Niedrige Zinsen bedrohen Sparer, Banken und Versicherungen

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Die erneute Zinssenkung der Europäischen Zentral-Bank stößt auf Bedenken von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Er könne die Sorgen der Sparer wegen ihrer schleichenden Enteignung nachvollziehen. Negative Realzinsen dürften kein Dauerzustand werden.

"Der Schuldner lebt im Paradies, der Sparer in der Hölle"

So fasst das Handelsblatt die aktuelle Situation treffend zusammen. Wegen dieses Missverhältnisses warnte Weidmann am Mittwoch, 13.11.2013, auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt vor den negativen Folgen einer längeren Niedrigzinsphase für Sparer, Banken und Versicherungen.

Rezept mit Risiken

"Die Risiken und Nebenwirkungen nehmen vor allem dann zu, wenn das Medikament Niedrigzins als Dauer-Therapeutikum verabreicht wird, während die Wirksamkeit der extrem niedrigen Zinsen abnimmt, je länger sie anhalten."

Niedrige Inflation rechtfertigt Zinssenkung

Grund für die jüngste Leitzinssenkung der Europäischen Zentral-Bank (EZB) auf das Rekordtief von 0,25 Prozent sei die Aussicht, dass der Preisdruck in den 17 Ländern der Währungsunion aus Sicht des EZB-Rats mittelfristig stärker gedämpft sein dürfte als bisher angenommen. Auch die konjunkturelle Entwicklung in vielen Ländern sei nach wie vor "fragil". "Angesichts der auf mittlere Sicht zu erwartenden niedrigen Inflationsraten und der schwachen konjunkturellen Entwicklung ist eine expansive Ausrichtung der Geldpolitik im Euro-Raum gerechtfertigt", verteidigte Weidmann den in Deutschland heftig kritisierten Schritt der Notenbank.

Geldpolitik ersetzt keine Strukturveränderungen

Klar sei jedoch auch, dass eine ultra-lockere Zinspolitik kein Ersatz für nötige Strukturreformen sein könne, warnte Weidmann. "Die Politik darf sich nicht zurücklehnen im Vertrauen auf das Wirken niedriger Zinsen. Darin liegt ein Risiko der expansiven Geldpolitik, das wir im Blick behalten müssen."

Die Sparer zahlen die Zeche

Betroffen von den negativen Folgen der extrem niedrigen Zinsen seien die deutschen Sparer, aber auch die Banken und Versicherungen, erklärte Weidmann. Er könne daher verstehen, dass vor einer schleichenden Enteignung gesprochen werde.

Keine Diskriminierung Deutschlands

Allerdings sei es falsch anzunehmen, dass nur die Deutschen darunter zu leiden hätten. "Es gibt keine spezifische Diskriminierung deutscher Sparer. Jeder Sparer, der gegenwärtig sein Geld risikoarm anlegen möchte, muss mit einer niedrigen - oder auch negativen - realen Verzinsung leben." Das sei in Italien oder Spanien nicht anders. Da die EZB keine Geldpolitik für einzelne Länder der Währungsunion betreiben könne und solle, werde Deutschland noch eine Weile mit den niedrigen Zinsen leben müssen, so Weidmann weiter. "Es gibt in einem großen Währungsraum immer Phasen, in denen für einzelne Regionen das geldpolitische Zinsniveau zu niedrig oder zu hoch ist." Für Deutschland sei der Zins jedenfalls viel zu niedrig.

Niedrige Zinsen dürfen kein Dauerzustand werden

Weidmann machte sich eine Aussage des früheren Chefvolkswirts der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, zueigen: "Eine ultralockere Geldpolitik kann die Gesundheit von Banken gefährden, die Funktionsweise der Finanzmärkte stören, die Unabhängigkeit der Notenbanken bedrohen und Regierungen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten." Deshalb sei es für ihn wichtig, "Sorge dafür zu tragen, dass negative Realzinsen kein Dauerzustand werden und die Geldpolitik nicht zur Gefangenen der Politik oder der Finanzmärkte wird."

Quellen: dpa/AFX, Thomson Reuters, Handelsblatt

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