Harte Zeiten für Vorsorge-Sparer

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Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), will die Märkte mit Geld fluten, um die Kreditvergabe in der Eurozone anzukurbeln und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Zinsanlagen könnten deshalb zur Falle für Vorsorge-Sparer werden.

Die Entscheidung der EZB, Staatsanleihen im Wert von 1,14 Billionen Euro zu kaufen, stieß in der deutschen Finanzwelt auf heftige Kritik.

Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), Dr. Alexander Erdland, bezeichnete den Schritt der Zentralbank als Zumutung. Es sei vollkommen ungewiss, ob das Ankaufprogramm die erhofften Effekte bringe. Aber das EZB-Anleiheprogramm mache es den Versicherern noch schwerer, den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen.

Kritik äußerte auch die Talanx AG. Finanzvorstand Dr. Immo Querner sieht anders als die Zentralbank keine wachsenden Deflationsrisiken. Die Kerninflationsrate liege bereinigt um den externen Faktor Ölpreis recht stabil bei knapp einem Prozent. Zudem sei ein Konsumentenstreik nicht in Sicht, vielmehr gäben diese in weiten Teilen wieder vermehrt ihr Geld aus. Querner sieht die große Gefahr, dass wir eine Generation bewusst in die Altersarmut hineinerziehen.

Zudem übte der Verband der privaten Bausparkassen e.V. massive Kritik an der EZB: Mit dem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen wird die schleichende Enteignung der Sparer beschleunigt, lässt sich Andreas J. Zehnder, Vorstandschef des Verbands, in einer Pressemeldung zitieren. Dadurch würde der Wille der Menschen zur privaten Altersvorsorge untergraben und die bestehende Absicherung entwertet. Wenn die Menschen sich aber das Sparen sparen, wird es für den Staat richtig teuer – erst recht in einer alternden Gesellschaft, so Zehnder weiter. Seiner Ansicht nach wäre die EZB gut beraten gewesen, die schädlichen Nebenwirkungen ihrer Niedrigzinspolitik stärker im Auge zu behalten. Diese Nebenwirkungen sind keine Nebensächlichkeiten. Sie erschüttern das Grundvertrauen der Menschen in die Früchte ihrer Lebensleistung.

Die Bedenken der Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Bausparkassen sind angesichts der gestrigen EZB-Entscheidung sicherlich vollauf berechtigt. Insbesondere die Altersvorsorge-Sparer, die auf die kapitalgedeckte und insbesondere auf die vom Zinsniveau abhängige private und betriebliche Altersvorsorge setzen, zählen zu den Verlierern.

Kaum einer weist darauf hin, dass die umlagefinanzierte und eben nicht vom Kapitalmarkt und Zinsniveau abhängige gesetzliche Rentenversicherung wahrscheinlich sogar zu den Gewinnern zählen wird, sofern die steigende Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern auch zu deutlichen Lohnsteigerungen führt. Insofern kann es in den nächsten Jahren durchaus zur Renaissance der gesetzlichen Rente kommen, die leider seit Jahren in einigen Massenmedien zu Unrecht bekämpft wird.

Schichten Sie um von Zinsanlagen in Sachwerte. Streuen Sie Ihr Geld auf mehrere Anlageklassen: z.B. Immobilien, breit aufgestellte Indexfonds (ETFs) auf Aktien (z.B. EuroStoxx 50) und evtl. Rohstoffe wie Gold, Öl, Weizen etc.

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