein finanzielles Desaster verhindern. Welche Vorsorgemaßnahmen für den Einzelnen sinnvoll sind und eventuell sogar noch steuerlich oder finanziell vom Staat gefördert werden, kann beim Versicherungsfachmann erfragt werden.

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