Investieren in Öl-Zertifikate: Mit dem Ölpreis auf Renditejagd

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Auch ohne selbst eine Ölquelle auszubeuten, lässt sich vom Preisauftrieb des schwarzen Goldes profitieren, ohne sich die Finger dabei zu verbrennen.

Mit einem Anteil von 40 Prozent ist Rohöl der wichtigste Energielieferant weltweit. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach dem schwarzen Gold. Wenn erst die Wachstumsregionen vollständig entwickelt sind, wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Öl noch sehr viel höher liegen als heute. Im Trend sind daher weiter steigende Ölpreise zu erwarten. Davon können auch private Anleger profitieren. Allerdings ist Öl nicht gleich Öl. Und weil der Ölpreis in Dollar notiert wird, müssen Investoren das Dollarrisiko im Auge behalten. Aus den vielen an den Börsen gehandelten Öl-Zertifikaten haben wir für Sie einige aussichtsreiche Papiere ausgesucht.

Der Schreck kommt beim Tanken: Ganz gleich ob Diesel oder Benzin, die Spritpreise steigen in extreme Höhen. Weil der Preis für Rohöl eine Rekordmarke nach der anderen erklimmt, klettern für die Autofahrer auch die Kosten an der Zapfsäule. Weiter verdüstert wird die Stimmung der Verbraucher durch einen Blick auf die Rechnung ihrer Gasversorger oder Heizöllieferanten. Denn der Gaspreis ist ans Öl gekoppelt und verteuert sich wie Heizöl ständig.

Öl ist ein begehrtes Gut. Immerhin wird ein Großteil des geförderten Öls für die Herstellung von Benzin verwendet. Allein in den USA macht die Verarbeitung zu Benzin mehr als die Hälfte der Rohölnutzung aus. Und mit einem Anteil von 40 Prozent ist Rohöl zugleich der wichtigste Energielieferant weltweit. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach dem schwarzen Gold, allen voran aus China. Wenn erst die Wachstumsregionen vollständig entwickelt sind, wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Öl noch sehr viel höher liegen als heute. Eine deutliche Abschwächung auf der Nachfrageseite ist daher nicht absehbar. Um den Ölpreis im Zaum zu halten oder gar sinken zu lassen, müsste sich somit die Angebotsseite deutlich ausweiten. Aber die Vorräte an einem fossilen Brennstoff wie Öl sind nun einmal begrenzt.

Kein Ausweg also aus der Preisspirale? Was den Autofahrer, Hausbesitzer oder Mieter als Verbraucher ärgert, kann für ihn als Anleger ein Segen sein. Wer sich gegen steigende Energiepreise absichern oder einfach an der Wertentwicklung dieser Rohstoffe teilhaben will, kann über entsprechende Zertifikate mit überschaubarem Risiko in diesen Markt investieren. Die Anleger sollten jedoch nicht blind zugreifen. Denn viele Zertifikate beziehen sich auf Terminmarktpreise und unterliegen neben der reinen Preisentwicklung des Rohöls noch weiteren Einflussfaktoren.

Ölpreis ist nicht gleich Ölpreis

Wovon ist eigentlich die Rede, wenn verallgemeinert vom Ölpreis gesprochen wird? Öl ist nicht gleich Öl. Rohöl ist ein fossiler Brennstoff, ein vergleichsweise kompliziertes chemisches Gemisch, das in Dutzenden Millionen Jahren in bestimmten Erdregionen aus organischer Materie entstanden ist. Dieses Gemisch hat in jedem Fördergebiet eine andere Qualität und einen anderen Preis. Die beiden teuren Ölsorten West Texas Intermediate (WTI) und Brent beispielsweise sind leichte, süßliche Rohöle. WTI wird in den USA, Brent in der Nordsee zwischen den Shetlandinseln und Norwegen gefördert. Dagegen haben die Golfstaaten und andere exotische Ölexporteure vor allem schweres und weniger süßes Erdöl anzubieten. Dieses Öl ist schwieriger zu verarbeiten und darum stets ein paar Prozent billiger als das Nordseeöl. Die beiden Leichtöle werden wegen ihrer geringen Dichte und des geringen Schwefelgehalts gegenüber schweren Ölsorten bevorzugt, da sie sich besser zur Produktion von Benzin, Heizöl oder Kerosin eignen.

Die Preise für WTI- und Brent-Öl weichen in der Regel nur wenig voneinander ab und gelten beide als Kursbarometer für den Wert des schwarzen Goldes weltweit. Wenn in den Nachrichten vom Ölpreis die Rede ist, dann ist hierzulande in der Regel der Preis für ein Barrel (ein Fass mit 158,9872 Litern) Brent Crude Oil gemeint, der in Europa wichtigsten Ölsorte. Gehandelt wird es in London an der Warenterminbörse Intercontinental Exchange (ICE) von professionellen Ölhändlern, Bankern und Brokern.

Bei Öl-Engagements Währungsschwankungen und Terminmarkt-Besonderheiten beachten


Mit dem Dollar geht es nun schon seit 2 Jahren kontinuierlich bergab. In den vergangenen 24 Monaten hat der US-Dollar gegenüber dem Euro rund 22 Prozent an Wert eingebüßt. Betrachtet man in den Vergleichslisten, wie sich Öl-Zertifikate in den vergangenen 12 Monaten entwickelt haben, ist es kein Zufall, dass vor allem sogenannte Quanto-Zertifikate besonders gut abgeschnitten haben. Quanto-Zertifikate sind Papiere mit Währungssicherung. Da Zertifikate auf Öl als Basiswert meist einen Ölindex besitzen, der in US-Dollar notiert, schmälerte der Dollar-Niedergang für Euro-Anleger bei Öl-Zertifikaten ohne Währungssicherung die Kursgewinne aus der Ölspekulation.

Geldtipp
Quanto-Papiere schalten die Folge von Wechselkursänderungen aus. Deshalb sollten Sie beim Kauf von Öl-Zertifikaten in den meisten Situationen auf währungsgesicherte Papiere setzen.

Ein weiterer Einflussfaktor für den Erfolg der Öl-Zertifikate liegt in der Eigenheit der Terminmärkte begründet. Denn die Zertifikate beziehen sich auf den an den Terminbörsen festgestellten Futures-Preis, da bei Rohstoffen eine Absicherung über den physischen Erwerb nicht wirtschaftlich und praktikabel ist. Die Futures-Kontrakte haben aber eine Fälligkeit. Zu diesem Zeitpunkt muss der Emittent der Öl-Zertifikate in den nächsten Kontrakt wechseln. Notiert der Future, in den gerollt wird, über dem aktuellen Marktpreis des Öls, führt dies zu Rollverlusten. Dieses Phänomen wird als Contango bezeichnet. Ist Öl auf Termin dagegen billiger zu haben (Backwardation), entstehen Rollgewinne. In der Vergangenheit war Öl oftmals im Contango, was zu entsprechenden Rollverlusten bei den Öl-Zertifikaten führte.

Aussichtsreiche Zertifikate, um von Kursschwankungen beim Ölpreis zu profitieren

Aus den vielen an der Börse gehandelten Öl-Zertifikaten haben wir folgende vielversprechende Papiere für Sie ausgesucht:
  • Goldman Sachs Reverse-Bonuszertifikat auf Öl (WKN: GS06FA): Das währungsgesicherte Reverse-Bonuszertifikat (1 USD = 1 Euro) basiert auf dem Brent Crude Oil-Future und hat eine Laufzeit bis zum 17.6.2011. Mit diesem Papier gewinnen Sie bei moderat steigenden, aber besonders bei fallenden Ölpreisen. Das Absicherungsniveau befindet sich bei 215 USD, das Bonusniveau wurde bei 165 USD angesiedelt. Wenn der Ölpreis während der Laufzeit des Zertifikats niemals auf oder oberhalb des Absicherungsniveaus von 215 USD notiert, dann wird das Zertifikat am Ende mit dem Bonuslevel in Höhe von 165 USD zurückbezahlt. Da ein US-Dollar gleich dem Wert eines Euro entspricht, würde das Zertifikat in diesem Fall zu 165 Euro zurückgezahlt werden. Bei einem Kaufpreis von aktuell 122 Euro eine Rendite von knapp über 10 Prozent pro Jahr. Wird das Absicherungsniveau bei 215 USD  berührt oder überschritten, dann erlischt die Chance auf die Bonuszahlung und das Zertifikat wird gemäß der tatsächlichen spiegelverkehrten, prozentualen Wertentwicklung des Index zurückbezahlt. Damit dieser Fall eintritt, müssten die Ölnotierungen allerdings in den nächsten drei Jahren um weitere 60 Prozent ansteigen. Die Gewinnchancen der Zertifikate ist nicht durch eine Gewinnbegrenzung (Cap) limitiert. Deshalb winkt bei einem Ölpreis am Laufzeitende von unter 165 USD eine noch höhere Wertentwicklung als die Bonusrendite von knapp über 10 Prozent pro Jahr.
  • Das Twin-Win-Zertifikat von Credit Suisse auf Öl (WKN: CS0AMB): Bei Twin-Win-Zertifikaten profitieren Anleger sowohl von steigenden als auch von fallenden Notierungen des Basiswerts. Bei diesem Zertifikat wurde der an der NYMEX (New York Mercantile Exchange) gehandelte WTI-Future-Kontrakt mit der jeweils kürzesten Restlaufzeit als Basiswert ausgewählt. Als Basispreis wurden bei der Emission 137 USD festgelegt. Die Sicherheitsschwelle liegt bei 68,50 USD. Das Zertifikat bietet die vollständige Teilhabe an steigenden Ölpreisnotierungen. Sofern der Preis für WTI-Rohöl am Laufzeitende oberhalb des Startwerts liegt, werden Anleger an der positiven prozentualen Wertentwicklung voll und ganz beteiligt. Legt der Ölpreis am Ende beispielsweise um 60 Prozent zu, dann wird das Zertifikat mit 160 Euro zurückgezahlt. Bei einem Kursanstieg von 30 Prozent gibt es bei der Rückzahlung für den Anleger 130 Euro. Aber auch dann, wenn der Ölpreis einbricht, bestehen gute Chancen auf einen positiven Ertrag. Wenn der Ölpreis niemals unter die Sicherheitsschwelle von Euro 68,50 USD abrutscht, dann werden die Verluste des Ölpreises am Ende eins zu eins in Gewinne umgewandelt. Liegt der Ölpreis z.B. bei Fälligkeit des Zertifikats mit 35 Prozent im Minus, dann wird der 35-prozentige Kursverlust in einen Gewinn umgewandelt. Das Zertifikat wird in diesem Fall mit 135 Euro zurückgezahlt. Erst wenn während der Laufzeit die Sicherheitsschwelle durchbrochen wird, drohen Verluste. In diesem Fall wird das Zertifikat mit der tatsächlichen Entwicklung des Ölpreises im Verhältnis zum Basispreis von 137 USD getilgt. Liegt der Ölpreis z.B. nach dem Verletzen der Sicherheitsschwelle am Laufzeitende bei 80 Prozent seines Startwertes von 137 USD, so errechnet sich ein Rückzahlungsbetrag von 80 Euro. Das Zertifikat mit einer Laufzeit bis zum 5.1.2012 wird an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelt und kostet derzeit 99,50 Euro.
  • Das BNP Paribas Öl-Garant-Zertifikat II (WKN: BN2XH 8): Mit diesem am 26.6.2013 fälligen Zertifikat profitieren Sie eins zu eins von einer positiven Wertentwicklung der Ölsorte WTI. Zusätzlich ist das Papier mit einer 100-prozentigen Kapitalgarantie ausgestattet. Liegt der Preis am Laufzeitende über dem bei der Emission festgelegten Basispreis von 134,62 USD, dann partizipiert der Anleger zu 100 Prozent von den darüber hinausgehenden Kurssteigerungen. Ist der Ölpreis z.B. um 30 Prozent gestiegen, dann werden pro Zertifikat am Laufzeitende 130 Euro ausbezahlt. Bei einem 40-prozentigen Kursanstieg werden dann 140 Euro fällig. Das Zertifikat hat ein Cap beim Zugewinn von 80 Prozent. Bei einem Kursanstieg beim Ölpreis von über 80 Prozent hinaus profitiert der Anleger nicht mehr von weiteren Kurssteigerungen. Fällt dagegen der Ölpreis zum Laufzeitende um z.B. 50 Prozent unter den Basiswert von 134,62 USD, dann erhält der Anleger wegen der Kapitalgarantie trotzdem das Zertifikat zum Nennwert von 100 Euro zurückbezahlt. Das Zertifikat ist währungsgesichert. Somit spielt es für die Berechnung der Wertentwicklung keine Rolle, dass Rohöl in US-Dollar gehandelt wird. Das an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelte Papier kostet aktuell 98,50 Euro.

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