Krisenzeit = Schnäppchenzeit?

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Die internationale Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft verunsichern zunehmend die Privatanleger. Doch wohin mit dem Geld, das sich nach der Tilgung aller Verbindlichkeiten ansammelt und darauf wartet, gewinnbringend investiert zu werden?

Für Aktien und Fonds scheint es noch zu früh, für Anleihen und andere Zinsanlagen vielleicht schon zu spät zu sein. Sollte man jetzt allen Mut zusammennehmen und antizyklisch investieren?

Im Wirtschaftsabschwung gelten für Sparer die gleichen Regeln wie in Boomzeiten. Auf nur ein Pferd bei der Geldanlage zu setzen, kann riskant sein. Das gilt für Aktien und Fonds genauso wie für Anleihen und Fest oder Tagesgeld. Auch in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist es ratsam, das Geld auf verschiedene Anlageklassen und innerhalb der Klassen auf verschiedene Produkte zu verteilen.

Tages oder Festgeld

Ein Tagesgeldkonto bringt mehr als ein Sparbuch. Dank der Einlagensicherung ist es eine risikolose Anlage, die dennoch eine gerade noch annehmbare Rendite abwirft. Die Nachsteuerrendite hat sich für Gutverdiener sogar verbessert. Sie profitieren bei Zinseinkünften von der neuen Abgeltungsteuer. Denn während sie früher bis zu 45 Prozent Einkommensteuer auf Zinserträge zahlen mussten, sind es jetzt pauschal nur noch 25 Prozent (jeweils zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer). Deshalb ist das Tagesgeldkonto eine gute Wahl für Geld, das kurz- und mittelfristig geparkt werden muss.

Tipp
Wer längerfristig sein Geld entbehren kann, sichert sich mit einem Festgeldkonto oder Bundeswertpapiere, z. B. Bundesschatzbriefen oder Bundesobligationen dauerhaft günstige oder mit der Anlagedauer steigende Zinsen.


Anleihen

In Krisenzeiten flüchten die Anleger in den Schoß des Staates, vor allem in den des deutschen, der sichere Staatsanleihen ausgibt. Die Rendite bewegt sich nahe 3 Prozent und liegt damit selbst bei längeren Laufzeiten unter der Rendite für die besten Tagesgeldangebote. Überwältigend ist diese Rendite zwar nicht, aber gerade in den bewegten Zeiten an den Finanzmärkten die ideale Anlage für jene, die vor allem Sicherheit wollen. Mit ausländischen Staatsanleihen sind teilweise höhere Renditen erzielbar, allerdings kann je nach Ausgabestaat damit ein höheres Risiko verbunden sein.

In Sachwerte anlegen

Viele Anleger haben in der Finanzkrise ihr Vertrauen in die Banken, Sparkassen und Versicherungsunternehmen verloren. Statt in Termin- und Spareinlagen sowie Zinspapiere investierten sie lieber in Sachwerte, wie z. B. Immobilien und Gold.

Immobilien

Immobilien sind bei guter Lage eine solide Investition. Eine Immobilienkrise mit massivem Preisverfall, wie sie in Amerika zu beobachten ist, steht Deutschland wohl nicht bevor, weil die Darlehen hier stärker reglementiert werden. Außerdem entstehen immer weniger neue Häuser. Allerdings sinkt angesichts der Rezession derzeit die Nachfrage. Dennoch sind Immobilien in guter Lage nach wie vor positiv zu beurteilen, vor allem wenn sie – wie derzeit – günstig finanziert werden können.

In Folge der Finanzkrise sind die Hypothekenzinsen spürbar gesunken. Immobilienerwerber können sich jedoch nicht nur über günstige Kreditzinsen von deutlich unter 5 Prozent, sondern auch über immer flexiblere Kredite freuen. Seit einiger Zeit gibt es Kredite mit Tilgungsanpassungen und sogar mit der nachträglichen Rückzahlung bereits geleisteter Tilgungen, falls kurzfristiger Geldbedarf besteht. Dadurch lässt sich die Monatsrate an wechselnde Einkommensverhältnisse und Bedürfnisse anpassen. Die günstigsten Darlehenszinsen liegen vereinzelt bereits unter 4 Prozent. Sie kommen überwiegend von regionalen Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

Tipp
Ein Vergleich von Kreditangeboten hat sich noch nie so ausgezahlt wie heute. Eine gute Adresse im Internet ist z. B. www.fmh.de.


Aktien

Wenn man Anleger derzeit auf Aktien und Aktienfonds oder Zertifikate anspricht, machen sie ein Gesicht, als hätten sie gerade in eine Zitrone gebissen. Denn die Verluste waren im Jahr 2008 für viele Anleger immens. Trotzdem sollte klar sein: Aktien gehören zur langfristigen Geldanlage dazu – auch in Zukunft. Niemand sollte sich wegen des Abschwungs dazu verleiten lassen, sich für immer von den Börsen zu verabschieden. Auch künftig wird es ohne Aktien kaum möglich sein, eine ansprechende Rendite zu erzielen.

Tipp
Warten Sie, bis die Aktienmärkte in den USA wieder deutlich ansteigen und den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben durchbrechen.


Gold

Gold galt schon immer als sicherer Hafen und als krisenfestes Anlageinstrument. Derzeit steigt der Goldpreis wieder auf Rekordhöhen. Allerdings ist eine Anlage in das glänzende Edelmetall nicht immer ganz risikolos, wie die Vergangenheit zeigte. Im Oktober und November 2008 brach mit den Aktienkursen auch der Goldpreis ein. Dagegen stieg der Goldpreis zuvor in der Zeit  des Aktienbooms ganz untypisch heftig an. Für die kommenden Jahre dürfte Gold eine sichere Anlage sein. Denn die Nachfrage der Anleger übersteigt die immer knapper werdenden Vorräte und Förderkapazitäten.

Tipp
Derzeit spricht einiges für eine vorübergehende Konsolidierung. Ebenso wie bei Aktien kommt es bei Gold auf einen günstigen Einstiegskurs an. Haben Sie den erwischt, brauchen Sie nur noch viel Geduld und gute Nerven. Beste Taktik in solchen Situationen wie derzeit: Einen kleinen Anfangsbestand erwerben und bei fallenden Kursen nachkaufen.


Diamanten

Einen regelrechten Ansturm meldeten Ende 2008 die Diamantenhändler. Vor allem größere Steine von besserer Qualität waren stark gefragt. Mittlerweile ist die Nachfrage jedoch wieder stark gesunken, weil Luxusgüter (Schmuck, Uhren, Gemälde) sich nicht mit der aktuellen Wirtschaftslage vertragen. Doch möglicherweise sollten vorausschauende Investoren gerade jetzt antizyklisch zugreifen? Glitzernde Steine eignen sich jedoch nicht für kurzfristige Spekulationen, sondern stellen eine langfristige Geldanlage dar.
Tipp
Finger weg von Diamanten als Geldanlagen! Die Spannen zwischen An und Verkauf sind einfach zu groß für den privaten Käufer. Besondere Vorsicht ist ratsam bei Verkäufern, die am Telefon große Gewinne mit den kostbaren Steinen versprechen.

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