Griechen gerettet: Wie retten Sie jetzt Ihr Geld?

 - 

Griechenland erhält frisches Geld zu niedrigen Zinsen und braucht seine Schulden erst später zurückzuzahlen. Diese Rettungsmaßnahmen haben den Euro und die Börsen stabilisiert. Doch welche Schlussfolgerungen ziehen private Anleger daraus?

Die Anleger sind trotz der hektischen Notoperationen am noch lebenden Patienten erheblich verunsichert - nicht nur wegen der Schuldenkrise einiger europäischer Länder, insbesondere der sogenannten PIIGS-Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, sondern auch wegen Sorgen um die Finanzstabilität der USA und wegen der steigenden Kosten vor allem für Benzin, Strom, Erdgas und Heizöl.

Viele Deutsche haben sogar wegen der aktuellen Rettungsaktion Angst um ihr Erspartes, weil ja gerade dadurch die hohen Schulden von Griechenland noch weiter steigen und weil die strukturellen Probleme der griechischen Wirtschaft weiterhin bestehen. Wie kann der Privatanleger in der aktuellen Krise des Euro finanzielle Verluste vermeiden? Welche Anlagestrategie empfiehlt sich jetzt?

Zinsanlagen: Tagesgeld und Bundeswertpapiere sind relativ flexibel

Tagesgeld ist ein wichtiger Baustein bei der Kapitalanlage in Krisenzeiten, obwohl damit bestenfalls rund zwei Prozent Rendite erzielbar sind. Doch Tagesgeld ist sicher und der Anleger bleibt flexibel. Das ist besonders wichtig in Zeiten großer Unsicherheit.

Ähnlich verhält es sich mit Bundeswertpapieren, die zwar nur eine geringe Verzinsung versprechen, dafür aber große Sicherheit und Flexibilität.

Gelder auf Konten mit Tages- und Festgeld oder auf einem Sparbuch liegen dort relativ sicher. Sollte freilich ein Euro-Staat zahlungsunfähig werden, könnten auch deutsche Banken in Turbulenzen geraten. Dann droht ein ähnlicher Crash wie nach der Pleite der Investment-Bank Lehman Brothers im September 2008.

Allerdings ist die Gefahr für Spareinlagen gering. Zum einen gibt es die gesetzlich verankerte staatliche Einlagensicherung. Dadurch sind bis zu 100.000 Euro garantiert. Für Einlagen, die darüber hinausgehen, gelten zudem die privat organisierten Sicherungssysteme der deutschen Banken.

Wer sein Geld bei einer ausländischen Bank angelegt hat, genießt ebenfalls den gesetzlichen Schutz für bis zu 100.000 Euro, sofern es sich um ein Institut handelt, das in der europäischen Union seinen Hauptsitz hat.

Deutsche Staatsanleihen: Kaum ein Inflationsausgleich

Deutsche Staatsanleihen und Bundschatzbriefe sind außerhalb jeder Gefahr eines Zahlungsausfalls. Sie sind sogar sicherer als US-Titel. Der Preis für diese Sicherheit besteht jedoch in extrem niedrigen Renditen. Mit den Zinspapieren lässt sich selbst bei langen Laufzeiten kaum noch ein Inflationsausgleich erzielen.

Rentenfonds haben dagegen das Problem, dass sie ihre Anlagen breit gestreut haben, meist auch in Ländern, die jetzt von der Krise erfasst wurden. In der Folge haben auch die Kurse der entsprechenden Zinspapiere deutlich nachgegeben und die Wertentwicklung der Fonds ist gesunken. Sparer sollten sich daher erkundigen, in welchen Staaten und bei welchen Unternehmen der Fonds investiert ist.

Versicherungen: Sicher, aber wenig rentabel

Die Sicherheit von Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen hängt von den Auswirkungen der Euro-Krise auf die Versicherungsgesellschaften ab. Diese haben rund neun Prozent ihrer Kapitalanlagen in Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien angelegt. Griechenland spielt vom Volumen her kaum eine Rolle, eine Pleite Athens könnten die Unternehmen daher recht leicht verkraften. Anders dagegen im Falle Italiens. Dessen Anleihevolumen ist das drittgrößte der Welt, nach den USA und Japan. Fast jeder Versicherer ist in Italien investiert. Folglich würde eine Pleite Italiens für alle Versicherungen herbe Verluste bedeuten.

Absolut sicher sind Riester-Rentenversicherungen. Bei ihnen müssen die eingezahlten Beträge garantiert werden. Nicht garantiert sind jedoch die Renditen. Diese könnten daher im Falle eines Zusammenbruchs wichtiger Anleihemärkte unter Druck geraten. Das gilt freilich selbst dann, wenn alles gut ausgeht. Denn der größte Teil der Anlagen liegt in deutschen Anleihen und deren Renditen sind derzeit extrem niedrig, weil die Anleger eben vermehrt in diesen sicheren Hafen flüchten.

Aktien: Kaufen, wenn der Tiefststand überwunden wurde

Jetzt Aktien zu kaufen, kann durchaus sinnvoll sein. Aktien stellen Sachwerte dar, die auch nach der Krise vorhanden bleiben. Zudem sind die Bewertungen der meisten Papiere nach wie vor nicht allzu hoch, vor allem wenn man die Dividenden berücksichtigt. Generell sind Aktien daher weiterhin attraktiv, selbst wenn es in den kommenden Wochen und Monaten noch zu heftigen Schwankungen kommen dürfte.

Aktien gehören trotz zu erwartender Kursschwankungen grundsätzlich ins Krisendepot. Über den Anlageerfolg entscheidet unter anderem die Auswahl der einzelnen Titel oder Indices sowie der Zeitpunkt des Kaufs und des Verkaufs. Suchen Sie Titel, die nicht von der Krise betroffen sind.

Zu bevorzugen sind derzeit vor allem deutsche Aktien, da die Wirtschaftskonjunktur Deutschlands stark von den Exporten nach China und in andere Schwellenländer abhängt. Selbst die Pleite eines Euro-Landes hätte auf die deutsche Konjunktur nur einen begrenzten Einfluss.

Meiden sollten Anleger dagegen Europa-Fonds, die meist auch zu einem großen Teil in Märkten wie Italien oder Spanien investiert sind und in denen Banken oft ein hohes Gewicht haben. Bank-Aktien sind derzeit wenig empfehlenswert.

Krisengewinner: Gold und andere Edelmetalle sowie Rohstoffe

Die klassische Krisenwährung stellen seit jeher Edelmetalle dar. Daher sind derzeit Gold und Silber besonders gefragt. Sie gelten als krisensicher. Der Goldpreis ging seit Beginn der Griechenland-Krise Anfang 2010 um gut 33 Prozent nach oben. Noch extremer erfolgte der Anstieg bei Silber: Hier liegen die Kursgewinne bei über 120 Prozent.

Die Kurse für Gold und Silber stehen momentan sehr hoch. Dass sie noch weiter steigen könnten, ist spekulativ. Andererseits ist die Unsicherheit so groß, dass viele Anleger jetzt noch Gold kaufen und den Preis weiter in die Höhe treiben.

So lange die Preise für Gold, Silber und andere Rohstoffe steigen, lohnt es sich, diese zu kaufen. Gold wirft zwar keine Zinsen und Dividenden ab, dennoch klettert sein Kurs seit zehn Jahren, weil viele dieses Edelmetall als Krisenabsicherung betrachten. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, einen Teil seines Geldes in Goldmünzen oder kleine Barren zu investieren und diese in einem Safe zu Hause aufzubewahren. Niemand sollte aber sein ganzes Geld in Gold umschichten. Denn die Regel, sein Vermögen breit zu streuen, gilt auch während der Krise.

Bei Rohstoffen wie Kupfer treibt zusätzlich die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern die Preise. Diese Entwicklung könnte noch einige Zeit andauern.

Immobilien: Die Lage muss günstig sein

Immobilien sind ein guter Schutz gegen Währungsunsicherheiten. Bei ihnen kommt es aber stark darauf an, wo man investiert. Eine Immobilie in guter Lage kann durchaus rentabel sein. Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren gestiegen, allerdings nur in westdeutschen Ballungsräumen. Dort sind Immobilien teilweise bereits überteuert und man muss aufpassen, dass man keinen zu hohen Preis bezahlt. In Ostdeutschland gingen die Immobilienpreise hingegen zurück.

Beim Kauf einer selbst genutzten Immobilie spielen Lage, Ausstattung, Preis, Zinshöhe, Grunderwerbsteuer und Maklergebühr die entscheidenden Rollen. Selbstgenutztes Wohneigentum ist generell empfehlenswert, wenn die Lage erfolgversprechend ist und wenn ein krisensicherer Job sowie genügend Eigenkapital vorhanden sind.

Immobilien sind keine sicheren Anlagen, denn häufig schwanken auch diese im Wert. Nur sieht das der Anleger nicht so schnell, weil er seine Immobilie nicht jeden Tag zum Verkauf anbietet. Längerfristig stellen sie jedoch eine erfolgversprechende Anlageform dar. Erhebliche Risiken können sich ergeben, wenn man die Immobilie mit Fremdkapital finanziert.

Für Kapitalanleger sind Miet-Immobilien freilich nur dann rentabel, wenn sie gut vermietet und wertbeständig sind, also in einer Wachstumsregion liegen. In begehrten Stadtlagen steigen die Preise für neue Wohnungen und Eigenheime derzeit auf Rekordhöhen. Damit wächst die Gefahr, bei dem ohnehin geringen Angebot überteuert zu kaufen. Im Juni 2011 waren Wohnhäuser bundesweit rund 4,2 Prozent teurer als im Jahr 2010, Wohnungen um rund 5,8 Prozent.

Tipp
Aktien, Bundeswertpapiere, Gold und Tagesgeld gehören in Ihr Krisendepot. Auf Immobilien und Devisen sollten Sie nur vorsichtig setzen.

Weitere News zum Thema

  • So hohe Zuzahlungen leisten gesetzlich Krankenversicherte

    [] (verpd) Nahezu jeder gesetzlich Krankenversicherte leistet Zuzahlungen für medizinische Behandlungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die auf einer Umfrage basiert. Demnach zahlen Versicherte 448 Euro im Jahr zusätzlich zu ihrem Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung für Gesundheitsleistungen. Am häufigsten entfallen diese Zahlungen auf Apotheken- und Zahnarztkosten. mehr

  • Wenn Paare zu lange mit der Eheschließung warten

    [] (verpd) Wird eine Entscheidung zur Heirat erst gefasst, nachdem man bei einem Partner eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung festgestellt hat, so ist in der Regel von einer sogenannten Versorgungsehe auszugehen, wenn der Erkrankte vor Ablauf von zwölf Monaten verstirbt. Das hat das Sozialgericht Stuttgart mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden (Az. S 17 R 2259/14). Die Folgen können gravierend sein. mehr

  • Hier schlagen Blitze am häufigsten ein

    [] (verpd) Seit 1999 gab es in Deutschland nicht mehr so wenige Blitzeinschläge wie im Jahr 2016. Insgesamt wurden letztes Jahr aber immer noch fast 432.000 Blitzeinschläge gezählt, deswegen bleibt es wichtig, gegen die zum Teil gravierenden Schäden, die ein Blitz anrichten kann, finanziell abgesichert zu sein. Allerdings gibt es deutliche regionale Unterscheide bezüglich der durchschnittlichen Anzahl der Blitzeinschläge pro Quadratkilometer. mehr

  • Dafür legen die Deutschen Geld beiseite

    [] (verpd) Die Altersvorsorge ist wieder das Sparmotiv Nummer eins unter den Teilnehmern einer regelmäßig durchgeführten Umfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Im Herbst letzten und im Frühjahr dieses Jahres war noch der Konsum der Hauptgrund zum Sparen. mehr

  • Fristlos gekündigt wegen (zu) vieler Minusstunden

    [] (verpd) Das beharrliche Überschreiten der zulässigen Zahl von Minusstunden kann ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung eines ordentlich nicht mehr kündbaren Angestellten sein. Das gilt insbesondere dann, wenn der Betroffene zuvor bereits wegen Verstößen gegen die Arbeitszeitbestimmungen seines Arbeitgebers abgemahnt wurde, so das Landesarbeitsgericht Hamburg in einem Urteil (Az. 5 Sa 19/16). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.