Hochwasser – die unterschätzte Gefahr

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(verpd) Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungs-Instituts Forsa in diesem Jahr kommt zu dem Ergebnis, dass neun von zehn Bundesbürger nicht glauben, von einer Naturkatastrophe wie einer Überschwemmung bedroht zu sein. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Dass viele Bürger immer noch das Risiko von Naturkatastrophen wie Hochwasser falsch einschätzen, zeigt eine im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in 2014 durchgeführte Umfrage des Markt- und Meinungsforschungs-Instituts Forsa. 90 Prozent der befragten Bürger schätzen die Gefahr, von Naturgefahren wie Hochwasser bedroht zu sein, als gering ein.

Alleine letztes Jahr zahlten die Versicherer rund 1,8 Milliarden Euro für 140.000 Hochwasserschäden in Deutschland an ihre Kunden, die durch Starkregen verursacht wurden. Die Mehrheit der Schäden, nämlich 85 Prozent, ereignete sich an Orten, die weit außerhalb der als gefährdet bekannten Risikozonen liegen. Über 53 Prozent der Überschwemmungsschäden gab es in Gebieten, die statistisch betrachtet nur alle 200 Jahre oder seltener vom Hochwasser betroffen sind. Das heißt, die Mehrheit der Hochwasserschäden betraf Bürger, die weitab von großen Flüssen leben.

Staatliche Hilfe wird überschätzt

Dass viele Bürger nicht nur die Gefahr unter-, sondern auch die staatliche Absicherung nach einer Überschwemmung überschätzen, zeigt ein anderes Umfrageergebnis: 61 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass der Staat, sollte es doch zu einem Hochwasserschaden kommen, die Betroffenen finanziell unterstützt. Tatsächlich ist die staatliche Hilfe in der Regel auf steuerliche Erleichterungen und auf freiwillige Leistungen des Bundes und der Länder begrenzt.

So sind beispielsweise durch ein Hochwasser notwendig gewordene Schadensaufwendungen an Gebäuden und Hausrat nur steuerlich als Sonderausgaben absetzbar, wenn diese nicht anderweitig versicherbar gewesen wären. Doch nur 35 Prozent der Haushalte sind derzeit gegen Hochwasser versichert. Auf freiwilliger Basis werden oftmals zinsgünstige Darlehen und je nach Bundesland meist bis zu 400 € pro Erwachsenen und 250 € pro Kind, maximal jedoch 1.500 bis 2.000 € pro Haushalt als finanzielle Soforthilfe gewährt.

Doch selbst in den Regionen, die statistisch gesehen nicht einmal alle 200 Jahre ein Hochwasser zu befürchten haben und deshalb als niedrigste Gefahrenzone gelten, lag 2013 die durchschnittliche Schadenhöhe bei rund 6.300 € je Schadensfall. In den risikoreicheren Zonen lag der Durchschnittschaden um einiges höher und zwar bei bis zu 26.400 €. Manche Einzelschäden erreichten selbst in Gebieten, die eigentlich in der niedrigsten Gefahrenzone liegen, eine Höhe von bis zu 250.000 €.

Schutz für die Immobilie und den Hausrat

72 Prozent der Bürger glauben der Umfrage zufolge zudem, dass höchstens die Hälfte der Häuser in Deutschland gegen Hochwasserschäden versichert werden kann. Nach Angaben des GDV können jedoch 99 Prozent der Immobilien hierzulande gegen eine solche Gefahr mit einer entsprechenden Versicherungspolice abgesichert werden. So können in einer Gebäudeversicherung Hochwasserschäden durch die Mitversicherung von Elementarschäden mit abgedeckt werden. Das Gleiche gilt auch bei der Hausrat-Police.

Der Einschluss einer Elementarschaden-Versicherung, die nicht nur Schäden durch Hochwasser, sondern auch durch Schneelast, Starkregen, Lawinen, Erdbeben, Erdfall, Erdrutsch und Vulkanausbruch abdeckt, ist meist gegen einen kleinen Aufschlag in den genannten Policen möglich.

Selbst in Gebieten mit einem hohen Hochwasserrisiko kann nach Aussagen des GDV in vielen Fällen Versicherungsschutz gewährt werden, nachdem der Versicherer sich das Gebäude angesehen und eine individuelle Risikoprüfung durchgeführt hat.

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