Inflation: Welche Anlagen widerstehen der schleichenden Geldentwertung?

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Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2007 bis 2009 führte durch drastische Gegenmaßnahmen der Notenbanken zu extrem niedrigen Zinsen und einer riesigen Geldschwemme. Diese könnte im Zusammenspiel mit einer anspringenden Wirtschaftskonjunktur zu steigenden Löhnen, Preisen und schließlich auch höheren Inflationsraten als in den vergangenen Jahren führen. Wie können sich Anleger schützen?

Gelangen die gigantischen Geldmengen, die derzeit vor allem die Aktien- und Rohstoffkurse in die Höhe treiben, in Form von Krediten in den Wirtschaftskreislauf von privaten Haushalten und gewerblichen Unternehmen, könnte das zusätzlich inflationär wirken und für einen Zerfall des Geldwerts sorgen.

Im April 2011 ist die Inflationsrate der Euro-Zone auf 2,8 Prozent p.a. gestiegen. Sie lag damit deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Finanzexperten rechnen für Deutschland von 2012 an mit einer Geldentwertung von bis zu 4,0 Prozent p.a. Von 1.000 Euro Geldvermögen bleiben bei einer Inflationsrate von jährlich 4,0 Prozent p.a. nach fünf Jahren lediglich 822 Euro an Kaufkraft übrig.

Die Entwertung des Geldes ist der größte Feind des kleinen Sparers. Denn in inflationären Zeiten ist es schwer, seine Verluste durch geschickte Geldanlagen zu begrenzen. Schließlich hält auch in Jahren der Geldentwertung der Staat bei Kapitalerträgen die Hand auf. Deshalb muss man bei einer Inflationsrate von 4,0 Prozent p.a. schon eine Rendite von gut 6,0 Prozent p.a. erzielen, um am Ende des Jahres kein Geld verloren zu haben.

Anti-Inflations-Strategie

Bestimmte Anlagestrategien können dazu beitragen, eine inflationäre Phase einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Dabei genießen Sachwertanlagen Vorrang vor Anlagen in verzinsten Geldwerten.

Tipp
Legen Sie Ihr Geld keinesfalls langfristig fest. Investieren Sie in Anlagen, die Sie bei drohendem Verlust rasch verkaufen können.

Zinsanlagen

Untergewichten Sparbriefe und lang laufende Anleihen, weil hier die derzeit niedrigen Zinsen auf Jahre stehen bleiben und nicht veränderbar sind. Auch Tagesgeldkonten sind, obwohl sie hohe Flexibilität garantieren, mit Vorsicht zu genießen. Zwar passen die Banken in Inflationszeiten deren Guthabenzinsen regelmäßig an, meist aber nur mit Verzögerung. Selten erhalten Sie einen vollen Inflationsausgleich gezahlt.

Inflationsanleihen

Die Verzinsung inflationsgeschützter Anleihen richtet sich entweder ausschließlich nach dem Ausmaß der Preissteigerung oder es gibt einen niedrigen Grundzins und zusätzlich einen Ausgleich für die Geldentwertung. Solche Stufenzins- oder Inflationsanleihen, die von steigenden Zinsen profitieren, werden neuerdings von immer mehr Sparkassen und Banken ausgegeben. Meist haben sie eine Laufzeit von fünf Jahren. Bei ihnen, wie auch bei inflationsgeschützten Staatsanleihen, müssen Sie darauf achten, welche Art von Inflationsrate dem Zins zugrunde liegt und wie sicher der Emittent ist.

Meist gilt der Euro-Inflationsindex, der möglicherweise niedriger ist als der für Deutschland geltende Verbraucherpreisindex. Neben inflationsgeschützten Anleihen gibt es noch die sogenannten Floater, deren variabler Zins sich in der Regel nach dem (in Inflationszeiten steigenden) Euribor richtet, also dem Zins, den Banken am Euro-Markt verlangen, wenn sie sich untereinander Geld leihen.

Doch Vorsicht: Der Blick auf Vergleichszahlen zeigt, dass – zumindest in der Vergangenheit und in den USA – mit normalen Staats- und Unternehmensanleihen in inflationären Zeiten eine Vermögenssicherung nicht möglich war. Das gilt umso mehr, je höher die Geldentwertung ausfällt.

Tipp
Geben Sie bei Anleihen jenen Schuldnern den Vorzug, die eine erstklassige Bonität bieten: z.B. Anleihen von Deutschland, Frankreich, Niederlande, aber auch von erstklassigen Unternehmen, die einen stabilen Mittelzufluss aufweisen und weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen sind, wie z.B. Coca Cola, Deutsche Telekom, France Télécom, Nestlé und Energiekonzernen wie RWE.

Gold

Wer glaubt, mit Gold gegen Inflation gefeit zu sein, sollte sich die Zahlen der Schweizer Privatbank Vontobel anschauen. Sie hat für die USA sechs inflationäre Phasen des 20. Jahrhunderts untersucht und ist zu dem erstaunlichen Schluss gekommen, dass Gold keinen sonderlich guten Inflationsschutz bietet. Nur während einer einzigen Inflationsperiode, zwischen 1973 und 1980, erzielte das Edelmetall eine positive Rendite. Ab 1980 ging der Goldpreis zeitweise steil nach unten, obwohl die Inflation bis 1999 hoch blieb.

Tipp
Gold erweist sich bei langfristiger Betrachtung als Anlageobjekt mit starken Trends, die Sie mit einer entsprechenden Anlagestrategie nutzen können. Aber es garantiert historisch gesehen nur über sehr lange Zeiträume betrachtet einen sicheren Schutz vor Inflation.

Immobilien

Immobilien sind als Inflationsschutz schon besser geeignet, denn die Entwicklung der Miethöhe steht oft in Verbindung mit der Inflationsrate. Zwar schlägt sich Betongold in aller Regel ordentlicher als die meisten anderen Anlageklassen, aber wenn die Geldentwertung überdurchschnittlich stark anzieht, rutschen auch die Immobilienrenditen ins Minus, weil die Mieten weniger schnell steigen können als die Inflation.

Und bei starker Inflation steigen die Zinsen, sodass die Immobilienrendite, also das Verhältnis von kreditfinanziertem Kaufpreis und Mieteinnahmen, sinkt. In der Folgen knicken die Immobilienpreise ein, sodass die Substanz des Immobilienbesitzers an Wert verliert.

Tipp
Immobilien sind nicht in jedem Fall geeignet, das vorhandene Geld vor Verlusten zu schützen.

Aktien

Im Gegensatz zu Vermietern können vor allem marktführende Unternehmen leichter ihre Preise erhöhen und steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Löhne an die Konsumenten weitergeben. Daher profitierten von Inflationszeiten insbesondere jene Anleger, die sich mit Aktien solcher Unternehmen eingedeckt hatten. Diese Sachanlagen verzeichneten Renditen, die ein bis vier Prozent über der Inflation lagen.

Aktien stellen ein gutes Mittel gegen Inflation dar. Allerdings kommt es entscheidend auf die richtige Aktienauswahl an. Kaufenswert sind insbesondere Papiere von Unternehmen, die anziehende Preise relativ problemlos weitergeben können, weil die Kunden auf ihre Produkte nicht verzichten wollen oder können. Das sind etwa Firmen aus dem Nahrungsmittel-, Energie- und Rohstoffsektor.

Auch die Hersteller von Pharmazeutika haben gute Chancen, ohne große reale Umsatzverluste durch eine Inflationskrise zu kommen. Starke Preissetzungsmacht haben dabei in erster Linie die globalen Marktführer, also Unternehmen, die nicht nur in den alten Industrienationen, sondern auch in den neuen Wirtschaftswunderländern wie China oder Indien gute Geschäfte machen.

Aktien weisen im Vergleich mit Immobilien eine ungleich höhere Flexibilität und Fungibilität auf.
Weiterer Pluspunkt: Dividendenausschüttungen helfen auch in Inflationszeiten, die Rendite zu steigern.
Aktien gewährleisten, am Wachstum der Realwirtschaft teilzuhaben. Daher eignen sie sich am ehesten dazu, dem Werteverzehr durch die Inflation effektiv zu begegnen.

Preziosen

Manche Anleger kaufen bei steigenden Preisen lieber teure Uhren, Kunst oder Oldtimer. Die Inflation kann diesen Preziosen nichts anhaben. Im Gegenteil: Sie bringen u.U. sogar bessere Renditen als Aktien. Allerdings muss man sich relativ eigenständig eine große Sachkenntnis aneignen, um die Marktentwicklung richtig einschätzen zu können, da es zu diesem Anlagebereich nur wenig aktuelle Fachliteratur gibt.

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